http://www.faz.net/-gum-yex4

Karneval : „Ich weiß nicht, wie’s in Unna weitergeht“

  • Aktualisiert am

55 Mal ist Helmut Scherer mit einem Handwagen durch die ansonsten eher karnevalsunlustige Stadt gezogen Bild: dpa

„Der“ Karnevalist von Unna, Helmut Scherer, hat zum letzten Mal seinen „kleinsten Karnevalsumzug der Welt“ veranstaltet. Seit 55 Jahren ist er mit einem Handwagen durch die Stadt gezogen. Darüber spricht er nun im F.A.Z.-Interview.

          „Der“ Karnevalist von Unna, Helmut Scherer, hat am Donnerstag zum letzten Mal seinen „kleinsten Karnevalsumzug der Welt“ veranstaltet. 55 Mal war er mit einem Handwagen durch die ansonsten eher karnevalsunlustige Stadt gezogen.

          Herr Scherer, an Weiberfasching sind Sie wieder mit Ihrem Ein-Mann-Umzug, dem „kleinsten Karnevalszug der Welt“, durch Unna gezogen. Was war denn das Motto in diesem Jahr?

          Das Motto lautete: „Helmut geht ins Altersglück, Unna bleibt zurück.“

          Dieses Jahr lautete das Motto: „Helmut geht ins Altersglück, Unna bleibt zurück.”

          Das heißt, es ist Ihnen tatsächlich ernst damit, nach 55 Ein-Mann-Umzügen jetzt damit aufzuhören?

          Ja. Ich werde bald 77 Jahre alt, da sind die Höhepunkte erreicht. Noch nie hatte ich es so schön wie heute. Ich habe mich richtig gefreut, dass viele Kinder mitliefen, die hatten so eine Freude in den Augen. Die Sonne schien, der Himmel war tiefblau, es liefen Tanzmariechen und Ordensritter mit, außerdem die Musikkapelle „Wandervögel“. Und eine Konfettimaschine hatten wir auch!

          In all den Jahren war das Ihr schönster Fasching?

          Ja, aber es gab noch weitere Höhepunkte. Zum Beispiel, als der Politiker Willi Weyer dagegen vorgehen wollte, dass Hunde nach 20 Uhr in der Öffentlichkeit bellen. Da veranstaltete ich einen Umzug unter dem Motto „Weil der Weyer will, schweigt Brutus still“. Das kam gut an. Oder zum Beispiel der Umzug, bei dem es um den Fußballtrainer Helmut Schön ging. Fünf Wochen hatte ich am Wagen gebastelt, dafür gab es den zweiten Platz für den schönsten Wagen in Düsseldorf. Für den Umzug dort hatte ich außerdem das Trikot von Berti Vogts bekommen, das wurde mir aber geklaut. Darüber habe ich mich lange geärgert.

          Das heißt, Sie haben sich auch an großen Umzügen beteiligt?

          Natürlich habe ich auch bei großen Zügen mitgemacht! Zuerst war ich an Weiberfasching in Unna, dann am Rosenmontag oft zusätzlich woanders.

          Wie haben Sie denn immer wieder ein passendes Motto gefunden?

          Ich lese die „Bild“, die machen im November schon Vorschläge. Da habe ich mir dann eins rausgesucht.

          Wie kam es überhaupt dazu, dass Sie einen Ein-Mann-Umzug an den Start gebracht haben? Sind Sie ein Einzelgänger?

          Das hat sich eher so ergeben. Schon als Kind habe ich begeistert Karneval gefeiert. Das habe ich beibehalten, als ich nach Unna kam. Es gab dort auch mal einen Karnevalsclub, aber der hielt sich nicht lange. In Unna war es aber immer besser als auf den großen Umzügen. Außerdem ist mir ein Straßenumzug lieber als eine Feier in einem Saal. So ist es volkstümlich, jeder hat etwas davon, Fasching ist ja nicht nur für Akademiker!

          Was soll nun aus dem Karneval in Unna werden, wenn Sie nicht mehr dabei sind?

          Das frage ich mich auch! Einen Nachfolger habe ich noch nicht gefunden. Ich bin auch etwas traurig, aber das Jahr ist ja noch lang, da kann ich mir ja etwas Neues einfallen lassen.

          Kam Ihr letzter Umzug denn gut an?

          Ja, allerdings! Es sind alleine 130 Kinder mitgelaufen. Ich habe einen Fanclub, der hat 111 Mitglieder. Die Mitglieder haben den Bollerwagen gezogen, da saß ich oben auf dem Thron. Von dort habe ich alles gut überblickt. Zwölf Geschäfte haben sich beteiligt, dort haben wir gehalten, und es gab Schnaps.

          Das heißt, Sie haben zwölf Schnäpse getrunken?

          Nein. Ein paar mehr werden es schon gewesen sein.

          Weitere Themen

          Gebt euch nicht auf!

          Sportler für Organspende : Gebt euch nicht auf!

          Der Verein „Sportler für Organspende“ kämpft gegen den Tod auf der Warteliste. Franziska Liebhardt ist das Gesicht einer Gruppe, die zurück ins Leben gefunden hat und potentielle Spender motivieren will.

          Nur das Beste für mein Kind

          Staatliche Schule : Nur das Beste für mein Kind

          In den deutschen Großstädten haben Privatschulen regen Zulauf. Eine Mutter erzählt von der Hysterie unter Eltern – und warum sie ihren Sohn dann doch auf die normale Schule schickte.

          Topmeldungen

          Jens Spahn greift an : Mit Dolch und großem Kaliber

          Im Rennen um den CDU-Parteivorsitz liegt Gesundheitsminister Jens Spahn inzwischen deutlich hinter Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz. Ihm bleibt nur eine Chance.

          Israels Verteidigungsminister : Darum springt Liebermann ab

          Ministerpräsident Netanjahu wollte durch seinen Deal mit der Hamas Zeit und Ruhe erkaufen. Der Rücktritt seines Verteidigungsministers trifft ihn hart. Neuwahlen sind möglich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.