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Kinderlosigkeit Im Westen seltener Kinder

Viele Akademikerinnen verschieben die Familienplanung, um sich erst im Berufsleben zu etablieren. Doch wer bis 40 nicht schwanger wird, bleibt meist kinderlos. In diese Richtung geht der Trend auch im Osten.

© F.A.Z. Vergrößern

Die Kinderlosigkeit von Frauen im Alter zwischen 37 und 40 Jahren ist im Westen Deutschlands merklich höher als in den östlichen Bundesländern und Ost-Berlin. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom Dienstag waren im März des vergangenen Jahres 30 Prozent der 37 bis 40 Jahre alten Frauen kinderlos - das heißt, es lebten keine minderjährigen Kinder in ihrem Haushalt.

Im Osten waren es 22 Prozent. Die Kinderlosigkeit von Frauen mit einem Universitäts- oder Fachhochschulabschluß in diesem Alter lag auf einem erheblich höheren Niveau: 43 Prozent der Akademikerinnen im Westen und 24 Prozent der Akademikerinnen in den östlichen Bundesländern lebten ohne Kinder.

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Familienplanung findet immer später statt

Klaus Jürgen Duschek vom Statistischen Bundesamt, der zusammen mit Heike Wirth vom Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen (Mannheim) eine Studie zu dem Thema angefertigt hat, sagte, es habe sich unter Akademikerinnen - vor allem im Westen - in den vergangenen zwei Jahren ein Trend abgezeichnet, die Familienplanung in ein höheres Alter zu verlegen. Die Kinderlosigkeit unter Akademikerinnen, die 43 oder 44 Jahre alt sind, habe deshalb 2003 und 2004 abgenommen.

Alle anderen Frauen die, zwischen 37 und 40 Jahren keine Kinder hätten, blieben aller Voraussicht nach kinderlos. Das fortgeschrittene Alter hänge mit dem Wunsch der Akademikerinnen zusammen, sich zunächst im Beruf zu etablieren. Weil sie Zeit und Geld in ein Studium investiert hätten, ziehe es sie stärker in den Beruf, sagte Duschek.

Zahlen aus Ost und West gleichen sich zunehmend an

Die Studie ergab außerdem, daß vor allem die Lebenssituation Einfluß auf die Kinderlosigkeit hat. Im Westen Deutschlands betreuten im März des vergangenen Jahres 85 Prozent der Frauen, die verheiratet waren und mit ihrem Mann zusammenlebten, mindestens ein minderjähriges Kind, bei Frauen, die in einer Lebensgemeinschaft lebten, waren es 32 Prozent, bei alleinstehenden Frauen waren es 18 Prozent.

Diese Unterschiede waren bei Akademikerinnen im Westen noch stärker ausgeprägt: Bei 80 Prozent der Ehefrauen zwischen 37 und 40 Jahren wuchsen minderjährige Kinder auf, bei Lebenspartnerinnen in diesem Alter waren es nur 22 Prozent, bei ledigen, alleinstehenden Frauen waren es 13 Prozent. Im Osten hat die Lebenssituation einen wesentlich geringeren Einfluß.

Die unterschiedlichen Zahlen zur Kinderlosigkeit von Frauen im Westen und Osten Deutschlands glichen sich zunehmend an, sagte Duschek. Das zeige, daß sich die sozialen Rahmenbedingungen anpaßten. Der Trend, der sich abzeichne, gehe in Richtung Kinderlosigkeit. Sie sei - zumindest im Westen - zu einem „relativ verbreiteten und zunehmend sozial verfestigten Verhaltensmuster“ geworden.

Quelle: cheh. / F.A.Z., 07.09.2005, Nr. 208 / Seite 9

 
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