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Veröffentlicht: 08.06.2015, 21:14 Uhr

Zu Unrecht im Gefängnis Justizopfer Wörz will mehr Geld

1676 Tage saß Harry Wörz wegen eines Justizirrtums im Gefängnis. Die Entschädigung von 25 Euro pro Tag plus Verdienstausfall will er nicht akzeptieren. Jetzt wurde neu verhandelt.

von , Stuttgart
© dpa In Freiheit: Harry Wörz saß mehr als vier Jahre unschuldig im Gefängnis.

Viereinhalb Jahre lang war Harry Wörz inhaftiert, genauer: 1676 Tage. Zu Unrecht, wie man heute weiß. Der Haft des heute 49 Jahre alten Installateurs wegen versuchten Totschlags lagen schlampige Ermittlungen und ein Fehlurteil des Landgerichts Karlsruhe zugrunde. Der Fall Wörz steht für einen Justizirrtum, der in der bundesdeutschen Rechtsgeschichte beispiellos sein dürfte.

Rüdiger Soldt Folgen:

Bis zum heutigen Tag kämpft er für eine angemessene Entschädigung. Am Montag verhandelte eine Zivilkammer des Karlsruher Landgerichts in einem Gütetermin über seine Forderungen und schlug einen Vergleich vor.

Wörz will zusätzliche Ausfälle kompensiert haben

Das Landgericht hatte Wörz 1998 zu elf Jahren verurteilt, weil die Richter es als erwiesen ansahen, dass er seine Frau, die von ihm getrennt lebte, mit einem Wollschal erdrosseln wollte. Die Frau überlebte den Tötungsversuch knapp, ihr Gehirn wurde so schwer geschädigt, dass sie nie eine Aussage über den Täter machen konnte. Obwohl Wörz’ Ehefrau, ihr Vater und ihr Geliebter bei der Pforzheimer Polizei beschäftigt waren, gab die dortige Dienststelle den Fall nicht aus Gründen der Befangenheit ab. Das Alibi des Liebhabers hatten die Ermittler vor dem ersten Urteil nicht geprüft. Ende 2010 sprach der Bundesgerichtshof Wörz in einem Revisionsverfahren frei.

Seitdem kämpft er um seine Entschädigung: Für jeden Hafttag bekam er 25 Euro, das waren insgesamt 41.900 Euro. Auch einen Verdienstausfall von 155.890 Euro erkannte man dem Justizopfer zu. Doch Wörz möchte zusätzlich eine Zahlung in Höhe von 86.000 Euro für unterbliebene Lohnzahlungen und etwa 26.000 Euro für Vermögensschäden.

Das „Gesetz über die Entschädigung von Strafverfolgungsmaßnahmen“ sieht vor, ein Justizopfer finanziell so auszustatten, als ob es das Fehlurteil nie gegeben hätte. Dieser Zustand ist für Wörz noch nicht erreicht: Weil er für manche Kosten keine Belege mehr hat, bekommt er auch kein Geld.

Das Bundesjustizministerium prüft zur Zeit, ob nicht generell „Beweiserleichterungen“ geschaffen werden sollten. Wörz wartet weiter auf eine Entschuldigung der baden-württembergischen Landesregierung. Ein Sprecher des Justizministeriums sagte: „Wenn das Verfahren abgeschlossen ist, werden wir prüfen, welche individuellen Schlussfolgerungen und welche Änderungen im Entschädigungsrecht angebracht sein könnten.“

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