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Samstag, 18. Februar 2012
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Terror in Madrid „Es ist ein Blutbad“

11.03.2004 ·  Den Bahnhof Atocha im Süden Madrids trafen die Bombenanschläge besonders hart. Überlebende standen unter Schock, Fassungslosigkeit bei Passanten und Helfern.

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Dutzende Menschen, die Gesichter blutüberströmt, wanken aus dem großen Madrider Bahnhof Atocha im Süden der Stadt. Ihre Kleidung ist teilweise zerfetzt, sie stehen sichtlich unter Schock. Und dabei haben sie noch vergleichsweise Glück gehabt: Sie sind mit dem Leben davongekommen. Mindestens 29 Menschen wurden getötet, als zwei Züge am Bahnhof Atocha am Donnerstagmorgen gegen 7.30 Uhr explodierten. Mehr als 30 weitere Menschen starben bei nahezu zeitgleichen Bombenanschlägen auf zwei weitere Pendlerzüge in Madrider Vorortbahnhöfen.

Das gesamte Gebiet um den Bahnhof Atocha wird kurz darauf von der Polizei abgeriegelt, um den Weg für Dutzende Rettungs- und Streifenwagen freizuhalten. Am Bahnhof selbst stehen die schwer zerstörten Überreste des explodierten Hochgeschwindigkeitszuges. Feuerwehrleute arbeiten mit schwerem Gerät, um die Opfer und Überlebenden aus den zerstörten Waggons zu bergen. „Es ist ein Blutbad“, berichtet Notfallmediziner Enrique Sanchez, der als einer der ersten am Unglücksort eintraf. Das spanische Fernsehen zeigt Bilder von völlig zerfetzten Leichen neben den Schienen.

Vom Schock gelähmt

Nach und nach kommen die Überlebenden aus dem Bahnhof gehumpelt, gestützt von Passanten oder Rettungskräften. „Als wir in den Bahnhof einfuhren, wurde es plötzlich schwarz und der Zug fiel über mir zusammen“, berichtet ein Student. „Ich sprang auf den Bahnsteig, ich kann mich aber nicht erinnern, ob durchs Fenster oder durch die Tür.“ Ein Verletzter sitzt mitten auf der Straße, eine Sauerstoffmaske vor dem Mund. Andere Überlebende sitzen vom Schock gelähmt auf dem Bürgersteig, das Gesicht in den Händen vergraben. Ähnliche Szenen spielen sich am Bahnhof Santa Eugenia ab. Das gesamte Stadtzentrum von Madrid hallt von Sirenen wider, das Mobiltelefonnetz bricht zusammen. Derweil ruft das Innenministerium die Bevölkerung zur Ruhe auf.

Viele Verletzte werden direkt vor Ort in einem eilig eingerichteten Feldhospital in einem Sportstudio nahe dem Bahnhof behandelt. Die Notfallhelfer eilen zwischen den Verwundeten hin und her. Sobald sie ein Opfer notdürftig versorgt haben, lassen sie es vorerst liegen und wenden sich dem nächsten zu. Anschließend werden die Versorgten in die Krankenhäuser der Stadt eingeliefert, die mit dem Ansturm der Verletzten - mindestens 350 sind es nach Angaben des Innenministeriums - bis aufs Äußerste beansprucht werden. Rasch strömen Freiwillige herbei, um sich Blut abnehmen zu lassen. Die Krankenhäuser in Madrid und Umgebung hatten zu Spenden aufgerufen.

Viele Kinder und Jugendliche unter den Opfern

Die Explosionen trafen die Pendlerzüge mitten im morgendlichen Berufsverkehr und richteten damit ein wahres Blutbad an. Viele der Opfer waren Kinder und Jugendliche auf dem Weg zur Schule oder Angestellte auf dem Weg zur Arbeit. Die Heimtücke der Anschläge entsetzt die Spanier. Der Verdacht richtet sich rasch gegen die militante baskische Untergrundorganisation Eta, auch wenn sich zunächst niemand zu den Taten bekennt. Die vier Explosionen ereigneten sich nach Angaben von Innenminister Angel Acebes im Abstand von nur vier bis fünf Minuten, und ohne daß es zuvor eine telefonische Warnung gab.

Die Regierung ruft drei nationale Trauertage aus. Am Freitagabend sollen die Spanier zusammenstehen, um gemeinsam gegen den Terror auf die Straße zu gehen. Im ganzen Land sind Demonstrationen geplant, um der Opfer zu gedenken und den Feinden der Demokratie die Stirn zu bieten.

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