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Koma-Trinken nimmt zu Immer mehr Jugendliche trinken bis zum Umfallen

04.08.2009 ·  Trotz aller Ermahnungen betrinken sich immer mehr Mädchen und Jungen besinnungslos. Im vergangenen Jahr wurden doppelt so viele Jugendliche mit Alkoholvergiftung in die Notaufnahmen deutscher Kliniken gebracht wie sechs Jahre zuvor.

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Trotz aller Ermahnungen betrinken sich immer mehr Mädchen und Jungen besinnungslos. Der Kater am nächsten Tag schreckt die meisten Jugendlichen kaum dauerhaft ab. Die Drogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) forderte am Dienstag in Berlin, dem Trend stärker vorzubeugen.

Im vergangenen Jahr wurden doppelt so viele Jugendliche mit Alkoholvergiftung in die Notaufnahmen deutscher Kliniken gebracht wie sechs Jahre zuvor, berichtete die Gmünder Ersatzkasse GEK. Laut GEK- Report Krankenhaus 2009 wurden 2008 gerechnet auf 10.000 Versicherte 37 Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren völlig betrunken in eine Klinik gebracht - nach 18 im Jahr 2002. Bei den Jungen stieg die Rate von 24 auf 52. Seit 1990 seien sogar fünf Mal mehr Jugendliche im Vollrauch ins Krankenhaus gebracht worden, sagte die Studienautorin Eva Maria Bitzer vom Hannoveraner Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung (ISEG).

Klinikaufenthalte schrecken kaum ab

Abschreckend wirkt Übelkeit wegen Koma-Trinkens kaum. In Befragungen gaben rund 17 Prozent der Interviewten an, nach einem Klinikaufenthalt genauso weiterzumachen oder sogar mehr zu trinken. 83 Prozent der Jugendlichen trinken eigenen Angaben zufolge zwar weniger. Aber sie greifen immer noch viel häufiger zu Alkohol und trinken mehr als Jugendliche mit mäßigem Alkoholkonsum. Das Risiko des Alkoholmissbrauchs steige, wenn im Freundeskreis Bier, Wein und Schnaps getrunken werde und reichlich Taschengeld vorhanden sei, sagte Bitzer. GEK-Chef Rolf-Ulrich Schlenker forderte eine nationale Aufklärungskampagne der Bundesregierung unter Beteiligung der gesetzlichen Krankenkassen. Beschränkungen wie etwa die geplanten nächtlichen Verkaufsverbote in Baden-Württemberg brächten dagegen wenig.

Die bislang jüngsten Zahlen zu den Klinikeinweisungen wegen Alkohols stammen aus dem Jahr 2007. 23.165 junge Leute zwischen 10 und 20 Jahren landeten damals volltrunken in der Klinik. Somit deutet sich nun an, dass alle Appelle seither keine Trendumkehr brachten. Nur Männer zwischen 50 und 54 werden laut Report häufiger mit Alkoholproblemen in die Klinik gebracht als Jungen.

Bätzing forderte in der „Rheinischen Post“, „dass vor Ort gemeinsam an einer Lösung gearbeitet wird; das heißt, wenn Kommunen, Vereine, Schulen und Polizei zusammenarbeiten, dann ist dies der richtige Weg“. Der Mannheimer Suchtforscher Karl Mann forderte, die Alkoholsteuern zu verdoppeln. „Damit könnten wir den Konsum der Jugendlichen auf zehn Prozent des bisherigen Konsums senken“, sagte er dem Blatt.
Insgesamt weist der Report „enorme Effizienzsteigerungen“ in Deutschlands Kliniken auf. Trotz immer zahlreicherer Behandlungsfälle (plus 9 Prozent) sank die Aufenthaltsdauer seit 1990 insgesamt um 34 Prozent.

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