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Komet Linear Schneebedeckter Dreckball statt dreckiger Schneeball

17.05.2001 ·  Den Kometen Linear beim Zerfall zu beobachten könnte sein wie ihm beim Zusammensetzen rückwärts zuzusehen, und Aufschlüsse über seine Bestandteile zu bekommen.

Von Cornelia Pretzer
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Der Zerfall des Kometen Linear am 20. Juli 2000 wurde von vielen Linsen beobachtet. Etliche Teleskope auf der Erde sowie das Hubble-Raumteleskop sammelten Bilder und Daten über den Kometen. Astronomen hoffen, dass der Ablauf des Zerfalls - rückwärts betrachtet - dem Zusammenbau gleicht. Das gäbe Aufschluss über die Bildung von Kometen und Planeten.

Linear, benannt nach dem Programm, mit dem er erstmals entdeckt wurde (Lincoln Near Asteroid Research), war ein schneebedeckter Dreckklumpen. Diese Erkenntnis, die sich wenig differenziert anhört, heizt eine jahrzehntealte Diskussion unter Kometenwissenschaftlern an. Eine Theorie aus den 50er Jahren besagt nämlich, dass Kometen zu gleichen Teilen aus Schnee und Geröll bestehen könnten, es sich also um dreckige Schneebälle handele. Das widerlegt Linear.

Eine weitere Entdeckung ist, dass Linear nicht aus einem homogenen Körper bestand, sondern aus einem Haufen Geröll. Die 16 Teile, die nach dem Zerfall beobachtet wurden, unterstützen diese Beobachtung. Für die Forscher ist aber außer den großen Teilen und dem rund 100.000 Kilometer langen Schweif aus kleinsten Stäuben, die nach dem Zerfall übrig blieben, auch die Tatsache interessant, dass keine mittelgroßen Stücke entstanden.

Warum zerfiel der himmlische Geröllhaufen

Warum der Komet überhaupt zerfiel, ist eine weitere Frage, die den Kometologen Rätsel aufgibt. Die schnelle Rotation könnte ein Grund sein, ein weiterer die Annäherung zur Sonne. Die Hitze könnte die chemische Zusammensetzung des Himmelskörpers geändert haben. Schließlich könnte eine Kollision mit einem anderen Kometen oder einem Asteroiden Linear instabil gemacht haben.

Nahe der Sonne entstanden

Kometen könnten das Wasser auf die Erde gebracht haben. Die Messungen an Linear unterstützen diese Theorie. Die chemische Zusammensetzung des Planeten wäre richtig gewesen, um Wasser aus den gleichen Atombausteinen wie auf der Erde und organische Stoffe mitzubringen. Mit seiner Größe von 750 mal 1.000 Metern trug er etwa 3,3 Millionen Tonnen Wasser mit sich, berechneten die Forscher.

Die chemische Zusammensetzung lässt auch vermuten, dass Linear nahe der Sonne, in wärmeren Gefilden, entstand. Wissenschaftler glauben, dass der Komet aus der Oort-Wolke kommt, einem großen Kometenschwarm am Rande unserer Galaxie. Dort könnte er sich aus der selben Gas- und Staubwolke gebildet haben, aus der auch die Sonne und die Planeten entstanden.

Vielleicht nur ein merkwürdiger Komet“

Kometen sind die ursprünglichsten Objekte im Weltraum. Die Eis- und Geröllbälle haben sich chemisch und physikalisch seit ihrer Entstehung nicht verändert. Deshalb könnte Linear Aufschlüsse über die Entstehung der Kometen an sich geben. Doch einer der Forscher, Hal Weaver von der Johns Hopkins University in Maryland, merkt an: „Wenn wir über solche grundsätzlichen Themen sprechen, müssen wir daran denken, dass Linear einfach nur ein merkwürdiger Komet sein könnte.“

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