http://www.faz.net/-gum-14vor

Ali Agca : Papst-Attentäter ist wieder frei

  • Aktualisiert am

Umringt von Journalisten: der Papst-Attentäter Ali Agca bei seiner Entlassung Bild: REUTERS

Nach fast 29 Jahren in italienischen und türkischen Gefängniszellen ist der inzwischen 52 JahrePapst-Attentäter und verurteilte Journalisten-Mörder Mehmet Ali Agca aus der Haft entlassen worden. Zum Militär muss er nicht. Nun hofft er auf Honorare für Filme und Bücher.

          Papst-Attentäter Mehmet Ali Agca ist am Montag nach fast drei Jahrzehnten in Haft aus dem Gefängnis in der Türkei entlassen worden. Die Polizei brachte den heute 52 Jahre alten Mann unmittelbar nach der Haftentlassung in ein Militärkrankenhaus, wo Ärzte ihn offiziell für wehrdienstuntauglich erklärten. Nach Angaben seiner Anwälte will Agca nun seine Memoiren schreiben, vor der Öffentlichkeit äußerte er sich zunächst nicht.

          Agca verließ das Gefängnis in Sincan bei Ankara in einem Polizeiwagen. Den wartenden Journalisten reckte er im Wagen die geballte rechte Faust empor. Vor vier Jahren hatten die Militärbehörden dem Papst-Attentäter bereits eine „fortgeschrittene anti-soziale Persönlichkeitsstörung“ bescheinigt und ihn für untauglich erklärt. Die erneute Untersuchung am Montag bestätigte, Agca sei als Soldat in der Armee nicht zu gebrauchen.

          Agca, ein rechtsradikaler Gewalttäter der militanten Gruppe „Graue Wölfe“, hatte 1979 in der Türkei den Journalisten Abdi Ipekci erschossen und war dafür zum Tode verurteilt worden. Kurz darauf floh er aus dem Gefängnis ins Ausland, möglicherweise mit Hilfe von Sympathisanten in den Reihen der Sicherheitskräfte. Zwei Jahre später, am 13. Mai 1981, feuerte er auf dem Petersplatz in Rom auf Papst Johannes Paul II. und verletzte ihn schwer. Agca wurde sofort festgenommen. Die Hintergründe für die Tat sind bisher allerdings nicht aufgeklärt. Einem Verdacht zufolge steckten osteuropäische Geheimdienste hinter dem Anschlag.

          Begnadigt und abgeschoben

          Nach 19 Jahren Haft in Italien wurde Agca im Jahr 2000 begnadigt und in die Türkei abgeschoben, wo er wegen des Ipekci-Mordes hinter Gitter kam. In seiner Haft machte Agca immer wieder mit merkwüdigen Stellungnahmen von sich reden. Am Montag bezeichnete er sich in einer handschriftlichen Erklärung erneut als „Messias“ und sagte den baldigen Weltuntergang voraus. Manch Beobachter meinen, dass Agca eine verminderte Zurechnungsfähigkeit nur vorschiebt, um die Spuren des Attentats zu verwischen.

          Über seine Anwälte hatte Agca in den vergangenen Wochen erklären lassen, ihm lägen aus aller Welt hoch dotierte Angebote für Filme und Bücher vor. Auch aus Hollywood gebe es Offerten, sagte ein Anwalt am Montag. Demnach will Agca nach der Haftentlassung erst einmal zwei Wochen Urlaub machen und sich anschließend für eines der Angebote entscheiden. Zudem will er das Grab von Johannes Paul II. in Rom besuchen. Nach unbestätigten Berichten wird sich der Papst-Attentäter möglicherweise im Laufe der Woche vor Journalisten in Istanbul äußern.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          F.A.Z.-Recherchen : Diesel-Konzept der Regierung basiert auf veralteten Daten

          In 14 besonders mit Stickstoffdioxid belasteten Städten sollen Maßnahmen ergriffen werden, um Fahrverbote für ältere Diesel zu vermeiden. Doch wie F.A.Z.-Recherchen nun zeigen, waren die Daten der Regierung nicht aktuell. Damit ändert sich die Liste der Städte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.