Bei einer groß angelegten Razzia gegen mutmaßliche Menschenhändler hat die Polizei in Deutschland und Bulgarien insgesamt 40 Menschen festgenommen. Der Bande wird vorgeworfen, Frauen türkischer Abstammung aus Bulgarien nach Westeuropa geschleust und zur Prostitution gezwungen zu haben. Laut einer Mitteilung des Bundeskriminalamtes vom Donnerstag wurde der mutmaßliche Chef der Organisation mit zwei Komplizen in Bulgarien dingfest gemacht.
Etwa 320 Polizisten durchsuchten am Mittwoch in Hannover, Hamburg, Köln und Gießen Wohnungen und „bordellartige Betriebe“. Bei der Razzia wurden 37 Menschen vorläufig festgenommen. Gegen sechs von ihnen bestand schon ein Haftbefehl. Ihnen wird Menschenhandel, Verstoß gegen das Aufenthaltsgesetz und illegale Prostitution vorgeworfen.
Monatelange Ermittlungen
Bei den übrigen Personen prüfen die Ermittler noch, ob Haftgründe wie Verdunkelungs- und Fluchtgefahr vorliegen. Unter den Festgenommenen sind auch 15 Prostituierte, die möglicherweise mit Gewalt zu ihrer Tätigkeit gezwungen worden sind. Die Zuhälter sollen auch mit falschen Versprechungen gearbeitet haben.
Die Polizei stellte zahlreiche falsche Pässe sicher. Vorangegangen waren laut Bundeskriminalamt monatelange gemeinsame Ermittlungen deutscher und bulgarischer Behörden. Nach bisherigen Erkenntnissen habe die Bande sowohl die Anwerbung als auch die Ausbeutung der Frauen organisiert. Sie seien mit Kleinbussen über Österreich nach Deutschland, Belgien, in die Niederlande und nach Frankreich gebracht worden. Dort seien sie an ortsansässige Mitglieder der Organisation übergeben und zur Prostitution gezwungen worden.