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Kandidaten-Gattinnen in Frankreich Vive la discrétion!

22.02.2012 ·  Carla Bruni-Sarkozy und Valérie Trierweiler, die Frauen an der Seite der französischen Präsidentschaftskandidaten, liefern sich ein Duell in vornehmer Zurückhaltung - aus Berechnung die eine, wegen ihres Naturells die andere.

Von Michaela Wiegel, Paris
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© picture alliance/abaca Immer macht sie eine gute Figur: Cara Bruni-Sarkozy beim Besuch eines Hospitals für Kinder im Januar

Gerade hat sich ihr Mann in den Kampf gestürzt, seinen Platz im trauten Heim - dem Elysée-Palast - zu verteidigen; am Mittwochabend verkündete er seine Kandidatur. Carla Bruni-Sarkozy aber macht sich gut zwei Monate vor den Präsidentenwahlen rar, ganz gegen ihre Gewohnheit. Zwar wohnte sie am Sonntag der großen Kundgebung ihres Mannes in Marseille bei, aber das soll die Ausnahme bleiben. Sie bezeichnet ihren Beistand als "menschlich", auf keinen Fall politisch. "Ich bin da, wenn er mich braucht", sagt sie - im Hintergrund.

Seit der Geburt ihrer Tochter Giulia im vergangenen Oktober lassen sich ihre öffentlichen Auftritte ohnehin an einer Hand abzählen. Böse Federn haben auch schon eine Erklärung parat. Da Bruni-Sarkozy, 44, ihr Töchterchen stillt, müsse sie auf ihre geliebten Botox-Behandlungen verzichten. Ohne die Straffungshilfe aber traue sie sich nicht ins Blitzlichtgewitter, tuschelt die Regenbogenpresse inzwischen auch in Frankreich.

Das ist nicht elegant und zudem irreführend. "Sie lebt ihr Leben, sie ist eine Künstlerin, eine freie Frau", sagt Sarkozys Kommunikationschef Franck Louvrier. Der Meinungsforscher Stéphane Rozès sieht es ein wenig anders: "Alle unsere Studien haben gezeigt, dass Carla Bruni-Sarkozy mit der Bling-Bling-Phase des Präsidenten assoziiert bleibt, mit seinem überbelichteten Privatleben." Die beste Wahlkampfhilfe, die sie Sarkozy bieten könne, sei deshalb Diskretion. "Je mehr ich mich an seiner Seite zeige, umso mehr sinkt er in den Meinungsumfragen", hat Bruni-Sarkozy gerade "Paris Match" anvertraut.

Sarkozy hat verstanden, dass die Franzosen die Inszenierungen seines Privatlebens nicht mehr ertragen. Das Diner im Nobelrestaurant Fouquet's an den Champs-Élysées am Wahlabend, sein Ausflug mit Goldkettchen, Ray Ban und Rolex auf die Yacht eines Unternehmerkumpels im Mittelmeer, seine Auftritte mit dem früheren Topmodell als turtelndes Liebespaar im Disneyland Paris, in Jordanien oder in Ägypten - "es war ein Fehler", sagte der Präsident kürzlich in "Le Monde". "Die Franzosen sahen mich glücklich und dachten: Uns hat er im Stich gelassen", so Sarkozy. Jetzt tritt er lieber mit der Bundeskanzlerin vor die Kameras.

Wahlkampf als Strohwitwer

Vor fünf Jahren zog der Wahlkämpfer Sarkozy wider Willen als Strohwitwer von Kundgebung zu Kundgebung. Cécilia, seine damalige Ehefrau, trat nur äußerst selten und dann mit Schmollmund in Erscheinung und ließ selbst bei der Wahlparty die Ehrengäste stundenlang warten. Jetzt rüstet sich Sarkozy wieder für eine Solokampagne - weil die Ehefrau ihm im Schatten mehr zu helfen verspricht als im Rampenlicht. Für die mondäne Carla ist es eine neue Erfahrung, dass sie sich verbergen soll. Sie war immer daran gewöhnt, die erste Geige zu spielen, ob als verwöhnte Tochter aus bester italienischer Industriellenfamilie, als hochbezahltes Model oder als laszive Chansonsängerin.

