05.06.2003 · Der katholische Pfarrer Bernhard Kroll soll vom Dienst suspendiert werden, weil er beim Kirchentag in Berlin an einem ökumenischen Abendmahl teilgenommen hat. Seine Gemeinde ist entsetzt.
„Da spricht man immer von Weltoffenheit und dann so a Gschmarri“, meint Heiko Steinfeld. Der Familienvater aus dem mittelfränkischen Großhabersdorf bringt den Unmut vieler der rund 2.000 Gemeindemitglieder auf den Punkt. Ihr katholischer Pfarrer, Bernhard Kroll, ist vom Eichstätter Bischof Walter Mixa vorläufig seines Amtes enthoben worden. Beim Ökumenischen Kirchentag hatte Kroll in einem von Reformgruppen initiierten Gottesdienst in Berlin demonstrativ das evangelische Abendmahl empfangen. Das aber verbietet die katholische Kirche. Nach der Abstrafung des Priesters machten sich in dessen Kirchengemeinde Dietenhofen-Großhaberdorf am Donnerstag Unverständnis und Wut breit.
„Das ist eine Unverschämtheit. Die katholische Kirche ist mal wieder so was von rückständig“, schimpft eine der regelmäßigen Gottesdienstbesucherinnen. „Der arme Herr Kroll. Der ist so beliebt, auch bei den Kindern. Und er ist immer so gut drauf“, schwärmt die zweifache Mutter. Die Verkäuferin in der Bäckerei pflichtet ihr bei. „Viele sagen, das ist der ideale Pfarrer für unsere Gemeinde.“ Die meisten im Ort halten den Einsatz Krolls für die Ökumene beachtenswert. „Ich hab's gut gefunden. Dieses Getrennte ist doch veraltet“, erklärt eine junge Frau.
„Ich werde definitiv weggehen“
Dem Priester selbst ist der Rummel um seine Person inzwischen zu viel geworden. Unsicher und bedrückt wirkt der 41-Jährige, als er im gestreiften Freizeithemd und Hausschlappen an die Tür des Pfarrhauses tritt. Der gemaßregelte katholische Pfarrer will die Gemeinde verlassen. „Ich werde definitiv weggehen“, sagt Kroll. Zunächst werde er wahrscheinlich Urlaub machen. „Nach heutigem Stand werde ich den Gottesdienst an Pfingsten in der Pfarrei nicht halten“, erklärt der Geistliche. Er sei zwar von Bischof Mixa nicht gezwungen worden, das Pfarrhaus zu verlassen. „Ich bin aber weg“, sagt Kroll.
Nicht nur Ökumene, auch Solidarität wird in Großhaberdorf groß geschrieben. Die acht Register der Orgel, die ausgerechnet von der evangelischen Gemeinde im Ort Mitte der 80er Jahre gekauft wurde, werden am Pfingstgottesdienst unberührt bleiben. Der 30-köpfige Kirchenchor wird die schlichte Kirche St. Walburga nicht betreten.
„Wir singen nicht und die Orgel bleibt still“, erklärt Organist und Chorleiter Günter Greb. „Das wird ein eher trauriger Gottesdienst werden“, meint der 62-Jährige, doch die Gemeinde wolle sich gegen die ihrer Meinung nach überzogene Abstrafung ihres Pfarrers wehren. „Bischof Mixa hätte mehrere Möglichkeiten gehabt - und ausgerechnet die härteste hat er gewählt“, kritisiert Greb. Der Kirchenmusiker will mit der Boykott-Aktion ein Zeichen setzen. Bereitwillig läßt er sich von einem Fotografen an der Kirchenglocke vor dem Gotteshaus ablichten. Als es anfängt, zu regnen, sagt er mit einem Augenzwinkern: „Der liebe Gott schimpft scho, weil die Eichstätter so bös sind.“