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Veröffentlicht: 28.03.2013, 11:01 Uhr

Karwoche in Spanien Durchnässte Nazarener

Wegen des andauernden Regens fürchten die Spanier um ihre traditionellen Prozessionen, die jedes Jahr in der Karwoche stattfinden. Auch die Besucher von außerhalb bleiben fern.

© AP Büßer der Bruderschaft „Santisimo Cristo de las Injurias“ in der nordspanischen Stadt Zamora.

In Spanien nimmt die Semana Santa mit Feuer und viel Wasser ihren Lauf. In der Region Valencia führten achtlos entzündete Feuerwerkskörper trotz winterlichen Regenwetters zum ersten Waldbrand der Saison. Zugleich bangten die katholischen Bruderschaften, die wegen des Wetters schon seit dem Palmsonntag zahlreiche Prozessionen absagen mussten, um ihre religiöse Tradition in der Karwoche. Vor allem in der andalusischen Hauptstadt Sevilla, wo die Karwochen-Rituale mit besonderer Inbrunst gepflegt werden, sah man ratlose Nazarener mit durchnässten Kapuzen und Umhängen durch überschwemmte Straßen stapfen. Das von der Wirtschaftskrise gebeutelte Hotel- und Gaststättengewerbe befürchtet für die Karwoche einen Einbruch vor allem beim einheimischen Tourismus.

Leo Wieland Folgen:

In der Hauptstadt Madrid erlitt unterdessen die „Vereinigung der Atheisten und Freidenker“, die an diesem Gründonnerstag eine laizistische „Gegenprozession“ veranstalten wollte, eine weitere Niederlage. Mit Hinweis auf die religiösen Gefühle der Mehrheit und auf Gefahren für die öffentliche Ordnung verbot die Stadtregierung den Aufmarsch. Die Atheisten, die im Zeichen der Meinungsfreiheit demonstrieren wollten, scheiterten schon zweimal mit diesem Vorhaben, auch beim höchsten Gericht der Stadt. Sie erwägen nun eine Klage wegen Rechtsbeugung, weil es sich offensichtlich um ein „Zusammenspiel zwischen der Justiz und der Politik“ handele.

Penitents of "Las Aguas" brotherhood wait before the start of their penance during Holy Week in Seville Sevilla © REUTERS Bilderstrecke 

Die gute Nachricht für Spanien: Das beispiellose Quantum Wasser, das noch immer vom Himmel fällt, hat die zumeist noch vom Diktator Franco in den fünfziger und sechziger Jahren gebauten Stauseen schon bis zum Rand gefüllt. Die Vorräte für Trinkwasser und Landwirtschaft müssten bis weit in den Sommer reichen – auch ohne „Umleitung“ von Flüssen und Kanälen aus feuchten in trockene Provinzen. Das Staatliche Meteorologische Institut registrierte den nassesten März seiner Statistik, die seit 1947 geführt wird.

Der noch glimmende Waldbrand nahe der valencianischen Gemeinde Barx hat derweil mehrere hundert Hektar einer schönen Berglandschaft verkohlt. Mehr als 300 Dorfbewohner sowie Alte und Behinderte aus einem naheliegenden Heim mussten vorübergehend in Sicherheit gebracht werden. In der Region Valencia, wo gegenwärtig die nach den zeremoniell verbrannten Pappmaché-Figuren „Fallas“ genannten Frühlingsfeste gefeiert werden, ist das Brandrisiko allenthalben hoch. Spanische Umweltschutzorganisationen beobachten zur Zeit mit Besorgnis Pläne der Regierung, ein Gesetz zu ändern, nach dem auf abgebrannten staatlichen Waldflächen 30 Jahre lang nicht gebaut werden darf. Ein Entwurf des Landwirtschaftsministeriums soll – offenkundig mit Rücksicht auf die Wirtschaftskrise – den Kommunen Ausnahmen gestatten. In Spanien hatte es früher zahlreiche Fälle von Brandstiftung im Auftrag von „Baulöwen“ gegeben. Sollte jetzt statt der Aufforstung aus „vorrangigem öffentlichen Interesse“ wieder die Bebauung erlaubt werden, könnte das, so die Umweltschutzorganisation Greenpeace, der Brandstiftung Tür und Tor öffnen.

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Quelle: F.A.Z.

 

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