Die beiden größten Städte Krisenspaniens schüttelt das Spielfieber. Dabei ist weder Weihnachten mit der Ziehung des „Dicken“ in der Staatslotterie, noch ein Derby der Erzrivalen Real Madrid gegen den F.C. Barcelona. Es geht um „Euro-Vegas“, ein Einfall des reichen Kasino-Onkels aus Amerika Sheldon Adelson. Er, einer der reichsten Männer der Welt, lockt mit Investitionen von 17 Milliarden Euro und der Schaffung von 200.000 Arbeitsplätzen.
Am Wochenende pilgerten Delegationen der ebenso geschäftstüchtigen wie experimentierfreudigen Hauptstadt und ihrer schöneren Schwester an der Mittelmeerküste in das richtige Las Vegas. Am Samstag machte dort Barcelona mit einem Angebot, das Sheldon nicht ablehnen können sollte, sein Spiel. Am Sonntag unterbreitete Madrid, das schon länger mit dem Kasinotycoon verhandelt, seine Offerte. Nun wird es spannend. Nach Ostern und spätestens vor den Sommerferien soll die Entscheidung fallen. Sheldon, ein Selfmademan aus bescheidenen Verhältnissen, Sponsor der amerikanischen Republikanischen Partei und besonderer Freund des inzwischen glücklosen Präsidentschaftskandidaten Newt Gingrich, hatte bislang immer ein goldenes Händchen.
In Las Vegas gehören ihm das Sands und die getreue Nachbildung Venedigs. In Macao investierte er mit dem Segen der Volksrepublik China ebenfalls Milliarden in lukrative Roulettetische, Golfplätze und Kongresszentren. Singapur mit dem eindrucksvollen Marina Bay Sands war sein dritter Streich. Nun hat er immer noch Erspartes übrig, um in Europa ein weiteres Pendant zu schaffen, das Millionen zahlungskräftiger Touristen aus dem „alten Kontinent“, Nordafrika und Nahost in einem Radius von vier Flugstunden anziehen soll.
In der ersten Phase sollen binnen drei Jahren vier große Hotels mit Kasinos, Restaurants, Geschäften, Konferenzsälen und eben Golfplätzen entstehen. Wenn dann in zehn Jahren zwölf solcher Turmbauten fertig sind, soll über Spanien, das mit fast 60 Millionen Besuchern im Jahr schon das vierte internationale Touristenziel ist, ein zusätzlicher warmer Milliardenregen leicht verdienten Geldes niedergehen. Wer könnte da widerstehen? Madrid und Barcelona jedenfalls nicht.
So ging es in den Verhandlungen in Las Vegas neben der Suche nach dem idealen Ort - möglichst in Flughafennähe - um Steuervorteile, die Bändigung der Gewerkschaften und Ausnahmen vom Rauchverbot. Adelson, für den das stabile gute Wetter in Spanien ein wichtiger Beweggrund ist, hat feste Vorstellungen von seiner neuen Wolkenkratzerenklave. Und hier scheint Madrid, das „nach oben“ keine Grenzen setzt, im Vorteil vor Barcelona. So musste die Abordnung der katalanischen Generalitat widerwillig zugeben, dass wegen lokaler Bauvorschriften und vor allem der Flugsicherheit auf dem ausgewählten Terrain am Strand in unmittelbarer Nähe des Flughafens die von Adelson verlangten 140 Meter um zehn zu hoch seien.
Derweil sind ohnehin nicht alle Bürger und Anrainer von der sinn- und profitstiftenden Kraft des Unternehmens Euro-Vegas überzeugt. In Madrid protestierte schon vorsorglich die „Plattform Nein“ gegen die antizipierten Plagen, als da sind: Spielsucht, organisiertes Verbrechen und Prostitution. Auch die Umweltschützer warnen vor einem „vergifteten Bonbon“, das auch noch den ausländischen „Sauftourismus“ anregen werde. Doch die Lokalpolitiker - die nationale Regierung versprach neutrales Verhalten - zeigen sich in diesen Punkten bislang wenig beeindruckt. So war es auch, als im Ödland Aragoniens vor fünf Jahren ein ähnliches Projekt allerdings wesentlich weniger finanzkräftiger britisch-amerikanischer Investoren Kasinos, Freizeitparks und Golfplätze unter das Dach einer „Gran Scala“ bringen sollte. Es scheiterte mangels Masse endgültig im Februar.
Man sollte zuerst fragen
Klaus Dieter (Leser2009)
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Konsequente Weiterentwicklung des Geschäftsmodells:
Andreas M. Wirth (mightyson)
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