08.11.2004 · Ein weiterer Hof wurde gesperrt, in Bayern ist belastetes Rindfleisch offenbar in den Handel geraten und womöglich verzehrt worden: Der Skandal um dioxinverseuchtes Futter weitet sich aus.
Die Behörden haben einen vierten Bauernhof in Nordrhein-Westfalen gesperrt, der mit Dioxin verseuchte Kartoffelstärke aus den Niederlanden bezogen habe. Das hat Nordrhein-Westfalens Agrarministerin Bärbel Höhn (Grüne) am Montag mitgeteilt. Bullen des Betriebes in Schöppingen seien auch nach Bayern geliefert worden. In den Niederlanden waren 120 Höfe gesperrt worden, in Belgien acht.
Ein Teil des Fleisches in Bayern sei bereits weiterverkauft und möglicherweise auch verzehrt worden, sagte ein Sprecher des Verbraucherschutzministeriums am Montag in München. Das restliche Fleisch werde zurückgehalten, derzeit würden Proben untersucht. Außerdem würden die weiteren Lieferwege des Fleisches ermittelt.
Belastetes Schweinefutter auf 30 Höfen
Im Freistaat haben möglicherweise 30 Bauernhöfe mit dem Gift belastete Kartoffelschalen als Schweinefutter erhalten. Derzeit würden die Höfe überprüft, sagte der Sprecher am Montag in München. Sie seien jedoch bisher nicht gesperrt worden. Es handele sich noch nur um einen Verdacht.
Die Verseuchung des Tierfutters geht von Kartoffelresten aus der Herstellung von Pommes frites aus. Bei der Sortierung der Kartoffelnwar vermutlich dioxinbelastete Tonerde aus Rheinland-Pfalz zum Einsatz gekommen. Auch in Pommes frites und einer Milchprobe in den Niederlanden war Dioxin festgestellt worden.
Künast: „Brauchen Positivliste“
Bundesverbraucherministerin Renate Künast (Grüne) nach forderte Konsequenzen. „Der Fall macht deutlich, wie dringend wir eine europaweite Positivliste für Futtermittel brauchen“, sagte Künast. In der Liste müsse klargestellt werden, welche Stoffe in Futtermitteln enthalten sein dürfen.
Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Agrarministeriums hatte die seit August bis vor gut einer Woche verwendete Tonerde 910 Nanogramm Dioxin je Kilogramm aufgewiesen - bei einem erlaubten Grenzwert von 0,75 Nanogramm pro Kilogramm.