Home
http://www.faz.net/-gum-uqg8
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Montag, 13. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Knut des Tages Das merkwürdige Verhalten von Hühnern zur Paarungszeit

15.05.2007 ·  Dass Frauen sich allerlei Ausreden ausdenken, um lustvolle Männer im Bett auf Distanz zu halten, ist bekannt. Weniger bekannt dürfte sein, dass Hennen ähnlich fiese Tricks draufhaben, um eitle Gockel abzuwehren. Genug tierische Erkenntnisse für den Knut des Tages.

Von Marco Dettweiler
Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (1)

Dank englischer und schwedischer Forscher wissen wir nun, dass es auch bei den Hühnern mit dem Sex so eine Sache ist. Um die Erkenntnisse der Studie vorwegzunehmen und die Menschen zu enttäuschen: Hennen und Hähne zeigen ein ähnlich merkwürdiges Paarungsverhalten wie Mann und Frau. Um die Ehre der Hühner zu retten, sei aber an dieser Stelle gesagt, dass Hennen zwar mit geschmeidigen Tricks arbeiten, um willige Hähne zu vertrösten, wenn diese den Hennen ans Gefieder wollen.

Doch die Hennen halten eitle Gockel wenigstens bei der Stange, indem sie sich einmal am Tag auf ein Liebes-Kikeriki einlassen. Als hätte man es geahnt, lieben sich die Hühner am Morgen. Wer auf dem Land lebt, kennt die Schreierei. Das Liebesspiel ist sogar so ritualisiert, dass man die Uhr danach stellen kann.

Trick für die Ruhe

Dass es im Gehege schon so früh losgeht, liegt an den Hinterlistigkeit der Hennen. Die Wissenschaftler haben nämlich herausgefunden, dass die gefiederten Damen nur deswegen allmorgendlich ihre Bereitschaft für den Beischlaf zeigen, weil sie dann tagsüber ihre Ruhe haben. Jedenfalls wenden alle Hennen diesen Trick an, die in Gruppen leben, die von Hähnen dominiert werden.

Die Forscher aus Oxford und Stockholm stellen trocken fest: „Hennen werden in Gruppen mit vielen Männchen intensiver bedrängt. Sie werben dann am Morgen um Sex und vermeiden ihn so am Abend“. Meine Herren! (Oder Damen?) Ist das nicht etwas naiv gedacht? Auch von den Hennen? Einmal am Tag mag ihnen vielleicht ausreichen, aber was ist mit den Gockeln? Kaum auf der Stange erwacht, im Nu verführt, werden sie doch nicht gänzlich befriedigt durch den Hühnerstall trotten, um auf ihre Chance am nächsten Morgen zu warten. Jetzt erst recht, werden sie sich denken und ihre Liebsten eben nicht in Ruhe lassen.

Trick für den Nachwuchs

Wenn nun die Hennen unter ihresgleichen sind, nur wenige Hähne gierig um sie herumfliegen, ist von einer morgendlichen Lust nichts zu spüren. Die Gockel gehen leer aus. Denn plötzlich bevorzugen die Hennen Sex am Abend. Aus einem einfachen Grund: Wenn es dunkel wird, sind Hühner am fruchtbarsten. Gockel sollten also gewarnt sein: Wenn die Henne am Morgen nicht willig ist, will sie Nachwuchs.

Was lernen wir Menschen über unser Paarungsverhalten? Eines auf jeden Fall: Wenn die Frau weder morgens noch abends Sex haben will, könnte sich der Mann wenigstens auf die Hennen berufen. Die wollen zwar nur morgens oder abends mit ihren Gockeln in den Stall steigen, dafür ist einmal am Tag der Beischlaf garantiert. Und wenn unerwarteterweise mal eine Henne oder Frau auf ihren Gockel mehrmals täglich Lust hat, dann umso besser.

Knut - es kann nicht nur einen geben! Auch andere Tiermütter haben knuddelige Babys. Ebenso verdient Menschliches abseits der großen Geschehnisse manchmal unsere Aufmerksamkeit. Nicht nur Ereignisse wie ein Besuch im Berliner Zoo können ans Herz gehen. FAZ.NET wird daher in loser Folge so lange den „Knut des Tages“ ausrufen, bis der kleine Eisbär erwachsen geworden ist. Dann - und nur dann - könnte er sogar selbst zum Knut des Tages werden.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen