Home
http://www.faz.net/-gus-780hb
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
50 plus

14 Jahre Haft Saddam Husseins Anwalt nur ein Hochstapler

Ein britisches Gericht hat den Verteidiger von Saddam Hussein und Slobodan Milosevic als Betrüger ohne juristischen Abschluss entlarvt und zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Er habe seine Klienten um Millionen geprellt.

© REUTERS Vergrößern Selbstbewusst: Giovanni di Stefano

Der bekannte Verteidiger zahlreicher Politiker und notorischer Verbrecher, Giovanni di Stefano, ist nach Überzeugung eines britischen Gerichts gar kein Anwalt. Die Richter befanden den Italiener unter anderem des Betrugs und der Geldwäsche für schuldig und verurteilten ihn am Donnerstag zu 14 Jahren Haft. Di Stefano habe fälschlicherweise angegeben, verschiedene juristische Abschlüsse und Qualifikationen zu haben, sagte Staatsanwältin Hilary Ryan. Er habe sein Spiel über acht Jahre lang getrieben und so seine Klienten um Millionen gebracht.

Di Stefano war unter anderem als einer der Verteidiger des früheren irakischen Machthabers Saddam Hussein bekannt geworden. Zu seinen weiteren Klienten zählten der frühere serbische Präsident Slobodan Milosevic und der bekannte britische Posträuber Ronnie Biggs. Auch den im Vereinigten Königreich als „Doctor Death“ bekannten Arzt Harold Shipman, der mindestens 215 seiner Patienten ermordet hatte, vertrat di Stefano. Die britische Presse nannte ihn deshalb auch „Advokat des Teufels“. Im Gerichtsverfahren sagte der 57 Jahre alte Mann zudem aus, er habe auch zum Präsidenten von Simbabwe, Robert Mugabe, und zu Al-Kaida-Chef Osama bin Laden Kontakt gehabt.

Lawyer Di Stefano arrives at Southwark Crown Court in London © REUTERS Vergrößern Vor Gericht gab di Stefano an, er habe sich während eines Gefängnisaufenthalts schlecht beraten gefühlt und deshalb beschlossen, Anwalt zu werden.

Di Stefano wurde in Italien geboren und zog als Kind nach Großbritannien. Vor Gericht gab er nun an, er habe sich während eines Gefängnisaufenthalts in den 1970er-Jahren von seinem Verteidiger schlecht beraten gefühlt und deshalb beschlossen, Anwalt zu werden. Später habe er sich selbst Jura beigebracht. Als er sich ausreichend ausgebildet fühlte, habe er angefangen, Klienten zu beraten. Wie sich vor Gericht herausstellte, war er aber weder in Italien noch in Großbritannien als Anwalt zugelassen.

Der Möchtegern-Jurist war 2011 beschuldigt worden, seine fachlichen Qualifikationen falsch angegeben zu haben. Zudem wurde er des Diebstahls eines BMW-Fahrzeugs bezichtigt. Im Februar 2011 war Giovanni di Stefano schließlich auf Mallorca aufgrund eines europäischen Haftbefehls festgenommen worden.

Quelle: AFP/Bloomberg

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Weitere Nachrichten Wall-Street-Händler kassieren laut Studie weniger Boni

IG Metall zurrt die Tarifforderung für die Metall- und Elektroindustrie fest, Rewe will sich juristisch gegen Edeka-Tengelmann wehren und Aldi plant 35.000 Jobs in Großbritannien zu schaffen. Mehr

11.11.2014, 07:12 Uhr | Wirtschaft
Serbenführer Vojislav Šešelj Formal unschuldig

Nach fast zwölf Jahren Prozessdauer entlässt das Haager Tribunal den einstigen serbischen Kriegstreiber Vojislav Šešelj aus der Haft. Ein Urteil liegt immer noch nicht vor. Mehr Von Michael Martens, Istanbul

07.11.2014, 18:20 Uhr | Politik
Französischer Fußball Feldzug gegen Manipulation und Korruption

Kriminelle Machenschaften? Behörden nehmen französische Fußballfunktionäre in Gewahrsam. Es geht unter anderem um Geldwäsche und Spielmanipulation. Mehr Von Christian Schubert, Paris

20.11.2014, 09:28 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 27.03.2013, 22:10 Uhr

U2-Sänger Bono ist doch schwer verletzt

Bono muss nach einem Fahrradunfall zweimal operiert werden, Angelina Jolie bereitet sich auf das Ende ihrer Schauspielkarriere vor und Rocko Schamoni ist von der Wohnsituation in Hamburg genervt – der Smalltalk. Mehr 2

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden