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Kiewer Kinderheim „Our Kids“ : Das Monstrum der Tiefe besiegen

Bild: F.A.Z.

Zur feierlichen Eröffnung des Kiewer Kinderheims „Our Kids“ kamen Minister und Kommissare – und bei der Gala wuchsen Katja und Wlad in „Die Kinder retten Venedig“ über sich hinaus.

          Schwarz...“ Katja ist jetzt ganz leise geworden. Sie presst die Hände zwischen die Knie, die Augen flackern ein wenig. Pause. Ihre Pupillen suchen Hilfe, finden Nastja, die junge Psychologin von „Our Kids“. Die lächlt, nickt ermutigend, und Katja versucht es noch einmal. „Dreckig...“ Es ist nur ein Flüstern, aber diesmal klar und deutlich: Schwarz also. Dreckig. Das Monster. Weiß Gott, was noch alles.

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Die Kinder von Kiew retten Venedig - oder genauer: Sie proben „Die Kinder retten Venedig“. Die Kostüme sind fast fertig, die Akrobaten sind da, der Chor hat sich aufgestellt, und bei „Our Kids“, wo sie alle herkommen, haben die Bautrupps die letzten Nächte bei Flutlicht durchgearbeitet, damit bei der Eröffnungsfeier auch alles fertig ist. „Our Kids“ ist ein Heim für elternlose Kinder in einer der endlosen grauen Plattensiedlungen am Rand der ukrainischen Hauptstadt. Vorangetrieben hat es die „Deutsch-Polnisch-Ukrainische Gesellschaft“ unter der Führung der Berlinerin Barbara Monheim, einer Frau von unglaublicher Energie, unglaublicher Geduld und ebenso unglaublichem Optimismus. In den vergangenen zwölf Jahren hat sie für ihr Projekt nicht nur die wechselnden Regierungen Deutschlands, Polens, der Ukraine gewonnen, sondern auch zahllose private Helfer und Spender. Am Freitag hat „Our Kids“ jetzt in Anwesenheit des deutschen Außenministers Guido Westerwelle (FDP) und des tschechischen EU-Kommissars Stefan Füle seine offizielle Eröffnung gefeiert. Heute schon beherbergt das Heim fast 20 Kinder, eines Tages sollen es 54 sein.

          Keine leichten Proben

          Zur Eröffnung haben „Our Kids“ jetzt diese große Gala auf die Beine gestellt, und Katja hat die Hauptrolle. Sie ist vielleicht dreizehn, sie ist schon kein kleines Mädchen mehr, sie zieht schon mit dem Stift die Augenbrauen nach, und zusammen mit Wlad muss sie die Welt retten - oder zumindest „Venecia“, die blaue Traumstadt unter dem Meer. „Venecia“ nämlich wird von diesem schwarzen Ding bedroht, von dem sie gerade erzählt, während ihre Augen bei Nastja Halt suchen, von diesem dreckigen Etwas, welches die Bühnenbildner immer mit schwarzen Wolken darstellen, und dann vor allem von diesem riesigen Krakenmonster, alles nur Zähne und schwarze Tentakeln, die ganze Bühne ist voll, wenn es plötzlich aus der Tiefe steigt. Nicht weniger als neun Tänzer sind in seinen Fangarmen versteckt, und wenn es Katja packt und in sein Versteck zerrt, hilft auch das gellendste Kreischen nicht. Wlad, der kleine blasse König von Venecia mit seinen Sommersprossen und seinem spitzen Igelgesicht, der mit seinen fünfzehn noch aussieht wie elf, muss da zusehen, wie seine Freundin zappelnd verschwindet - Katja, die er erst nach langem Werben dafür gewonnen hatte, sein bedrohtes Korallenkönigreich zu retten.

          Bilderstrecke

          Später wird er sie natürlich befreien, denn Wlad ist ja schlau. Er ist zwar kleiner als andere in seinem Alter, und weil er ohne Eltern aufgewachsen ist, nur mit ein paar anderen Kindern und ein paar Hunden in irgendeinem verlassenen Schuppen, kann er auch nicht so gut reden. Dafür aber weiß er genau, wie man überlebt. Man muss zusammenhalten, und man muss die Tricks kennen. „Wenn das Monster kommt, dann bind ich ihm die Beine zusammen, dann fällt es auf die Schnauze“, hat er gesagt.

          Die Proben waren nicht leicht für Katja und Wlad, und sie waren auch nicht leicht für Marc Bogaerts, den belgischen Choreographen, der die Show mit ihnen einstudiert hat, und für Nastja Chromowa, die Psychologin. Nastja sagt, während Kaja bei Stress immer leiser werde, und zuletzt mit glasigen Augen in irgendeine Traumwelt abdrifte, werde Wlad unter Druck immer zappeliger. Manchmal könne man ihn dann kaum noch ruhig kriegen. Jetzt, bei den letzten Proben, mit den Akrobaten und den Tänzern von der Ballettschule, gibt er seine Krone keinen Augenblick aus der Hand.

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