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Kino in Nordkorea Pjöngjangs Propaganda-Fabrik

 ·  High Noon in Pjöngjang: In Nordkoreas Filmstudios führen Vater und Sohn Kim Regie. Für die große Kunst wird aber auch schon mal ein Regisseur aus Hongkong entführt. Aus Pjöngjang berichtet Anne Schneppen.

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Wer kennt schon die Meisterwerke des nordkoreanischen Kinos? „Ein Meer von Blut“ etwa, gedreht unter der Obhut des „Geliebten Führers“, der mehr als hundertzwanzigmal persönlich die Regie anwies. „Das Schicksal eines Mitglieds des Selbstschutzkorps“ - ein Roman aus der Feder des Staatsgründers, „hervorragend verfilmt“ in nur 40 Tagen. Oder den Kassenschlager „Blumenmädchen“, dem dank der tatkräftigen Unterstützung Kim Jong-ils beim 18. Internationalen Filmfestival ein Sonderpreis und eine Sondermedaille verliehen wurden, wie es in seiner autorisierten Kurzbiographie nachzulesen ist.

Herr Choe, der freundliche Führer durch die „Pjöngjang Filmstudios“, ist über das Unwissen seiner ausländischen Besucher nicht sonderlich überrascht. Für Nordkoreaner schlägt hier das Herz der Filmkunst. Zehn Kilometer nordwestlich des zentralen Kim-Il-Sung-Platzes liegt das nordkoreanische Hollywood, eine Propaganda-Fabrik von gigantischen Ausmaßen, fast eine Million Quadratmeter groß. Gegründet wurde sie 1947 vom Großen Führer Kim Il-sung, der kurz nach der Befreiung von japanischem Joch befand, dass dies ein hervorragender Ort zum Filmemachen sei.

Der „väterliche Ratgeber“

Der längst verstorbene Staatsgründer, der immer noch als ewiger Präsident verehrt wird, ist auch in den Filmstudios allgegenwärtig. Bei der Einfahrt durch den mächtigen grauen Torbogen grüßt sein Bild von oben herab die Ankömmlinge. Wenige Meter weiter steht er, in Bronze gegossen, unter Schauspielern, die bewundernd zu ihrem „väterlichen Ratgeber“ aufblicken. „Unter der weisen Führung arbeiten unsere Schauspieler immerzu hart daran, noch bessere Filme zu machen“, erläutert Herr Choe. Zwanzigmal habe der ewige Präsident zu Lebzeiten an Ort und Stelle Anweisungen erteilt, sein Sohn Kim Jong-il gar 592 Mal.

Wird dem Vater überall Respekt erwiesen, so ist sein Sohn der eigentliche Star in Pjöngjangs Filmstudios, auch wenn man seiner nicht ansichtig wird. Kaum ein Werk, bei dem er nicht Regie geführt haben soll. „Er weiß alles über den Film, mehr als alle Schauspieler und Schauspielerinnen in unserem Land und noch darüber hinaus“, sagt andächtig Choe Hung-yol, der immerhin seit 30 Jahren durch die Pjöngjanger Kulissen führt. Gut zwanzig Filme werden hier angeblich jedes Jahr produziert, und Tausende Besucher drängen zur Besichtigung. Aber weder von dem einen noch von dem anderen ist an diesem Morgen etwas zu sehen. Keine Kamerateams, keine Scheinwerfer und auch keine Schauspieler - die Szenen gleichen eher einem Museum, das in die Jahre gekommen ist. Doch die Fassaden stehen.

„Sind die Häuser nur Holzfassaden?“

Die Tour durch die menschenleeren Filmkulissen führt durch alte koreanische Dörfer, deren Dächer noch mit Stroh gedeckt sind, vorbei an kleinen saftig grünen Reisfeldern, durch eine chinesische Stadt vor der Kulturrevolution. Ein paar Schritte weiter beginnt eine südkoreanische und japanische Welt, die allein schon als Filmhintergrund düster und zwielichtig wirkt, mit Bars und Bordellen. Das Europa von Pjöngjang ist sauber und idyllisch, Schiefer auf den Dächern, blühende Büsche im Garten. Den Erzfeind Amerika gibt es nicht, nur ein paar nachgemalte Poster amerikanischer Cowboy-Filme verweisen auf die Konkurrenz in Kalifornien. Neugierig fragt Herr Choe nach Hollywood: „Ist es wahr, dass dort die Häuser nicht massiv sind, nur Holzfassaden?“ - Die Antwort einer amerikanischen Touristin stimmt ihn sichtlich zufrieden.

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