13.11.2008 · Berry ist ein Zollhund, genauer: Ein Spürhund, der in Urlauberkoffern zum Beispiel Ziegenkäse, Hühnerkeulen oder Joghurt erschnüffelt. Alles Waren, mit denen Seuchen eingeschleppt werden können, die Tiere und Menschen bedrohen.
Von Christina HucklenbroichFür Berry ist das ganze Leben ein Spiel. Natürlich keins in der Endlosschleife; ein Ziel, das Berry sich einmal gesetzt hat, will er auch erreichen, geht dafür über Tische und Stühle, kriecht in Hecken und durchs Unterholz – alles für einen zerknautschten Ball. Dieser unendliche Spieltrieb, gepaart mit Kreativität und dem Willen zur Problemlösung, verschaffte Berry seinen Job hinter den Kofferrollbändern des Flughafens Hamburg.
Fast drei Jahre ist es jetzt her, dass Mitarbeiter der Bundeszollverwaltung Berry und seine Begabung bei einem Hundehändler in Niedersachsen entdeckten. Berry, ein sandfarbener Labrador Retriever, war damals knapp zwei Jahre alt: alt genug, um in ihm den Hund zu erkennen, zu dem er eines Tages würde werden können. Den Zollhund, genauer: Den ETU- und Artenschutz-Spürhund, einen von sechs, die heute an den Flughäfen in Deutschland eingesetzt werden.
Röhrchen zum Spielen, die mit Stoffen gefüllt waren
ETU bedeutet „Erzeugnisse tierischen Ursprungs“. Berry erschnüffelt in Urlauberkoffern zum Beispiel Ziegenkäse, Hühnerkeulen oder Joghurt. Alles Waren, mit denen Seuchen eingeschleppt werden können, die Tiere und Menschen bedrohen. Berry findet aber auch Produkte, deren Einfuhr verboten ist, weil sie von gefährdeten Tierarten stammen: Elfenbein, Schlangenhäute, Korallen, Seepferdchen oder als potenzsteigernd geltende Schnäpse aus Asien, in die vom Aussterben bedrohte Skorpione eingelegt sind.
Um seiner Aufgabe gewachsen zu sein, hat sich Berry einer mehrmonatigen Ausbildung an der Zollhundeschule Bleckede unterzogen. Dort erhielt er Röhrchen zum Spielen, die mit Stoffen gefüllt waren, die er später im Reisegepäck erschnüffeln sollte. Wie er seinen Fund anzeigen muss, nämlich durch Kratzen, lernte Berry an Kisten, in denen sein Spielzeug versteckt wurde. „Hat der Hund den Duftstoff aufgenommen, versucht er, an ihn heranzukommen, und setzt dabei auch seine Pfoten ein“, erklärt Rolf Pahrmann, Zollhundelehrwart in Brunsbüttel. „Das wird belohnt, indem ihm ein Ball zugeworfen wird.“
Äußerst verspielt
In dieser Woche zeigte Berry sein Können in Brüssel und Hamburg vor Politikern und Journalisten. Anlass war die EU-Veterinärwoche, in der die Europäische Kommission für ihre Strategie in Sachen Biosicherheit wirbt. Die Überwachung der Einfuhr an den EU-Außengrenzen gilt als besonders wichtig.
Privat lebt Berry wie ein ganz normales Haustier bei seiner Hundeführerin, der Zollbeamtin Sina Tillschneider. Die Menschen, die ihn kennen, sagen, er sei geduldig, kinderlieb, friedfertig gegenüber anderen Tieren, nervenstark und natürlich äußerst verspielt.
Christina Hucklenbroich Jahrgang 1978, Redakteurin im Ressort „Natur und Wissenschaft“
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