24.09.2008 · Der Amokläufer von Kauhajoki nannte sich Wumpscut86 - in Anlehnung an ein deutsches Musikprojekt, das schon einmal in die Schlagzeilen geriet: nach dem Satansmord von Witten. Was ist das für eine Band, und wie reagieren ihre Fans?
Von Philip EppelsheimZehn Menschen erschoss der 22 Jahre alte Amokläufer Matti Juhani Saari in der finnischen Stadt Kauhajoki. Seine Tat hatte er im Internetportal Youtube angekündigt. Dort nannte er sich „Wumpscut86“, stellte einen Text des Musikprojekts „:Wumpscut:“ auf die Internetseite. Das ganze Leben sei Krieg und das ganze Leben sei Schmerz, hieß es dort. „This is war!“ Hinter diesen Zeilen verbirgt sich der 1966 im bayrischen Gangkofen geborene Rudy Ratzinger, den Fans als schwarzen Papst der „Electronic Body Music“ bezeichnen.
Ratzinger gründete 1991 „:Wumpscut:“, wählte ein Logo, welches der Weyland Yutani Corporation aus der Alien-Saga ähnelt. Wumpscut erwarb sich schnell einen Ruf in der „Schwarzen Szene“, wurde dort zu einer der bekanntesten Bands. Ratzinger machte mit provozierender Musik auf sich aufmerksam, sang von Gewalt und vom Tod. Dies führte immer wieder dazu, dass Ratzinger vorgeworfen wurde, zu Gewalttaten aufzurufen. So heißt es in dem Lied „Totmacher“ - eine Anlehnung an den Serienmörder Fritz Haarmann: „Tot tot tot Ich mache Dich tot / Tot tot tot von Blut alles rot…“ Auf der Beilage der CD „Böses junges Fleisch“ aus dem Jahr 2006 befinden sich Fotos von zahlreichen Mördern.
Der Satansmord von Witten
Außerhalb der Schwarzen Szene erregte Wumpscut vor sieben Jahren Aufsehen. Das Ehepaar Daniel und Manuela Ruda ermordete damals Frank Hackerts. Die Tat wurde als Satansmord von Witten bekannt. Das Paar gehörte der Gothic-Szene an, hatte auch Kontakte zu Rechtsextremen. Auf dem Auto der Rudas befand sich unter anderem ein Aufkleber des Wumpscut-Albums „Bunkertor 7“, ebenso an der Wohnungstür der Täter. In dem gleichnamigen Lied heißt es: „Ich kann nicht ertragen zu sehen dich leben / komm her zu mir laß dir den Todeskuß geben / Viele lockte ich schon in den grausamen Tod / auch du wirst verfaulen in der Kammer der Not … Glaub' An Mich Ich Kriege Dich / With Dried Blood On My Hands / Am Bunkertor 7“
Als Medien daraufhin Wumpscut vorwarfen, Gewalt zu fördern, reagierte Ratzinger mit dem Lied „Ruda“: Fragmente aus Fernsehberichten über den Satansmord, die mit brachialen Rhythmen, einem düsteren Gothic-Sound, unterlegt sind. Zudem machte Ratzinger negative Schlagzeilen, als er Sprachausschnitte von Adolf Hitler in seinen Liedern nutzte und mit der Band „Der Blutharsch“ zusammenarbeitete.
Düsterszenenhetzjagd
Nach dem Satansmord von Witten wurde Ratzinger in einem Interview des Szenemagazins Zillo gefragt, ob er zu irgendeinem Zeitpunkt Schuldgefühle gehabt habe. Ratzinger antwortete: „Nein, ich wüsste auch nicht, warum. Ich kann nichts (oder nur sehr wenig) dafür, wenn sich jemand derartig versteigt…“ Wumpscut produziere seit seiner Gründung „Songs from an apocalyptic fairyland, und da fehlen die Themen Hass, Angst, Wut und so weiter natürlich nicht.“ Zudem sagte Ratzinger zu dem Mord, dass Musik Emotionen hervorrufen könne, die wiederum nicht mit Musik befriedigt werden könnten.
Die Fans von Ratzinger lehnen jede Verbindung zwischen Ratzinger und der Tat von Matti Juhani Saari ab. Auf der Myspace-Seite von Wumpscut schreibt ein Internetnutzer namens „ollaH“: „Verdammt wie einfallslos kann ein Mensch sein, dann auch noch solch eine Tat verüben und noch schlimmer den Namen :wumpscut: in Mitleidenschaft ziehen? Ich glaube, für die Medien ist dies mal wieder ein gefundenes Fressen ...“ „Schwarzes Nürnberg“ schreibt: „Im Zusammenhang mit dem Amoklauf in Finnland, wird in deutschen Medien euer Bandname genannt. Ich hoffe, dass es für euch keine Rufschädigung ist.“ Und „Hexi“ ärgert sich über die „Düsterszenenhetzjagd“ die jetzt wieder losgehe.
Schön zu wissen, aber...
Alfred Weimann (GigaroCDA)
- 24.09.2008, 18:47 Uhr
Ursachenforschung : allgegenwartige Gewalt 24 Stunden lang
Peter Slater (Wales-Rhondda)
- 24.09.2008, 21:23 Uhr
:wumpscut:
Heiko Schmidt (tuzub37)
- 24.09.2008, 21:42 Uhr
Furchtbar, wie sich junge Männer verirren.
Heino German (polkataenzer)
- 24.09.2008, 22:28 Uhr
Widerspruch in sich
Josef Rockinger (Rockinger)
- 24.09.2008, 23:38 Uhr
Philip Eppelsheim Jahrgang 1981, Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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