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Ketamin Partydroge aus der Apotheke

30.04.2006 ·  Meist wird die Droge als wäßrige Flüssigkeit geschluckt, manche ziehen sich Ketamin aber auch als Pulver in die Nase. Sie beeinflußt Bewegungsfähigkeit und alle Sinneswahrnehmungen.

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Vor einigen Monaten meldete der „Spiegel“, das Schmerzmittel Ketamin steige „zur neuen Partydroge in Europa“ auf. Davon kann ernstlich keine Rede sein, weder deutsche Zollfahnder noch die Rauschgiftabteilung von Europol in Den Haag bestätigen diese Entwicklung.

In Großbritannien allerdings wird Ketamin im aktuellen Jahresbericht der unabhängigen „Drug Scope“- Organisation als „weit verbreitet und leicht zugänglich“ bezeichnet. Ketamin, auch als Special K, Ketalar, Ketaminol geführt, ist kein Rauschgift im engeren Sinn, sondern ein Betäubungsmittel, das insbesondere in der Tiermedizin Verwendung findet (“Schweine-Speed“ für den Transport zum Schlachthof). In Großbritannien ist es legal erhältlich. Hierzulande gibt es nach Aussage von Kölner Zollfahndern keine eingespielte Dealer-Szene, sondern die eher zufällige Verfügbarkeit vor Techno-Clubs - oder „jemand kennt einen Veterinär“.

Meist wird die Droge als wäßrige Flüssigkeit geschluckt, manche ziehen sich Ketamin aber auch als Pulver in die Nase. Dann geht es auf die Reise: Die Bewegungsfähigkeit und alle Sinneswahrnehmungen werden beeinflußt. „Mein Geist schwebte, ich wurde sehr leicht und körperlos“, beschreibt ein Clubgänger im Internet seine Erfahrungen. Solche „Out-of-Body-Erlebnisse“ sind nicht selten. Der Berliner Psychiater Oliver Bilke spricht von einem „nonverbalen Verstehen“, von Tänzern, die sich bei lautester Techno-Musik abarbeiteten, hinterher aber an „tolle Gespräche“ erinnern. Ketamin ist ein Turbo-Glücksbringer, es wirkt rasch, intensiv und kurz; nach einer Stunde ist der Rausch vorbei.

Besonders heikel ist im Fall von Ketamin die Dosierung. Experten berichten übereinstimmend, daß bereits eine leichte Überdosierung zum Kollaps führen kann, auch Atemlähmungen werden beobachtet. Zudem reduziert Ketamin das Schmerzempfinden. Aus Berlin wird der Fall einer Frau berichtet, die angeblich im Ketamin-Rausch frühmorgens einen Techno-Club verließ und in der Kälte beinahe erfroren wäre.

Gerade Ketamin steht unter dem Verdacht, daß der regelmäßige Konsum zum Ausbruch von Psychosen führen kann. Häufig besteht gar kein Zusammenhang mit der Dosis - wer Pech hat, anfällig ist oder genetisch entsprechend programmiert, dem genügt unter Umständen bereits ein kurzer Trip, um wochenlang unter Angstzuständen zu leiden. Preise für Ketamin sind nur für Großbritannien halbwegs zuverlässig zu ermitteln. Dort kostet ein Gramm um die zwanzig Pfund.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 30.04.2006, Nr. 17 / Seite 61
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