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Amanda Knox Von der Teufelin zum Unschuldslamm

 ·  Dass Amanda Knox freikam, verdankt sie auch einer meisterhaften PR-Kampagne. Eine renommierte Agentur wirkte mit allen Beteiligten zusammen und zeichnete das Bild des „Engels mit den Eisaugen“ weich.

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Was der amerikanischen Studentin Amanda Knox in einem italienischen Gerichtssaal gelungen ist, hätten die wenigsten für möglich gehalten. Vier Jahre nach dem gewaltsamen Tod ihrer Mitbewohnerin Meredith Kercher und zwei Jahre nach Knox’ Verurteilung als Mörderin der Britin sprach Richter Claudio Pratillo Hellmann in Perugia den Satz, der nicht nur die Familie des Opfers für alle Zeit verfolgen wird. „Assoluzione per non aver commesso il fatto“, verkündete der Jurist am Ende des Berufungsverfahrens. Den „Freispruch wegen erwiesener Unschuld“ relativierte er einige Tage später überraschend. „Er ist das Ergebnis der Wahrheit, die wir im Prozess festgestellt haben. Die echte Wahrheit könnte eine ganz andere sein“, sagte Hellmann.

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© dapd Vergrößern Im Gerichtssaal: Mit gefalteten Händen geht ein dankender Blick an ihre Unterstützer im Publikum

Schon vor der Urteilsverkündung am 3. Oktober hatte Staatsanwalt Guiliano Mignini die beiden Richter und sechs Schöffen immer wieder ermahnt, sich bei ihren Beratungen nicht durch den „Medienlärm“ beeinflussen zu lassen, der das spektakuläre Verfahren gegen Knox und ihren früheren Liebhaber Raffaele Sollecito vom ersten Tag an begleitete. Während italienische und britische Zeitungen die Studentin damals als „Engel mit den Eisaugen“ beschrieben, der Kercher gemeinsam mit Sollecito und dem Ivorer Rudy Guede bei Sexspielen erstach, wurde die Vierundzwanzigjährige in ihrer Heimat Amerika von der vermeintlichen Teufelin zum Unschuldslamm. „Der Wandel kam nicht über Nacht, sondern durch das jahrelange Retuschieren ihres Images. Heute gilt sie als Amerikanerin, die als normale junge Frau zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort war“, schilderte der als Verteidiger des Mafiabosses John Gotti bekannt gewordene Anwalt Gerald Shargel der „New York Times“.

Dezenter und gewiefter Strippenzieher

Die von einem Freispruch gekrönte Retusche verdankt Knox vor allem der PR-Agentur Gogerty Marriott, die auch außerhalb ihrer Heimatstadt Seattle im Bundesstaat Washington als dezenter, aber gleichzeitig besonders gewiefter Strippenzieher gilt. Im Auftrag der Eltern Edda Mellas und Curt Knox begann Firmengründer David Marriott unmittelbar nach Knox’ Festnahme im November 2007 einen medialen Zweifrontenkrieg. In amerikanischen Zeitungen und Internetportalen hoben erste Stimmen an, die der italienischen Justiz einen rauen Umgang mit „Amanda“ vorwarfen. Angeblich hatte die Polizei in Perugia die Studentin trotz mangelnder Italienischkenntnisse ohne Dolmetscher verhört, sie geschlagen und ihr eine HIV-Infektion vorgegaukelt.

Parallel dazu begann der PR-Profi Marriott, der unter anderem für eine Kampagne zur Energiepolitik während des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs 2008 ausgezeichnet wurde, das Bild des „Engels mit den Eisaugen“ weichzuzeichnen. Anstelle der Berichte über sexuelle Abenteuer seiner Klientin, die angeblich von einem Vibrator in Kaninchenform bis zu einem Quickie mit einem Fremden während einer Zugfahrt reichten, ließ er Familie und Freunde zu Wort kommen. In Interviews und auf Websites berichteten sie über Knox’ Leistungen an der University of Washington und auf dem Fußballfeld oder lobten ihre Charaktereigenschaften. „Amanda ist ein guter Mensch, der zu so einem Verbrechen nie fähig wäre“, meldete ihre Freundin Madison Paxton.

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