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Kirche Bistümer geben Auskunft über Missbrauchs-Zahlen

30.08.2002 ·  Für eine Film-Dokumentation gaben deutsche Bistümer erstmals Auskunft über die Zahl sexueller Übergriffe in den letzten 30 Jahren.

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Die katholische Kirche hüllte sich bisher in Schweigen, wenn sie um Auskünfte zur Zahl der Missbrauchsfälle in ihren Reihen gebeten wurde. Dem Filmemacher Thomas Leif ist es gelungen, von mehr als der Hälfte der 27 deutschen Bistümern Auskunft darüber zu erhalten. In einer Dokumentation des Südwestrundfunks (SWR) berichtet er von 47 Missbrauchsfällen in den letzten 30 Jahren.

Erstmals hat damit die katholische Kirche in Deutschland einen Überblick über die Zahl der Missbrauchsfälle durch Priester ermöglicht. Bisher hatten sich lediglich einzelne Diözesen im Zusammenhang mit aktuellen staatsanwaltlichen Ermittlungen über die Zahl sexueller Übergriffe in ihrem Bistum geäußert. Nun hätten mehr als die Hälfte der 27 deutschen Bistümer „qualifiziert geantwortet“, sagte Leif. „Die 47 ist sicherlich nicht die wahre Zahl“, stellte Leif fest.

Tatort Kirche

Die Dokumentation „Tatort Kirche: Sexueller Missbrauch durch Priester“ wird am Sonntag, 1. September, in der ARD ausgestrahlt. Erstmals komme hier auch ein Täter zu Wort, der bisher nicht bestraft worden sei. Der anonym gefilmte Wiederholungstäter spreche erstmals über seine Verbrechen und sagte: „Meine stärkste Erfahrung war, dass die Kirche den Mantel der christlichen Nächstenliebe über meine Taten gedeckt hat“. Eine junge Frau prangert in dem Film die Praxis des „Vertuschens durch Versetzen“ an. Sie sei als Sechsjährige von einem Priester sexuell missbraucht worden.

Einige Diözesen haben Informationen verweigert. Das Bistum Dresden-Meißen begründete dies, weil „wir uns mit der Weise der gegenwärtigen Behandlung dieses sensiblen Themas in den Medien nicht einverstanden erklären“, zitiert der SWR aus der Absage. Münster, Augsburg, Bamberg und Freiburg verweigerten demnach konkrete Angaben oder verwiesen auf „einige wenige Fälle“.

Ehrlichkeit ist gefragt

Nach Angaben von Filmemacher Leif gehen vor allem die Bistümer Hildesheim und Rottenburg-Stuttgart offen mit dem Thema sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche um. So will Bischof Gebhard Fürst aus Rottenburg-Stuttgart konkrete Leitlinien seiner Diözese zum Umgang mit aufgedeckten Missbrauchsfällen Mitte September
veröffentlichen.

Auf der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz Ende September in Fulda will die katholische Kirche voraussichtlich einheitliche Richtlinien für den Umgang mit dem Missbrauchs-Thema verabschieden.

Für den Papst gilt "Null-Toleranz"

Das Bekanntwerden zahlreicher sexueller Missbrauchsfälle durch katholische Geistliche hatte im Frühjahr die amerikanische Kirche erschüttert. Im April zitierte Papst Johannes Paul II. 13 amerikanische Kardinäle nach Rom und gab die künftige Linie „Null-Toleranz“ vor.

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