Home
http://www.faz.net/-gus-6unv1
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Amanda Knox Von der Teufelin zum Unschuldslamm

Dass Amanda Knox freikam, verdankt sie auch einer meisterhaften PR-Kampagne. Eine renommierte Agentur wirkte mit allen Beteiligten zusammen und zeichnete das Bild des „Engels mit den Eisaugen“ weich.

© REUTERS Vergrößern Lächelnd am Leonardo Da Vinci Flughafen in Fiumicino

Was der amerikanischen Studentin Amanda Knox in einem italienischen Gerichtssaal gelungen ist, hätten die wenigsten für möglich gehalten. Vier Jahre nach dem gewaltsamen Tod ihrer Mitbewohnerin Meredith Kercher und zwei Jahre nach Knox’ Verurteilung als Mörderin der Britin sprach Richter Claudio Pratillo Hellmann in Perugia den Satz, der nicht nur die Familie des Opfers für alle Zeit verfolgen wird. „Assoluzione per non aver commesso il fatto“, verkündete der Jurist am Ende des Berufungsverfahrens. Den „Freispruch wegen erwiesener Unschuld“ relativierte er einige Tage später überraschend. „Er ist das Ergebnis der Wahrheit, die wir im Prozess festgestellt haben. Die echte Wahrheit könnte eine ganz andere sein“, sagte Hellmann.

APTOPIX Knox Homecoming Im Gerichtssaal: Mit gefalteten Händen geht ein dankender Blick an ihre Unterstützer im Publikum © dapd Bilderstrecke 

Schon vor der Urteilsverkündung am 3. Oktober hatte Staatsanwalt Guiliano Mignini die beiden Richter und sechs Schöffen immer wieder ermahnt, sich bei ihren Beratungen nicht durch den „Medienlärm“ beeinflussen zu lassen, der das spektakuläre Verfahren gegen Knox und ihren früheren Liebhaber Raffaele Sollecito vom ersten Tag an begleitete. Während italienische und britische Zeitungen die Studentin damals als „Engel mit den Eisaugen“ beschrieben, der Kercher gemeinsam mit Sollecito und dem Ivorer Rudy Guede bei Sexspielen erstach, wurde die Vierundzwanzigjährige in ihrer Heimat Amerika von der vermeintlichen Teufelin zum Unschuldslamm. „Der Wandel kam nicht über Nacht, sondern durch das jahrelange Retuschieren ihres Images. Heute gilt sie als Amerikanerin, die als normale junge Frau zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort war“, schilderte der als Verteidiger des Mafiabosses John Gotti bekannt gewordene Anwalt Gerald Shargel der „New York Times“.

Dezenter und gewiefter Strippenzieher

Die von einem Freispruch gekrönte Retusche verdankt Knox vor allem der PR-Agentur Gogerty Marriott, die auch außerhalb ihrer Heimatstadt Seattle im Bundesstaat Washington als dezenter, aber gleichzeitig besonders gewiefter Strippenzieher gilt. Im Auftrag der Eltern Edda Mellas und Curt Knox begann Firmengründer David Marriott unmittelbar nach Knox’ Festnahme im November 2007 einen medialen Zweifrontenkrieg. In amerikanischen Zeitungen und Internetportalen hoben erste Stimmen an, die der italienischen Justiz einen rauen Umgang mit „Amanda“ vorwarfen. Angeblich hatte die Polizei in Perugia die Studentin trotz mangelnder Italienischkenntnisse ohne Dolmetscher verhört, sie geschlagen und ihr eine HIV-Infektion vorgegaukelt.

Parallel dazu begann der PR-Profi Marriott, der unter anderem für eine Kampagne zur Energiepolitik während des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs 2008 ausgezeichnet wurde, das Bild des „Engels mit den Eisaugen“ weichzuzeichnen. Anstelle der Berichte über sexuelle Abenteuer seiner Klientin, die angeblich von einem Vibrator in Kaninchenform bis zu einem Quickie mit einem Fremden während einer Zugfahrt reichten, ließ er Familie und Freunde zu Wort kommen. In Interviews und auf Websites berichteten sie über Knox’ Leistungen an der University of Washington und auf dem Fußballfeld oder lobten ihre Charaktereigenschaften. „Amanda ist ein guter Mensch, der zu so einem Verbrechen nie fähig wäre“, meldete ihre Freundin Madison Paxton.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Mexiko Staatsanwalt erklärt 43 vermisste Studenten für tot

Für den mexikanischen Generalstaatsanwalt gibt es keinen Zweifel mehr: Die 43 vermissten Studenten wurden entführt, getötet und verbrannt. Doch die Familien der Opfer zweifeln die bisherigen Ermittlungsergebnisse an Mehr

28.01.2015, 07:50 Uhr | Gesellschaft
Obama verspricht Afrika Geld

Energieprojekte mit Blackstone, Trinkwasser von Coca-Cola, eine bessere Infrastruktur durch General Electric, Hotels von Marriott - das sind die Ergebnisse des Afrika-Gipfels in Washington. Mindestens 14 Milliarden Dollar sollen investiert werden. Mehr

06.08.2014, 11:03 Uhr | Politik
Großstadt-Kletterer Hochhaus hinauf

Sie steigen auf Dächer, balancieren auf Kränen und stellen die Videos davon ins Internet: Sogenannte Roofer suchen mit waghalsigen Klettereien die totale Entgrenzung. Sie waren auch schon auf dem Neubau der EZB. Mehr Von Denise Peikert

21.01.2015, 10:37 Uhr | Rhein-Main
Australia Day 1000 Schafe bilden australische Flagge

Mit mehr als 1000 Schafen hat die Schäferin Hanna Marriott die australische Fahne geformt. Mit der Aktion feierte Marriott den diesjährigen Nationalfeiertag Australia Day. Mehr

28.01.2015, 09:43 Uhr | Gesellschaft
Musikreise durch Amerika Austin schätzt seine musikalischen Helden

So viele Musik-Metropolen wie in den Vereinigten Staaten gibt es nirgends. Und jede klingt anders. Eine Reise nach Austin – der Stadt, die in den vergangenen Jahren einige der aufregendsten amerikanischen Bands hervorgebracht hat. Mehr Von Philipp Krohn und Ole Löding

29.01.2015, 17:08 Uhr | Stil
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 27.10.2011, 15:44 Uhr

Benedict Cumberbatch Für die Rechte Homosexueller

Schauspieler Benedict Cumberbatch hat eine nachträgliche Begnadigung zehntausender britischer Schwuler gefordert. Das Baby von Shakira und Gerard Piqué hat bereits eine Fußball-Konfession und die kleine North West könnte ein Geschwisterchen namens South West bekommen – der Smalltalk. Mehr 11

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden