23.08.2009 · Die außer Kontrolle geratenen Waldbrände am Rande von Athen haben Tausende in die Flucht getrieben. Angefacht durch starke Winde fraß sich die Feuerwand am Sonntag durch Gebiete im Norden der griechischen Hauptstadt. Über der Akropolis hingen dichte Rauchwolken.
Eine Wand aus Flammen bedroht die griechische Hauptstadt Athen. Die Waldbrände erreichten mittlerweile die nördlichen Vororte Agios Stefanos, Gerakas und Anoixi. Eine dichte Rauchwolke breitete sich im Osten Athens bis hin nach Südpeloponnes aus. Die Rauchschwaden erreichten mittlerweile Nordafrika, wie Satellitenbilder zeigten. Die Feuerwehr ist gegen das Feuer immer noch machtlos.
„Wir kämpfen gegen die Flammen in zum Teil bewohnten Gebieten“, teilte ein Sprecher der Feuerwehr am Sonntag mit. Mehrere Menschen wurden mit Atemwegsbeschwerden und leichten Verbrennungen in Krankenhäuser gebracht. „Nur durch ein Wunder haben wir bislang keine Opfer gehabt“, sagte ein Feuerwehrmann. Brände tobten auch auf den Insel Euböa und Skyros. Insgesamt waren seit Samstagmorgen mehr als 140 Waldbrände in Griechenland ausgebrochen.
Wegen der Großbrände im Norden Athens hat die griechische Polizei am Sonntag alle einheimischen Urlauber aufgerufen, möglichst nicht nach Athen zurückzukehren. Wenn sie es einrichten könnten, sollten sie an ihren Urlaubsorten bleiben. Am Sonntagabend wurde eine Rückkehrerwelle aus dem Urlaub nach Athen erwartet. Die Zufahrtsstraßen Athens sollten für Löschfahrzeuge und die Fahrzeuge der Behörden frei bleiben. Das Innenministerium gab allen Beamten eine eintägige Verlängerung ihres Urlaubs, berichtete das Staatsfernsehen weiter. Auch Fußballspiele fielen in Athen aus.
Mit dem ersten Tageslicht setzte die griechische Feuerwehr erneut massiv Löschflugzeuge und Hubschrauber ein. Sie kamen jedoch bislang nicht gegen die Feuer an, die durch starke Winde immer wieder entfacht wurden. Bis zu 20 Meter hohe Flammen näherten sich abgelegenen Krankenhäusern in dem Waldgebiet von Penteli, 15 Kilometer nördlich von Athen. Die Kliniken mussten evakuiert werden. Dutzende Häuser wurden vollständig zerstört.
Auf Bitten Griechenlands schickten Italien und Frankreich vier Löschflugzeuge zur Verstärkung. Die zwei italienischen Maschinen kamen bereits am Sonntagmittag zum Einsatz, teilte das Verteidigungsministerium in Athen mit. Zypern schickte 60 Feuerwehrleute und einen Löschhubschrauber. Viele Einwohner versuchten vergeblich, mit Wasserschläuchen und Eimern die Flammen einzudämmen.
„Es sind bislang mehr als 12 000 Hektar Wald verbrannt. Eins der schönsten Waldgebiete des Landes ist zerstört“, sagte der Präfekt von Athen, Giannis Sgouros, im Staatsfernsehen am Sonntag. Die Feuerfronten dehnen sich vom Osten bis zum Norden Athens aus und haben Schätzungen von Medien zufolge eine Länge von mehr als 40 Kilometern. Hinter und vor der Feuerfront flammen immer wieder neue Brände auf. „Es ist verzweifelter Kampf gegen die Übermacht der Flammen“, sagte ein Feuerwehrmann im Fernsehen.
Die Großbrände im Norden Athens haben bislang den Verkehr im Flughafen der griechischen Hauptstadt „Eleftherios Venizelos“ nicht beeinträchtigt. Alle Flüge hätten bislang normal stattgefunden, teilte eine Sprecherin des Flughafens am Sonntag mit. Annullierungen von Flügen habe es bislang nicht gegeben, hieß es. Der Flughafen liegt etwa 15 Kilometer südlich der von den Bränden betroffenen Region.
Wegen der dramatischen Lage war am Samstag für die gesamte Region nördlich der Hauptstadt der Notstand ausgerufen worden. Zu den Ursachen der Brände lagen keine Angaben vor. Es wird jedoch Brandstiftung vermutet. Zudem soll ein kleiner Waldbrand nahe der Ortschaft Grammatiko im Nordwesten Athens am Samstagmorgen zunächst unterschätzt worden sein. „Als starke Winde kamen, war es zu spät“, sagte ein Einwohner von Grammatiko.