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Veröffentlicht: 18.06.2017, 20:23 Uhr

Unverkäufliche Monumente Lenin bleibt links liegen

Es scheint keine Interessenten für Sozialisten-Denkmäler zu geben. Auktionsangebote für in Stein gemeißelten Sowjetführer bleiben aus.

von , Dresden
© Picture-Alliance Lenin on Tour: Der Künstler Rudolf Herz fuhr 2004 mit dem Denkmal quer durch Europa.

Nach den Gesetzen des Marktes scheint die Zeit von Lenin-Denkmälern endgültig vorbei zu sein. Jedenfalls endete eine am Samstag angesetzte Online-Auktion für in Stein gehauene Sozialisten erfolglos. Nicht mal für das einstige Lenin-Denkmal in Dresden, dessen Aufruf zuvor großes Aufsehen erregt hatte, ging ein Gebot ein. Nun muss der einstige Sowjetführer sein Dasein weiter in Gundelfingen an der Donau fristen, wohin er vor 25 Jahren verschleppt worden war.

Stefan Locke Folgen:

Damals hatte der Steinmetzmeister Josef Kurz in ganz Europa sozialistische Denkmäler eingesammelt – oft zum Spottpreis oder gar geschenkt. Doch sein Plan, damit einen Skulpturenpark einst führender Kommunisten zu errichten, kam nie zustande. Kurz starb früh, und seine Nachkommen wussten mit der Sammelleidenschaft des Vaters lange nichts anzufangen – bis sie jetzt zur Versteigerung riefen.

Eines der mächtigsten Exemplare in Kurz’ Lager ist das einstige Lenin-Denkmal aus Dresden. Die kolossale, von dem russischen Staatskünstler Grigori Danilowitsch Jastrebenezki in 120 Tonnen roten karelischen Granits gehauene Statue, die Lenin gefolgt von den deutschen Kommunisten Ernst Thälmann und Rudolf Breitscheid zeigt, stand seit 1974 auf dem damaligen Leninplatz vor dem Hauptbahnhof, weshalb im Volksmund auch vom „roten Bahnhofsvorsteher“ die Rede war. 1992 verscherbelte die Stadt das steinerne Trio für eine symbolische Mark, was nicht mal annähernd dem Materialpreis entsprach. Das Mindestgebot am Samstag lag bei 150000 Euro.

Die Wiederkehr Lenins in Stein

In Dresden rief die Auktion abermals den Münchner Künstler Rudolf Herz auf den Plan, der bereits 1991 vorgeschlagen hatte, das Werk im Stadtzentrum zu belassen, es jedoch in einzelne Blöcke zu zerlegen und in „Lenins Lager“ umzutaufen. 2004 lieh Herz sich die drei Büsten des Monuments aus, lud sie auf einen Tieflader, fuhr damit quer durch Europa und machte auch in Dresden Station, wo sich Lenins Wiederkehr schnell zum Besuchermagnet entwickelte. Jetzt rief Herz die Stadt auf, das Denkmal zurückzufordern. Eine Versteigerung sei nicht akzeptabel, weil sie die Privatisierung eines öffentlichen Monuments bedeute, mit dem sich nicht nur in Dresden kollektive, auch kontroverse Erfahrungen und Erinnerungen verknüpften, sagte der Künstler.

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Die „Bild“-Zeitung zitierte daraufhin Dresdens einstigen SED-Bezirkssekretär Hans Modrow, der das Denkmal 1974 zum 25. Jahrestag der DDR eingeweiht hatte, mit dem Satz: „Holt ihn zurück!“ Wenn die Stadt souverän sei, so Modrow, kaufe sie Lenin wieder an, schließlich gehöre er zur Stadtgeschichte. Auch der Vorsitzende der Linksfraktion im Stadtrat rief die Verwaltung auf, sich an der Versteigerung zu beteiligten, schließlich sei das Denkmal Kulturgut von großem historischem Wert. Tagelang tobte, wie man es von Dresden gewohnt ist, eine kontroverse Debatte in der Stadt, bis schließlich Dresdens Kulturbürgermeisterin, die ebenfalls der Linkspartei angehört, dem Ansinnen aus marktwirtschaftlichen Gründen eine Absage erteilte. Es gebe kein Geld für einen Ankauf, und im Übrigen könne die Stadt Lenin nicht mal geschenkt annehmen, weil nicht klar sei, welche Folgekosten der steinerne Revolutionsführer mit sich bringe.

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Die Folgekosten des realen Revolutionsführers sind indes bis heute Thema, und über die Verwertung seiner Statue darf nun weiter nachgedacht, respektive mitgeboten werden. Vier Wochen lang sei noch Zeit für Nachgebote, teilte das Auktionshaus mit, das auch auf Statuen von Josef Stalin, Ernst Thälmann und Klement Gottwald sitzen blieb. Selbst bei Bietern aus Russland und China, die sich angeblich zur Versteigerung angemeldet hatten, bissen die Auktionatoren mit ihrem Angebot auf, nun ja, Granit.

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