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Transrapid-Sicherheit „Zuständigkeiten nicht klar“

27.09.2006 ·  Wäre das Transrapid-Unglück vermeidbar gewesen, wenn man nur früh genug zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen hätte? Mitarbeiter der Teststrecke bei Lathen haben indirekt solche Vorwürfe erhoben.

Von Robert von Lucius
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Am Tag der Trauerfeier für die 23 Todesopfer des Transrapid-Unglücks in Lathen (siehe: Trauergottesdienst: Niemals an der Sicherheit gezweifelt) haben sich Vorwürfe gegen die Betreiber der Magnetschwebebahn verschärft, sie hätten bewußt Sicherheitsvorkehrungen vernachlässigt. Mitarbeiter der Teststrecke hatten "vor ein, zwei Jahren" gebeten, die Sonderfahrzeuge in das Sicherheitskonzept einzubeziehen. Der Transrapid war bei einer Geschwindigkeit von fast 180 Kilometern in der Stunde mit einem Werkstattwagen zusammengestoßen, der auf der Strecke stand. Wären solche Sonderfahrzeuge in das Sicherheitskonzept für die Teststrecke einbezogen worden, hätte der Unfall vermutlich vermieden werden können - und damit nicht nur die 23 Todesopfer, sondern auch die Debatte um die Magnetschwebebahn-Technologie, die den Betreibern und den Steuerzahlern nun hohe Verluste bringen könnte.

Dazu kommt eine angedrohte Schadensersatzklage der Berliner Kanzlei Simon und Partner im Namen von Opfern und Angehörigen gegen die Betreibergesellschaft, das Inhaberkonsortium und möglicherweise auch gegen technische Überwachungsstellen. Die Kanzlei will eigene Ermittlungen zur Unfallursache anstrengen. Verkehrsfachleute und Oppositionspolitiker kritisierten, daß die Aufsichtsbehörden in Niedersachsen den Betreibern "großzügig" vertraut hätten, ohne zu bemerken, daß die Sicherheitskonzepte veraltet gewesen seien.

IABG: Keine zusätzlichen Sicherungen

Die heutigen Betreiber, die Industrie-Anlagen-Betriebsgesellschaft (IABG), gestanden ein, angestrebte zusätzliche Sicherungen seien nicht eingebaut worden, weil damals die Zuständigkeiten nicht klar gewesen seien und weil es sich um eine Versuchsanlage ohne regulären Betrieb handele. Mit dem Transrapid waren bis zu dem Unfall aber schon 750.000 zahlende Passagiere auf Sonderfahrten unterwegs gewesen. Die IABG übernahm die Teststrecke am 1. Juli vom früheren Betreiber, der DB-Magnetbahn. An der 1993 privatisierten IABG sind vor allem ihre zwei Geschäftsführer beteiligt und ein Teil der tausend Mitarbeiter. Die IABG war 1961 auf Initiative des Bundes gegründet worden als zentrale Analyse- und Testeinrichtung für die Luftfahrtindustrie und das Verteidigungsministerium. Sie unternimmt Tests etwa für den Airbus, die Autoindustrie, die Raumfahrt und für Satelliten. Zudem ermittelt und beseitigt sie Umweltaltlasten auf früherem Militärgelände in der ehemaligen DDR.

Mit einem Trauergottesdienst haben in Lathen mehrere hundert Menschen der 23 Todesopfer des Transrapid-Unglücks gedacht. Niedersachsens Ministerpräsident Wulff hielt die Trauerrede.

Die IABG behauptet nun, sie habe "damals" zwar ein Vorschlagsrecht gehabt, es sei aber "derzeit nicht klar, wer zum fraglichen Zeitpunkt Inhaber der Betriebserlaubnis" gewesen sei. Die Betreiber wollen die Teststrecke spätestens mit der Lieferung des Nachfolgemodells des Transrapid im April 2007 wieder in Betrieb nehmen.

Transrapid nicht schlechtreden

Unterdessen setzt die Staatsanwaltschaft Osnabrück ihre Ermittlungen fort. Das Prüfen des Funkverkehrs zwischen Leitstand, Transrapid und Werkstattwagen ist offenbar schwierig, weil er auf acht "uralten" Bändern mitgeschnitten wurde. Sie seien so oft bespielt worden, daß sie zu bröckeln drohten. Im politischen Streit um den Transrapid sprachen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) für den Ausbau der Magnetschwebebahn aus. Auch Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) warnte davor, die Transrapid-Technik "schlechtzureden". Dagegen fordern SPD und Grüne in Bayern, auf den geplanten Bau einer Magnetschwebebahn vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen zu verzichten.

In Lathen traf Bundespräsident Horst Köhler am Mittwoch mit den Angehörigen der Opfer zusammen. Zu Beginn der ökumenischen Trauerfeier, zu der zahlreiche Politiker aus Berlin, Hannover und der Region gekommen waren, verlas der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff die Namen der 23 Todesopfer. Der Ministerpräsident verwies lobend auf den Einsatz der Helfer bei der Bergung der Toten und Verletzten. An dem Gottesdienst nahmen rund 600 Menschen teil, etwa 500 weitere verfolgten ihn vor der Kirche.

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