22.02.2001 · Vor 250 Millionen Jahren starb in kurzer Zeit ein Großteil aller Tiere. Jetzt gibt es neue Beweise, dass ein Kometen- oder Asteroideneinschlag daran schuld war.
Buckminsterfullerene heißen die chemischen Verbindungen, die Hinweise auf das Aussterben der Dinosaurier geben. Ein Komet oder Asteroid von außerhalb des Sonnensystems als Grund für das rapide Verschwinden von Tierarten vor 250 Millionen Jahren scheint immer wahrscheinlicher. Untersuchungen der University of Washington haben ergeben, dass der Flugkörper in Form der Fullerene Spuren hinterlassen hat.
90 Prozent aller Meerestiere und 70 Prozent aller Wirbeltiere an Land starben kurz nach dem Einschlag. Gründe für das massenhafte Aussterben waren nach Ansicht von Luann Becker, Assistenzprofessorin für Erd- und Raumwissenschaften an der University of Washington, allerdings die verschiedenen Effekte des Einschlags: der Vulkanismus nahm zu, der Sauerstoffgehalt der Meere, der Wasserspiegel und das Klima änderten sich. „Um 90 Prozent aller Organismen auszulöschen, muss man auf mehr als einer Front angreifen“, gibt sie zu bedenken.
Spuren in den Sedimenten
Der Komet (ein größtenteils aus Eis bestehender Flugkörper von fünf bis 20 Kilometern Durchmesser) oder Asteroid (ein Gesteinsbrocken ähnlicher Größe) hat in den Sedimenten Spuren hinterlassen. In Gesteinsschichten, die etwa 250 Millionen Jahre alt sind, fanden die Wissenschaftler eine besonders hohe Konzentration der Buckminsterfullerene oder Buckyballs, einer kugelförmigen Kohlenstoffstruktur mit den Edelgasen Helium oder Argon im Inneren.
Außerirdische Isotope
Dass diese Fullerene nicht aus unserem Sonnensystem stammen, haben Becker und ihre Kollegen anhand von Isotopen gemessen. Isotope sind bestimmte Zusammensetzungen der Kernbausteine eines Atoms. Die Zusammensetzung des Heliums in den fraglichen Buckyballs deutet stark darauf hin, dass diese aus dem Weltall stammen. „Solche Atome formieren sich in Kohlenstoff-Sternen“, sagt Becker.
Durchmesser sechs bis zwölf Kilometer
Der Komet oder Asteroid, der damals auf der Erde einschlug, könnte rund sechs bis zwölf Kilometer im Durchmesser gehabt haben. Ein kleinerer Einschlag hätte keine globalen Auswirkungen gehabt und ein größerer hätte mehr Fullerene über den Erdball verteilt.
Trilobiten-Sterben
In Japan, China und Ungarn fanden die Forscher Sedimente, die auf den Einschlag hindeuten. Die Schichten, die älter als 250 Millionen Jahre sind, enthalten in großen Mengen Überreste von Tieren wie beispielsweise Trilobiten. Trilobiten bewohnten die Meere im Erdaltertum und gehören zu den frühesten gepanzerten Makrofossilien. In der Schicht darüber fanden die Forscher Buckminsterfullerene - und keine Tiere mehr. Die Dicke der Schichten lässt vermuten, dass das Aussterben der Tiere in 8.000 bis 100.000 Jahren vor sich gegangen ist. „Das entspricht in geologischen Zeiträumen gesehen einer Mikrosekunde“, sagt Becker.
Stammt das Wasser auf der Erde aus Kometen?
Der Einschlag des Kometen oder Asteroiden vor 250 Millionen Jahren war also eine Zäsur in der Geschichte der belebten Erde. Doch Becker hält es auch für möglich, dass die ersten Elemente, die Leben ermöglichten, auch aus dem All stammen. Manche Forscher gehen soweit, dass sie vermuten, fast alles Wasser auf der Erde stamme aus Kometen.