25.04.2007 · Einkaufswagen kann man zwar nur im Supermarkt ausleihen, aber zu sehen sind sie häufig auch außerhalb der Aldis und Lidls. In Florida transportierte ein Mann einen Alligator in einem solchen Gefährt. Was wollte Benjamin Hodges damit bloß machen? Der Knut des Tages.
Von Marco DettweilerDer Einkaufswagen ist ein seltsames Gefährt. Erst sein Inhalt verrät vieles über die Befindlichkeit seines Fahrers. Ein junger, gut aussehender und gekleideter Mann kann an der Aldi-Kasse signalisieren: Ich bin cool, denn ich habe echt Kohle, gehe aber beim Lebensmittel-Discounter einkaufen. Zugleich kann er attraktiven Frauen durch seinen mit Champagner und Lachs gefüllten Wägelchen zeigen, dass er natürlich nur die Edel-Produkte von Aldi ausgewählt hat und jederzeit bereit ist für ein abendliches Luxusmahl.
In Amerika ist mal wieder alles anders. Dort ist der Einkaufswagen häufig ein Symbol für Armut. Obdachlose transportieren gerne ihren Haushalt in dem Gittergefährt, um an geeignete Übernachtungsorte zu kommen oder sich von unerlaubten Plätzen zu entfernen. Wer so arm ist, will nichts symbolisieren, sondern einfach nur mit dem leben, was ihm bei seinem sozialen Abstieg geblieben ist.
Tot oder getötet?
Was sich Benjamin Hodges gedacht hat, als er im kalifornischen Tampa einen Alligator im Einkaufswagen nach Hause schob, um ihn in seinem Garten zu zerlegen, ist noch nicht ganz klar. Die Polizei hat ihn jedenfalls festgenommen. Sie warf ihm vor, dass er das tote Tier essen wollte und das ist nun mal verboten. Ihm drohen sechzig Tage Haft oder 500 Dollar Strafe. Das Ausmaß der Strafe hängt auch davon ab, ob Hodges das Tier bereits tot aufgefunden oder getötet hat. Denn hätte er den Alligator eigenständig erlegt, könnte er für illegale Tötung oder Besitz sogar 5000 Dollar Strafe oder fünf Jahre in den Knast kommen.
Vielleicht hätte man einem Obdachlosen verziehen, wenn er mit einem toten Alligator in seinem Einkaufswagen durch die Gegend gezogen wäre. Denn mit dem 1,50 Meter großen Leckerbissen hätte er sich eine Weile ernähren und sich sparen können, Leute wegen einer Spende anzubetteln. Doch weder ist Hodges ein Penner noch wollte er das Tier essen. Der Hobbyangler häutete den Alligator, um aus seiner Haut einen Gürtel anfertigen zu lassen. Behauptet Hodges jedenfalls.
Wer also demnächst hierzulande einen Menschen sieht, der ein totes Pelztier durch die Straßen schiebt, sollte ihn aufhalten und die Polizei rufen. Denn egal, ob derjenige das Tier hasste und deswegen tötete, es nur essen oder aus ihm einen Pelzmantel machen wollte. Es ist verboten.
Knut - es kann nicht nur einen geben! Auch andere Tiermütter haben knuddelige Babys. Ebenso verdient Menschliches abseits der großen Geschehnisse manchmal unsere Aufmerksamkeit. Nicht nur Ereignisse wie ein Besuch im Berliner Zoo können ans Herz gehen. FAZ.NET wird daher in loser Folge so lange den „Knut des Tages“ ausrufen, bis der kleine Eisbär erwachsen geworden ist. Dann - und nur dann - könnte er sogar selbst zum Knut des Tages werden.