Sarkozy bescherte ihr zur Midlifecrisis eine neue Traumrolle. Sie brachte ihm etwas Schliff bei, heilte ihn von seiner Sucht nach Süßem. Und immer machte sie eine gute Figur, ob im raffinierten Abendkleid bei Staatsbanketten, im keuschen Kostüm bei der Queen oder im Safarilook bei einer ihrer Afrika-Reisen als Botschafterin des Globalen Aidsfonds. Aber obwohl die gebürtige Italienerin längst Französin und vier Jahre verheiratet ist sowie dem Präsidenten ein Kind geschenkt hat, haben die Franzosen ihre Première Dame nicht so recht ins Herz geschlossen.

Das liegt weniger an Bruni-Sarkozy als an ihrem Mann, der von seinem Ruf als "Präsident der Reichen" nicht loskommt. Kürzlich hatte der Bürgermeister von Nogent-sur-Marne, einer leicht tristen Vorstadtgemeinde im Osten von Paris, die Idee, ein Denkmal mit den Zügen der Präsidentengattin aufstellen zu lassen. Die zwei Meter hohe Bronzestatue sollte den italienischen Gastarbeiterinnen gewidmet sein, die bis in die sechziger Jahre hinein in den Federschmuck-Fabriken dort schufteten. Die Bildhauerin hatte schon Kontakt mit Bruni-Sarkozy aufgenommen; der Bürgermeister, ein Parteigänger Sarkozys, glaubte sich des Applauses von höchster Stelle sicher. Doch dann brach eine Welle der Empörung herein. "Es ist eine Beleidigung für die italienischen Arbeiterinnen, ihnen das Gesicht einer steinreichen Frau zu geben", wetterte zum Beispiel ein Sozialist aus dem Stadtrat. Das frühere Topmodell kenne Federn allenfalls von Defilees, nicht jedoch aus der Fabrik. Bruni-Sarkozy aber hüllte sich in Schweigen, vive la discrétion!

„Coup de foudre“ - der „Liebesblitz“

Was für die Bruni eine neue Devise ist, ist der zwei Jahre älteren Valérie Trierweiler jahrelang Prinzip gewesen. Als diskrete Beobachterin des politischen Lebens machte sie Karriere, stieg zu einer der Edelfedern des Magazins "Paris Match" auf. Ihr Weg kreuzte häufig den des sozialistischen Parteivorsitzenden François Hollande. Sie schrieb unzählige Male über ihn - bis der "coup de foudre", der "Liebesblitz", sie traf. "Wir entdeckten plötzlich, dass wir total ineinander verliebt waren", erinnerte sie sich in einem ihrer raren Interviews.

Für die schlanke Journalistin mit den feinen Gesichtszügen und dem kupfernen Haar war es eine verbotene Liebe. Sie war mit dem "sécretaire de la rédaction" von "Paris Match", dem Germanisten Denis Trierweiler, verheiratet. Hollande lebte mit Ségolène Royal zusammen, die gerade von ihrer Partei zur Präsidentschaftskandidatin bestimmt worden war.

Deshalb wahrten Hollande und Trierweiler über ihre stürmische Liebesaffäre Diskretion, solange es ging. Doch Royals inständige Anrufe in der Redaktion von "Paris Match", "diese Reporterin" von der Berichterstattung aus der sozialistischen Parteizentrale abzuziehen, sollten sich irgendwann herumsprechen. Erst nach den verlorenen Präsidentenwahlen 2007 erfuhren die Franzosen aus Royals Mund, dass sie Hollande vor die Tür gesetzt habe. In Wahrheit hatte der Sozialist den gemeinsamen Wohnsitz schon vorher verlassen.

In aller Diskretion ließen sich Trierweiler und Hollande im 15. Arrondissement nieder. Die Journalistin nahm ein Angebot eines Privatfernsehsenders an, eine politische Interviewsendung zu führen. Charmant und schlagfertig fragte sie auf "Direct 8" namhafte Politiker der Linken und Rechten aus. Nur Hollande wurde nie eingeladen.

An der Seite von Trierweiler krempelte sich der Kandidat um

Ihre Wirkung auf den Chefsozialisten verfehlte die erfahrene Journalistin dabei nicht. Der joviale Mann mit Embonpoint krempelte an der Seite seiner schönen neuen Lebensgefährtin sich und seine Gestalt um. Er griff am Tisch nicht mehr genießerisch zu und speckte mehr als zehn Kilo ab. In sein Büro, über dem stets ein Hauch gemütlichen Schlendrians lag, kehrten Ordnung und Betriebsamkeit ein. Hollande legte sich eine neue Garderobe zu, wechselte die Brille und gewann eine gerade Haltung. "Sie haben sich eine Rüstung zugelegt", entfuhr es bei einem jüngsten Interview einem Fernsehjournalisten. Trierweiler schwieg sich indes über ihre Rolle bei der Metamorphose des molligen Parteiapparatschiks zum strammen Präsidentenanwärter aus.

Obwohl sie eigentlich ein herzlicher, aufgeschlossener Frauentyp ist, hat sich Valérie Trierweiler eine gewisse professionelle Kühle zugelegt, die sie selbst als Zurückhaltung bezeichnet. Ihr sieht es nicht ähnlich, mit Ungeduld auf den möglichen Einzug in den Präsidentenpalast zu blicken. "Wissen Sie, als Mutter von drei halbwüchsigen Söhnen habe ich oft dringlichere Probleme als die Präsidentenwahlen: dass der Kühlschrank voll ist", sagte sie kürzlich.

Trierweiler soll Begleiterin sein, keinesfalls Beraterin

Anders als Bruni-Sarkozy, die sie in der Rolle der Ersten Dame beerben könnte, ist Trierweiler mit fünf Geschwistern in bescheidenen Verhältnissen in Angers aufgewachsen. Der Vater war Kriegsversehrter, die Mutter Kassiererin in der städtischen Eislaufhalle. "Wir hatten kein Geld, aber uns fehlte nichts", sagte sie rückblickend.

Als größtes Opfer empfindet sie es, im Wahlkampf nicht selbst journalistisch tätig sein zu können. "Paris Match" hat sie beurlaubt, und bei "Direct 8" moderiert sie künftig Kultursendungen. "Ich beneide diejenigen, die über Francois' Wahlkampf berichten dürfen", sagte sie. Er hat ihr das benachbarte Büro in seinem Hauptquartier in der Wahlkampfzentrale an der vornehmen Avenue de Ségur reserviert. Aber Trierweiler legt weiterhin Wert darauf, dass sie ihre Rolle als "Begleiterin" sieht, keinesfalls als Beraterin. Bei seinen Kundgebungen sitzt sie manchmal in der ersten Reihe, aber immer mit einem Sicherheitsabstand zu Ségolène Royal.

Unter den möglichen Vorbildern in der Rolle der "Frau von" hat sich Valérie Trierweiler die Philosophin Sylviane Agacinski ausgesucht. Im bürgerlichen Leben ist diese emanzipierte Intellektuelle die Ehefrau des früheren sozialistischen Präsidentschaftskandidaten Lionel Jospin. Sie blieb diskret, als sich ihr Mann um das höchste Staatsamt bewarb.

Ein Duell der Ersten Damen bahnt sich bei diesem Wettstreit der Zurückhaltung im Präsidentschaftswahlkampf nicht an. Das entspricht dem Zeitgeist: Nach der amerikanisch anmutenden medialen Darstellung des Privatlebens steht in Frankreich, das durch die DSK-Affäre endgültig geläutert ist, die puritanische Diskretion eines General de Gaulle wieder hoch im Kurs. Auch wenn weder Carla Bruni noch Valérie Trierweiler der strickenden "Tante Yvonne" ähneln, wie die Franzosen die Ehefrau des Republikgründers nannten.

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Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

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