31.01.2009 · Seit ihr Vater Präsident ist, sollen auch Malia und Sasha Obama als Identifikationsfiguren dienen. Der amerikanische Puppenhersteller Ty hat nun Puppen nach ihrem Vorbild auf den Markt gebracht - First Lady Michelle Obama ist allerdings alles andere als erfreut.
Von Katja Gelinsky, Washington„Marvelous Malia“ und „Sweet Sasha“ haben angeblich nichts mit den Töchtern von Präsident Barack Obama zu tun. Dass die „fabelhafte Malia“ und die „süße Sasha“, die beiden neuen Modelle der Puppenkollektion des amerikanischen Unternehmens Ty, dunkle Haare und Augen haben, einen dunklen Teint und dieselben Namen wie die „First Daughters“, sei reiner Zufall, behauptet eine Sprecherin des Unternehmens. Malia und Sasha seien „einfach schöne Namen“, findet Tania Lundeen. Genau wie die Namen der „Ty Girlz“-Puppen Britney, Paris und Lindsay – die vermutlich auch nur zufällig so heißen wie Britney Spears, Paris Hilton und Lindsay Lohan.
Und natürlich steckte auch keine besondere Absicht dahinter, dass das Unternehmen, das zudem die beliebten Stofftiere Beanie Babys produziert, die Malia- und Sasha-Puppen passend zur Amtseinführung von Obama auf den Markt brachte.
Wie zurechtgemachte Teenager
First Lady Michelle Obama war über so viele Zufälle alles andere als erfreut. „Wir haben das Gefühl, dass es nicht angemessen ist, junge Privatpersonen für Vermarktungszwecke zu gebrauchen“, teilte ihre Sprecherin Kaie McCormick Lelyveld mit. Seitdem ist in den Vereinigten Staaten eine Puppen-Debatte entbrannt. Zum Vorwurf der Kommerzialisierung kommt Empörung über die Sexualisierung der sieben Jahre alten Sasha und der zehn Jahre alten Malia. Denn die 30 Zentimeter großen Stoffpuppen sehen wie zurechtgemachte Teenager aus.
Die Pro-Puppen-Fraktion, der schwarze und weiße Kommentatoren und Marketingfachleute angehören, macht allerdings geltend, es sei doch ein Zeichen gesellschaftlichen Fortschritts, dass neben den überwiegend platinblonden „Ty-Girlz“-Puppen nun auch zwei Modelle dunkleren Typs zu finden sind. Man solle nur an den legendären Puppentest des Psychologenpaars Kenneth Bancroft und Mamie Phipps Clark denken. In den vierziger Jahren hatten die Psychologen schwarzen Kindern Puppen gezeigt – die eine weiß, die andere dunkelhäutig. Auf die Frage, welche „schön“ sei, wählten die meisten schwarzen Kinder das weiße Exemplar.
Die Richter des Supreme Court erwähnten die Studie später in der berühmten Entscheidung „Brown v. Board of Education“ als einen Beleg dafür, dass die Rassentrennung an staatlichen Schulen verfassungswidrig sei, da diese Praxis unter anderem negative Folgen für das Selbstwertgefühl schwarzer Kinder habe.
Neue, schwarze Identifikationsfiguren?
Folgt man den Verteidigern von „Marvelous Malia“ und „Sweet Sasha“, dient die Kommerzialisierung der Obama-Töchter einem höheren Zweck, nämlich Idole und Identifikationsfiguren mit schwarzer Hautfarbe zu schaffen.
Eines gerät dabei aber offenbar in Vergessenheit: Die Puppen haben einen viel helleren Teint als die Präsidententöchter. Zu den Studienergebnissen der Clarks über die negative Selbsteinschätzung schwarzer Kinder gehörte damals auch, dass diese sich in Selbstporträts hellhäutiger malen, als sie in Wirklichkeit sind.