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Amoklauf in Berlin Jugendlicher wegen versuchten Mordes in 37 Fällen angeklagt

27.10.2006 ·  Nach der Eröffnungsfeier des Berliner Hauptbahnhofs im Mai hatte ein 16 Jahre alter Junge wahllos auf Menschen eingestochen und sie zum Teil lebensgefährlich verletzt. Seit Monaten sitzt er in Untersuchungshaft, erst jetzt erfolgte die Anklage.

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Wegen versuchten Mordes in 37 Fällen ist Anklage gegen den Amokläufer vom Berliner Hauptbahnhof erhoben worden. Dem 17jährigen wird außerdem sechsfache Körperverletzung vorgeworfen, wie die Staatsanwaltschaft am Freitag mitteilte. Er soll nach der Eröffnungsfeier für den neuen Hauptbahnhof Ende Mai im Berliner Regierungsviertel in der Menschenmenge wahllos mit einem Klappmesser auf Passanten eingestochen und mehrere lebensgefährlich verletzt haben. Ein Termin für die nichtöffentliche Hauptverhandlung vor der Jugendkammer des Landgerichts Berlin ist noch nicht angesetzt.

Der Jugendliche habe in Kauf genommen, daß er die Opfer gefährlich trifft, deshalb laute die Anklage auf versuchten Mord, sagte Justizsprecher Michael Grunwald. Der Junge sitzt seit der Tatnacht in Untersuchungshaft.

HIV-Infektion bei Opfern immer noch möglich

Der Angeschuldigte hatte am 26. Mai zwischen 23.20 und 23.50 auf 43 Passanten eingestochen oder eingeschlagen, bevor er von Sicherheitskräften überwältigt werden konnte. Der damals 16jährige Hauptschüler erklärte danach, er könne sich wegen eines „Blackouts“ an nichts erinnern. Laut Anklage war er relativ betrunken. Medikamente oder Betäubungsmittel habe er aber vor der Tat nicht eingenommen.

31 Opfer erlitten Schnitt- oder Stichverletzungen am Oberkörper, zwei am Oberschenkel. Eines der ersten Opfer des Amokläufers war HIV- positiv. Er trug eine mehrere Zentimeter tiefe Stichverletzung davon. Danach sollen noch mindestens weitere 15 Personen verletzt worden sein. Viele Verletzte hatten danach Angst, auch mit dem HI-Virus infiziert zu sein. Bislang ist nach Angaben von Grunwald sowie der Berliner Universitätsklinik Charité jedoch bei keinem Opfer eine HIV-Infektion festgestellt worden. Allerdings kann den Medizinern zufolge eine endgültige Entwarnung erst sechs Monate nach der Tat - Ende November - gegeben werden.

Acht Menschen wurden schwer verletzt

Bei drei weiteren Opfern konnte das Messer nicht durch die Kleidung dringen. In einem Fall verhinderte ein Anhänger, den die Geschädigte am Oberkörper trug, eine Stichverletzung. Mindestens 8 Verletzte schwebten nach Stichen in Bauch, Lunge oder Niere in Lebensgefahr. Die mit 14 Jahren jüngste Geschädigte erlitt eine oberflächliche Rückenverletzung. Weitere 6 Personen sollen durch Schläge verletzt worden sein.

Kurz vor den Angriffen hatte der Jugendliche laut Anklage am Haupteingang des Bahnhofs Passanten belästigt. Er soll die Feiernden mit dem Licht seines Handys geblendet haben. Einen Passanten, der sich darüber beschwerte, habe der Angeschuldigte mit dem Messer bedroht. Außerdem soll der 17jährige vor dem Amoklauf einem Zufallsbekannten des Abends das Handy gestohlen haben. In dem Fall wird ihm ein bewaffneter Diebstahl zur Last gelegt.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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