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„Kleine Strolche“ : Jean Darling gestorben

Das gleiche Lächeln wie damals: Jean Darling Bild: Rainer Wohlfahrt

Ihre Rolle in „Die kleinen Strolche“ machte Jean Darlings blondgelocktes Puppengesicht einem Millionenpublikum bekannt. Jetzt ist die Schauspielerin kurz nach ihrem 93. Geburtstag gestorben.

          Im August strickte Jean Darling vorsorglich Weihnachtssocken. „Wer weiß, ob ich dann noch da sein werde“, sagte die Dreiundneunzigjährige der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in ihrem letzten Interview. Und lächelte so charmant wie in den „Kleinen Strolchen“, der Stummfilm-Reihe, mit der sie schon im Alter von vier Jahren berühmt wurde.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Wären Menschen so alt, wie sie sich geben, wäre Jean Darling immer dieses Mädchen geblieben. Mit Witz und Charme brachte sie Gäste zum Lachen, auch uns immer wieder in den vier Stunden, in denen sie ein letztes Mal von ihrer Zeit als Kinderstar berichtete. Ihr Leben begann in Hollywood und endete nach plötzlicher Krankheit am 4. September, wenige Tage nach dem Interview und kurz nach ihrem 93. Geburtstag in Hessen, in Rödermark.

          Kaum war sie am 23. August 1922 in Santa Monica geboren worden, brachte ihre Mutter das Kleinkind im Alter von wenigen Monaten zu den ersten Castings in die Filmstudios von Hollywood. Der Vater verließ die Familie, weil er damit nicht einverstanden war. Mit vier Jahren hatte Jean Darling dann den ersten Auftritt in den „Kleinen Strolchen“. Die Stummfilm-Reihe um ein paar Kinder von der Straße wurde eine der erfolgreichsten Serien der Kino-Geschichte und machte Jean Darlings blondgelocktes Puppengesicht einem Millionenpublikum bekannt.

          Von 1927 bis 1929 war sie festes Mitglied der Strolche und trat so in 46 Stummfilmen und sechs Tonfilmen auf. Bei den Dreharbeiten lernte sie auch Stan Laurel und Oliver Hardy („Dick und Doof“) kennen, die am benachbarten Set arbeiteten. Von ihnen lernte die kleine Jean das Handwerkszeug für das Komödienfach – und das Schwimmen. Laurel, den Jean Darling „Stany“ nannte, hatte erfahren, dass das Mädchen bei Dreharbeiten einmal fast ertrunken wäre.

          Die „kleinen Strolche“

          Die wichtigsten Lektionen ihres Lebens habe sie aber von Vaudeville-Star Marie Dressler gelernt, erzählte Jean Darling. „Verlass dich nicht auf die Schönheit deiner Jugend, sondern mach etwas anständiges aus deinem Talent.“ Als sie für Kinderrollen zu alt wurde, machte sie also eine Opernausbildung und ging an den Broadway. Dort feierte sie 1945 in der Rolle der Carrie Pipperidge ihren zweiten Durchbruch in dem Musical „Carousel“, aus dem die Fußballhymne „You’ll never walk alone“ stammt. Sie trat in mehr als 850 Vorstellungen auf und stimmte immer wieder alte Schlager aus dieser Zeit an.

          Die zweite Lektion Marie Dresslers: sich nicht mit dem Erfolg zu begnügen, sondern immer etwas neues zu finden. Im Jahr 1954 kehrte Jean Darling dem Broadway den Rücken und heiratete den Magier Reuben Bowen. Das Paar reiste zunächst um die Welt und ließ sich in Dublin nieder. Dort begann Jean Darling, Kurzgeschichten zu schreiben. Dutzende Horror-, Kriminal- und Fantasygeschichten veröffentlichte sie. Nachdem ihr Mann verstorben war, zog sie vor wenigen Jahren zu ihrem Sohn nach Hessen. Dort lebte sie zusammen mit einer Pflegerin in seinem Haus.

          Bis zuletzt setzte sie sich an ihren Laptop. Erst vor kurzem hatte sie eine Kurzgeschichte beendet. Vielleicht strickte sie deshalb im August schon an den Weihnachtssocken.

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