06.04.2009 · Tragisches Ende einer Klassenfahrt in die Türkei: Insgesamt drei Jugendliche sind gestorben und sollen jetzt obduziert werden. Woher kam der vergiftete Alkohol? Mittlerweile gab es zwei Festnahmen.
Von Frank PergandeZwei weitere Schüler aus Lübeck, die sich auf einer Reise durch die Türkei mit gepanschtem Schnaps vergiftet hatten, sind gestorben. Die 17 und 19 Jahre alten Jugendlichen waren am Donnerstag aus der Türkei ausgeflogen worden. Am Wochenende konnte bei den beiden, die schon seit Tagen im Koma gelegen hatten, nur noch der Hirntod festgestellt werden können, hieß es aus der Lübecker Universitätsklinik. Ihre Obduktion wurde angeordnet. Schon zuvor war ein 21 Jahre alter Mitschüler gestorben, noch in der Türkei und in der Nacht nach dem angeblichen Gelage.
Woher die Schüler den Schnaps hatten, ist noch immer nicht klar. Sie sollen ihn auf einem Markt gekauft haben, hieß es. Es ist aber auch die Rede davon, dass sie ihn in ihrem Hotel an der türkischen Mittelmeerküste erworben hätten. Die türkischen Behörden haben inzwischen zwei verdächtige Mitarbeiter des Hotels festgenommen. Drei weitere Verdächtige seien nach Vernehmungen gegen Auflagen auf freien Fuß gesetzt worden, berichtete der Fernsehsender CNN-Türk am Montagabend. Alle fünf Personen seien Mitarbeiter des Hotels Anatolia Beach im Küstenort Kemer, in dem die aus Lübeck stammenden Deutschen als Urlauber gewohnt hatten. Bei insgesamt 37 chemischen Proben in dem Fall seien mehrfach hohe Methanolwerte festgestellt worden.
Offenbar enthielt der Wodka Methylalkohol oder Methanol. Geringe und unschädliche Mengen Methanol sind in alkoholischen Getränken (nach der Norm weniger als fünf Milliliter auf 100 Milliliter) enthalten.
Wahrscheinlich war es kein gepanschter Schnaps
Gefährlich aber werden größere Mengen, die entstehen können, wenn bei der Herstellung von Alkohol, dem Destillieren, nicht der sogenannte Vor- und Nachlauf getrennt werden, womit die gesamten Nebenbestandteile gemeint sind, die vom reinen Alkohol getrennt werden. Es handelt sich mit Wahrscheinlichkeit also nicht um gepanschten Schnaps, wie berichtet wurde, denn dann hätte man zum Alkohol Methanol hinzugekippt - eine mörderische Angelegenheit.
Methanol selbst ist zwar unschädlich, gefährlich aber sind die Abbauprodukte im Körper, etwa Ameisensäure. Eine Vergiftung kann behandelt werden, indem der Patient reinen Alkohol bekommt, um den Abbau zu verlangsamen. Um die Giftstoffe zu entfernen, wird das Blut gewaschen, ähnlich wie bei der Dialyse bei Nierenkranken. Die Wirkung von Methanol und seiner Abbauprodukte setzt erst nach mehreren Stunden ein. Dann ist als erstes das Augenlicht betroffen. Danach versagen andere Organe wie die Leber und der Atmungsapparat. Oft führt die nicht erkannte Vergiftung zum Tod.
Insgesamt waren in der Türkei sieben Schüler erkrankt, vier konnten aber das türkische Krankenhaus bald darauf wieder verlassen. Wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtete, soll geklärt werden, ob der 21 Jahre alte Mann bei rechtzeitiger Hilfe hätte gerettet werden können. Er soll zwanzig Stunden lang im Bett gelegen haben, bevor er tot entdeckt wurde. Die Eltern hatten Anzeige gegen unbekannt erstattet. Ein Lehrer, der die Gruppe begleitete, ist nach Angaben der Ermittler im Besitz eines Generalschlüssels für die Hotelzimmer der Schüler gewesen. Ermittelt werden soll auch, wer den Wodka hergestellt und verkauft hat.
Frank Pergande Jahrgang 1958, politischer Korrespondent für Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern mit Sitz in Schwerin.
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