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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Katholische Kirche Ist ein Rücktritt des Papstes denkbar?

 ·  Zu Ostern sieht die Weltöffentlichkeit im Fernsehen, wie schlecht es Papst Johannes Paul II gesundheitlich geht. Einen Rücktritt hat der Pontifex Maximus jetzt aber erneut abgelehnt.

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Wie viel Unsicherheit kann der Vatikan ertragen? Wie lange ist ein Papst tragbar, der ganz offensichtlich dahin siecht, für den jeder Schritt, jedes Wort zur Qual geworden ist und dessen Zeichen seiner Krankheit per Fernsehen in die gesamte Welt ausgestrahlt werden? Und wie dringend braucht die katholische Kirche ein Oberhaupt, das seine Schäfchen, aber vor allem die Kirchenhierarchie mit fester Hand regiert? Diese Fragen zirkulieren in den letzten Wochen immer häufiger hinter den Leoninischen Mauern, die den Vatikan wie eine Festung umschliessen.

Dass mittlerweile überhaupt darüber gesprochen wird, dass sich die Medien mit dem Thema beschäftigen und Experten dazu befragen, ist ein klares Zeichen dafür, dass man in der Kurie ernsthaft über einen Rücktritt nachdenkt. Theoretisch ist solch ein Rücktritt - oder besser gesagt: der freiwillige „Verzicht des Römischen Pontifex auf sein Amt“ - nicht nur möglich sondern sogar vom Paragrafen 332 des Kirchenkodex explizit vorgesehen. Und im 5. Jahrhundert soll es sogar einen solchen Fall gegeben haben, über den die Historiker allerdings streiten. Im letzten Jahrtausend sind die Päpste aber immer eines mehr oder weniger natürlichen Todes in ihrem Amt gestorben oder aber durch Palastrevolutionen verjagt worden.

Welches Bild soll vermittelt werden?

Zwei Themenkomplexe vor allem scheinen heute die Kardinäle und ihre Mitarbeiter in bezug auf einen eventuellen Amtsverzicht des Papstes zu beschäftigen: Welchen Eindruck vermittelt ein kranker und leidender Papst auf die Gläubigen und die Weltöffentlichkeit. Und welche Konsequenzen hat dieses lange Siechtum für die Kirche selbst, auch in Hinblick auf die nächste Papstwahl und die internen Gleichgewichte.

Was den ersten Punkt anbetrifft, so sind die Meinungen gespalten: Ein leidender Papst, so sagen die einen, kann die Heilsbotschaft der katholischen Kirche besonders gut vermitteln, da so noch glaubwürdiger wird, dass Christus das Leid der Menschen auf die eigenen Schultern genommen hat, um die Welt zu befreien. Die anderen behaupten, dass die Massen einen Papst wollen, der Kraft, Energie und Tatendrang ausstrahlt, der das Bild einer modernen und dynamischen Kirche in die Welt trägt. Da es keine universellen Meinungsumfragen zu diesem Thema gibt, können beide Seiten bei ihrer Überzeugung bleiben, ohne widerlegt zu werden.

Kritik von unterschiedlichen Seiten

Der kircheninterne Aspekt ist komplexer. Als einige deutschen Bischöfe vor etwa zwei Jahren zum ersten Mal von einem möglichen Rücktritt des Papstes sprachen, interpretierte man das in erster Linie als einen Angriff der „progressiven“ Seite gegen einen Papst, und vor allem gegen eine Kurie, die als wertkonservativ angesehen wurde. Der Pontifex Maximus, so hiess es - wenn natürlich auch nie von den Kardinälen selbst - beharrt bei einigen grundlegenden ethischen Fragen wie Abtreibung, Sexualmoral und Rolle der Frau auf Prinzipien, die überholt sind und die die Katholiken vor allem im Westen immer mehr in ein verstaubtes Abseits drängen.

Aber auch auf der „konservativen“ Seite hat der Papst sich vor allem in den letzten Jahren Feinde gemacht. Es gehe nicht an, so heißt es, dass er permanent Alle um Entschuldigung für vermeintliche Missetaten der Kirche bittet, dass er Moscheen und Synagogen besucht und den alleinigen Heilsanspruch auf dem Altar des interreligösen Dialogs opfere. Dadurch werde das Bild, das die katholische Kirche von sich selbst liefert, immer verschwommener.

Nun könnte man etwas salopp sagen, dass beide Seiten ihre Rechnung ganz offensichtlich ohne den Wirt machen. Johannes Paul II hat eindeutig gesagt, dass er sich nicht in ein polnisches Kloster zurückziehen will, dass ein Rücktritt oder Verzicht für ihn nicht in Frage kommt. Ob er sich von der fortschreitenden Krankheit oder dem Druck eines Teils der Kirchenhierarchie umstimmen lassen wird, ist fraglich.

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