Es begann vor zwölf Tagen - beim alljährlich stattfindenden Zehn-Kilometer-Lauf „Cooper River Bridge Run“ zwischen Mount Pleasant und Charleston im amerikanischen Bundesstaat South Carolina. Mehr als 40 000 Läufer gingen an den Start, 36 652 erreichten das Ziel. An der Strecke fotografierte Will King einige seiner vorbeilaufenden Freunde, an die hundert Bilder lud er wenig später auf seiner Flickr-Seite im Internet hoch. Auf einem der Fotos sind zwei Frauen zu sehen, im Hintergrund links auch ein dem Fotografen zunächst nicht bekannter junger Mann mit einem violettfarbenen T-Shirt, der direkt in die Kamera lächelt. Kurz darauf, so erzählt King, habe schon ein erster Kommentar unter dem Bild gestanden: „Mister verdammt fotogener Typ“.
Inzwischen ist das Bild von dem „ridiculously photogenic guy“ millionenfach angeklickt worden. Längst ist nicht nur der Name des jungen Manns bekannt - sein Privatleben ist in allen amerikanischen Zeitungen und Fernsehsendern bis ins Detail ausgebreitet worden. Seine eigene Facebook-Seite hat Zeddie W. Little sperren lassen. Allerdings ein wenig zu spät, wie die privaten Fotos von ihm zeigen, die überall im Netz zu finden sind. Sein lächelndes Konterfei muss für vieles herhalten: So prangt es - als gutes Vorbild - neben dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Rick Santorum, für den extra die Seite „ridiculouslyunpopularsantorum“ eingerichtet wurde.
Anfangs fand Little den Rummel wohl noch lustig und twitterte munter Grüße an seine ersten Fans. Sein Foto, verlinkt auf Reddit, kommentierte er sogar auf seiner Facebook-Seite mit dem Satz: „Ich bin jetzt offiziell berühmt.“ Doch seit sein Kopf tausendfach und überall im Netz zu sehen ist - bis zum Dienstag bezogen sich mehr als 55 Millionen Einträge im Internet auf den verdammt fotogenen Little -, hält sich der Fünfundzwanzigjährige mit Kommentaren zurück. Zuletzt stellte sich Vater Jack der Öffentlichkeit und versicherte, dass sein Sohn sich zwar irgendwie geehrt fühle, dass er aber zugleich nicht wisse, wie er mit all dieser Aufmerksamkeit umgehen solle. (Dabei vergaß er nicht zu erwähnen, dass Zeddie seit fünf Jahren glücklich in einer festen Beziehung lebt.)
Der Internet-Meme überfordert selbst hartgesottene Web-Experten. Eine Erklärung dafür, warum der durchaus sympathische Little über Nacht von Millionen Menschen - vor allem von Frauen - derart angeschmachtet wird, lässt sich nicht recht finden. Auf seinen Fan-Seiten (etwa „20 Gründe, warum Zeddie Little der phantastischste Mann Amerikas ist“) heißt es dazu, weil er eben so normal sei. Ein gut aussehender, aber bescheidener Durchschnittstyp, der trotz all der Aufmerksamkeit in den vergangenen Tage nicht abzuheben scheint.
Will King hat sich schon mit einem Freund die Seite mrridiculouslyphotogenicguy.com gesichert und hofft, auf ihr mit Zeddie Little bald etwas „Cooles“ präsentieren zu können - während der Namensgeber selbst, wie King eingesteht, momentan noch kein Interesse an der Idee zeigt. Zunehmend gibt es aber nun auch kritische Stimmen: „Leute“, schreibt einer, „vergesst nicht: Er ist ein menschliches Wesen, er hat euch nichts getan.“
Flickr?
Erika Fuchs (ntroP)
- 11.04.2012, 15:52 Uhr