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Samstag, 18. Februar 2012
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Magnetbahn-Katastrophe „Jemand im Zug“ hat den Transrapid gestartet

26.09.2006 ·  Während die Zukunft des Transrapids nach dem Unglück immer intensiver diskutiert wird, bereiten Angehörige der Opfer eine Schadenersatzklage gegen die Betreiber der Teststrecke in Lathen vor. Der Vorwurf: Sicherheitsstandards seien nicht eingehalten worden.

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„Jemand im Zug“ hat den Transrapid in Lathen in Bewegung gesetzt, obwohl - so Staatsanwalt Alexander Retemeyer - der Zugführer den Werkstattwagen auf der Strecke, „so groß wie ein Scheunentor“, hätte sehen müssen. Vorher hatte indes der Leitstand die Fahrt freigegeben, obwohl sie durch mehrere Vorkehrungen hätte erkennen müssen, daß der Reinigungswagen noch auf der Hochtrasse stand. Die Staatsanwaltschaft in Osnabrück ermittelt daher gegen alle für die Fahrt Verantwortlichen. Die Betreiber der Teststrecke im emsländischen Lathen müssen unterdessen Schadenersatzforderungen der Hinterbliebenen der Unfallopfer fürchten. Ob der Transrapid eine Zukunft hat, scheint zudem immer fraglicher.

Zu jenen, die die Unglücksfahrt in Lathen zu verantworten haben, gehören das Fahrpersonal wie auch die zwei Mitarbeiter in der Leitstelle, die weiterhin wegen Schocks nicht vernehmungsfähig sind. Ermittelt wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Es sei „völlig unverständlich“, warum im Transrapid erst 80 bis 100 Meter vor dem Hindernis eine Notbremsung eingeleitet wurde.

Weiter kein technischer Defekt zu erkennen

Die Fahrt dauerte insgesamt nur 58 Sekunden und führte zum Tod von 23 Personen - 21 Männern und zwei Frauen im Alter zwischen 40 und 66 Jahren. Auf die Notbremsung wiesen Brandspuren auf der Trasse, die Fachleute des Eisenbahnbundesamtes entdeckten. Die erste Vernehmung des Bordtechnikers, der am hinteren Ende des Zugs saß, und der ersten aus dem Krankenhaus entlassenen Verletzten brachte offenbar wenig neue Erkenntnisse. Hinweise auf technische Defekte bei dem Unglück entdeckten die Ermittler aus Osnabrück weiterhin nicht.

Eine Berliner Anwaltskanzlei, die nach eigenen Angaben mehrere Angehörige der Geschädigten vertritt, hat am Dienstag angekündigt, Schadenersatzforderungen an den Betreiber der Transrapid-Teststrecke zu richten. „Wir gehen derzeit davon aus, daß der erforderliche und in Pudong/Shanghai eingesetzte technische Sicherheitsstandard auf der Versuchsstrecke nicht bestand“, teilte die Berliner Kanzlei Simon und Partner mit. Sie will parallel zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft auch eigene Untersuchungen anstrengen.

Diese richteten sich gegen die Betreibergesellschaft IABG, den Hersteller des Transrapids sowie gegen Technische Überwachungsvereine und Mitarbeiter der Leitstelle auf der Versuchsstrecke in Lathen. Die Chancen auf eine Entschädigung der Opfer bezeichnete ein Anwalt der Kanzlei als „nicht so schlecht“.

Ermittlungen können sich hinziehen

Auch der verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag, Winfried Hermann, geht von fehlenden Sicherheitsvorkehrungen auf der Transrapid-Strecke aus. Er sagte am Dienstag in einem Radiointerview: „Es ist zumindest nicht nur menschliches Versagen, sondern auch technisches Mangelwerk, muß man fast sagen.“ Auf welche „sich verdichtenden Hinweise“ er sich genau stützt, wurde allerdings nicht deutlich.

Die Rekonstruktion des genauen Unfallhergangs kann nach Angaben der Staatsanwaltschaft Osnabrück noch lange dauern. Die Mitschnitte des Funkverkehrs könnten aus technischen Gründen noch nicht vollständig ausgewertet werden, hieß es. Es müsse das Risiko ausgeschaltet werden, daß Teile der Aufzeichnungen auf Spezial-Tonbändern beim Abhören zerstört würden. Experten des Eisenbahnbundesamtes prüfen das Sicherheitskonzept der Versuchsanlage, um mögliche Rückschlüsse auf ein mögliches Genehmigungsverfahren für die Münchner Transrapid-Trasse zu gewinnen. Die Ermittlungen werden derzeit mit der Befragung von Zeugen des Unglücks fortgesetzt.

Ude: Geld nicht für Transrapid verplempern

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) sagte in Interviews, es gebe bisher „keine befriedigenden Antworten“ auf viele Fragen zur Sicherheit. Besonders eine für München geplante Tunnelstrecke bedeute eine „absolute Extremsituation“. Ude schlägt als Alternative zum Transrapid eine wesentlich kostengünstigere Express-S-Bahn vor. Diese koste unter 500 Millionen Euro, während die Schwebebahn auf 1,85 Milliarden veranschlagt werde. Zudem verbessere die Express-S-Bahn die Verkehrssituation der Region in weit höherem Maße. Deswegen dürfe das Geld nicht für den Transrapid verplempert werden. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) will dagegen an der Strecke zwischen Hauptbahnhof und Flughafen in München festhalten. Wegen des Unfalls dürfte die Transrapid-Technologie nicht grundsätzlich in Frage gestellt werden.

In Schanghai wollen die Behörden und Betreiber die Sicherheitsstandards der einzigen kommerziellen Strecke der Magnetschnellbahn überprüfen. Sicherheitsfragen würden zudem in der Machbarkeitsstudie für den geplanten Ausbau der bestehenden Flughafenstrecke über 160 Kilometer in die Nachbarstadt Hangzhou „eine größere Rolle“ spielen, kündigten Experten nach Angaben der Zeitung „Shanghai Daily“ an.

Quelle: FAZ.NET mit Material von v.L./F.A.Z., dpa, AP
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