Home
http://www.faz.net/-guy-12y7q
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Sexualität Mädels, macht euch nicht verrückt!

 ·  Die Sache mit dem ersten Sex: Bravo-Expertin Eva Zimmer spricht über gefährliches Halbwissen, erklärt, was der Orgasmus mit der Liebe zu tun hat und rät Jugendlichen, für das erste Mal keinen Termin zu vereinbaren.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Sie beantwortet Fragen, die Jugendliche wirklich interessieren: In der Zeitschrift Bravo erklärt Eva Zimmer, auf was man beim Sex achten sollte.

Frau Zimmer, in Ihrem Buch erklären Sie sogar Stellungen. Muss ich als Teenie wirklich schon darüber Bescheid wissen?

Ich frage mich eher, warum so viele Aufklärungsbücher Sexstellungen NICHT erklären. Jugendliche wollen mitreden können! Das heißt ja nicht, dass sie alles gleich nachmachen.

Sind Jugendliche heute aufgeklärter als vor 30 Jahren?

Nein, im Gegenteil: Sie tun so, als ob sie sich auskennen, haben aber ein gefährliches Halbwissen. Die Pille kennen sie, aber wie die angewendet wird, wissen sie nicht. Statt sie täglich zu nehmen, teilen sich Mädchen eine Pillenpackung oder meinen, eine kurz vorm Sex reicht. Viele denken auch: Wir kriegen kein Aids, wir lieben uns doch. Oder: Beim ersten Mal kann ich gar nicht schwanger werden, da ist ja das Jungfernhäutchen. Was für ein Schmarrn!

Das gibt es wirklich?

Ja, die wenigsten wissen beispielsweise, dass Sperma im Körper mehrere Tage überleben kann. Ich sage ihnen daher: Immer, immer, immer verhüten! Auch wenn du deine Periode hast - oder die noch nie hattest. Vielleicht hast du beim ersten Sex deinen ersten Eisprung!

Sie beantworten regelmäßig Fragen über Sex und Liebe. Was sind da die Dauerbrenner?

Alles rund um die Liebe. Sprich: Jungs, Jungs, Jungs.

Wie man mit Jungs umgeht?

Ja, aber erst mal: Wie man sie erobert. Heute sagen schon Zwölfjährige: Ich bin nur attraktiv und begehrenswert, wenn ich einen Freund habe. Da geht's nicht ums Knutschen oder sogar Sex. Im Gegenteil: Mit zwölf ist man überfordert damit, dass es für Jungs oft mit Händchenhalten nicht getan ist. Aber der Druck ist groß: Haben ein, zwei Mädchen in der Klasse einen Freund, wollen die anderen nachziehen. Sonst heißt es nachher: Ätsch, für dich interessiert sich ja keiner!

Was sagen Sie so einer Zwölfjährigen?

Kümmer' dich erst mal um deine Freundinnen, hab Spaß mit der Clique, das mit dem Liebeskummer kommt schon früh genug. Außerdem: Wenn du nicht einmal weißt, wie du ihn ansprechen sollst - und mit 12, 13 darf man schüchtern sein, das ist ganz normal - wie soll es dann weitergehen? Kannst du mit einem Jungen schon was anfangen? Ich rate den Mädchen, sich erst mal anzugucken, wie das mit der Liebe bei den Freundinnen läuft. Meist ist von dem, womit sie prahlen, eh nur ein Drittel wahr.

Aber heißt das, Jugendliche sind heute frühreifer?

Nein, die meisten Jugendlichen erleben den ersten Sex nach wie vor mit 16. Und die Angst davor, dass es weh tut oder blutet, ist so groß wie früher. Es wäre auch unnatürlich, wenn man vor etwas, das man nie erlebt hat, keine Angst hätte. Aber es gibt Statistiken, dass, sind sie wirklich dazu bereit, 70 Prozent der Mädchen keine Schmerzen beim ersten Mal haben. Sondern es sich eher anfühlt, als würde man ein Vakuum durchstoßen. Man darf sich einfach nicht zu viel Druck machen. Dazu gehört auch: keinen Termin fürs erste Mal vereinbaren. Sonst macht man sich schon Tage vorher deswegen verrückt.

Woher weiß man, wann der richtige Moment fürs erste Mal ist?

Zum einen sagt das Gesetz: nicht vor 14. Damit will man Jugendliche nicht quälen, es soll sie davor schützen, sich zu überfordern. Man sollte sich viel Zeit lassen, den Jungen kennenzulernen. Das heißt: erst mal küssen. Auch bis man Petting macht, dürfen ruhig Wochen vergehen. Erst wenn die Sehnsucht größer als die Angst wird, ist der richtige Moment für Sex. Aber: Auch im letzten Moment, wenn du mit ihm schon nackt im Bett liegst, kannst du noch „nein“ sagen. Ohne schlechtes Gewissen.

Stimmt es, dass Pornos das Bild beeinflussen, was Jugendliche heutzutage von Sex haben?

Nein, jedenfalls nicht bei den Mädchen. Obwohl . . . Sie stellen schon Fragen wie: Wie werde ich eine gute Liebhaberin? Oft sogar, bevor sie einen Freund haben. Ich kann nur sagen: Fehlt das Gefühl, ist der Sex auch nichts. Wichtig ist außerdem, erst mal den eigenen Körper und Intimbereich kennenzulernen. Das passiert ja meist erst, wenn Mädchen zum ersten Mal Tampons benutzen.

Und wie lerne ich meinen Körper am besten kennen?

Wer sich nicht gleich da unten im Spiegel betrachten möchte, kann damit anfangen, sich bewusst einzucremen. Um ein Gefühl für seine Formen zu entwickeln. Viele Mädchen sagen, ich berühre mich da unten, aber da passiert nichts. Nun: Jede hat da ihren eigenen Zeitpunkt! Man kann nicht sagen, du bist jetzt 13, also musst du sexuelle Gefühle haben. Es gibt genug Mädchen, die haben sich erst mit 17 oder 18 zum ersten Mal selbst befriedigt.

Was fragen denn 17-Jährige?

Der Orgasmus ist ein großes Thema. Für viele Jugendliche ist er das Barometer, wie groß die Liebe ist. Nach dem Motto: Habe ich einen Orgasmus oder sogar mehrere, ist die Liebe supergroß. Dabei gibt es Frauen, die hatten mit 40 noch keinen Orgasmus, aber sind trotzdem mit ihrem Sexleben zufrieden. Den Leistungsdruck von den Jugendlichen wegnehmen, das wär's!

Was möchten Sie den Mädchen ein für allemal mit auf den Weg geben?

Mehr Selbstbewusstsein! Damit sie sich nicht mehr so viel von den Jungs vormachen lassen. Der Satz „Ich muss mit ihm schlafen, sonst nimmt er sich eine andere“ bricht mir jedes Mal das Herz. Schläft man gegen seinen Willen mit einem Jungen, wird das garantiert keine tolle Sache!

Das Gespräch führte Christine Ritzenhoff.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel