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Kokain-Spuren Euro unter Drogen

 ·  An unserem Geld haftet Kokain. Fast jeder Euro-Schein weist Spuren der Droge auf, wiesen Wissenschaftler jetzt nach. Aber wie kommt der Stoff ins Portemonnaie?

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Die neuerlichen Höhenflüge der europäischen Währung könnten eine handfeste Ursache haben: Der Euro steht unter Drogen. Genauer - an unserem Geld klebt Kokain. Fast jede Euro-Note, die wir in die Hand nehmen, um damit Windeln oder Weichspüler zu bezahlen, weist Spuren der nachrichtenträchtigen Droge auf. Nürnberger Wissenschaftler des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung haben im August 2002 an neun von zehn Euro-Scheinen Kokainspuren nachgewiesen.

Was Euro und Kokain verbindet, ist der alternative Verwendungszweck des Tauschmittels: Mit einem gerollten Geldschein läßt sich die passende Schnupfenmenge des Pulvers besser die Nase hochziehen. Doch bedeutet das Ergebnis keineswegs, fast alle deutschen Euro-Scheine hätten sich drogensüchtige Partypeople bereits in ein Nasenloch geschoben und eine beglückende Linie geschnieft. Es ist eher eine Sache wie mit den Bienen und den Blüten: An der einen Euro-Note bleibt das Kokain haften und auf ihrem Weg durch Kassen, Hände und Bankschließfächern bestäubt sie diverse andere Blüten, nein Banknoten.

Staubfeines Pulver in der Luft

Wie leicht sich feines Pulver verbreiten läßt, haben die Anschläge mit Anthrax in den Vereinigten Staaten gezeigt. Ein einziger Brief, der das tödliche Pulver enthielt, genügte, um ein ganzes Postzentrum zu infizieren. Dazu tragen Sammel- und Sortieranlagen bei, die jeden Brief ordentlich durchrütteln und das pudrige Gemisch in der Luft verteilen, die dann noch von Klimaanlagen durchgerührt wird.

Ein ähnlich bewegtes Leben haben Geldscheine, die bankintern von Zählmaschinen durchgeblättert und dann mit anderen Noten verbündelt werden. Wenn Fünfer in Kassen aufeinander liegen oder im Portemonnaie aneinander gepreßt werden, verteilt sich das nachrichtenträchtige Pulver nach und nach auf jedermanns Finanzen. Ein Schein, so schätzen amerikanische Wissenschaftler, die am Dollar ähnliche Funde machten, kann tausende Scheine kontaminieren.

Nation der Drogenkuriere?

Die Sorge, daß die Deutschen künftig als Nation der Drogenkuriere gelten könnten, ist allerdings unbegründet. Die Kokainmengen sind zwar nachweisbar, aber nur unter Laborbedingungen. Insgesamt haben die Nürnberger Forscher unter Prof. Fritz Sörgel 700 Noten untersucht und dabei im Schnitt eine Belastung von 0,4 Mikrogramm vor Schein gefunden, das sind vier Millionstel Teile eines Gramms. Da hilft weder intensives Schnüffeln noch Ablecken, um die stimulierende Wirkung des Geldes mit anderen Mitteln zu erleben.

Mit einem anderen Vorurteil räumten die Forscher übrigens auf: Kokain scheint nicht unbedingt in der Welt der großen Scheine zuhause zu sein. Die größeren Banknoten im Wert von 100, 200 und 500 Euro wiesen geringere Menge Kokain auf als die kleinen Scheine.

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Jahrgang 1966, Redakteurin vom Dienst bei FAZ.NET.

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