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Spezialeinsatz für Tatortreiniger "Wir werden dahin gerufen, wo es wirklich eklig ist"

03.09.2008 ·  Nichts für schwache Nerven: Tatortreiniger beseitigen die Spuren des Verbrechens. Allerdings die besonders üblen: Fäkalien und Leichengeruch gehören zu ihrem Alltag.

Von Gesa Schulze, Gymnasium, Lilienthal
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„Schöne Tode sind das nicht", sagt Christian Heistermann nachdenklich und rührt in seiner Kaffeetasse. Der 39 Jahre alte Berliner ist Tatortreiniger, und als solcher ist seine Aufgabe die "Beseitigung von Körperflüssigkeiten nach dem Ableben", wie er es nennt. "Wir werden dahin gerufen, wo es wirklich eklig ist." Riesige Blutlachen, Fäkalien und stechender Leichengestank gehören so selbstverständlich zu seinem Arbeitsalltag wie für andere Aktenordner und Briefbeschwerer. "Unser schlimmster Fall war eine Messie-Wohnung: Die Bewohnerin konnte offensichtlich zuletzt nicht einmal mehr die Toilette benutzen und hatte ihre Fäkalien in Eimern gesammelt. Obwohl die Schädlingsbekämpfer ihre Arbeit schon getan hatten, krabbelten immer noch überall Viecher herum - Maden, Würmer, Fliegen ..." Selbst der hochgewachsene, tough wirkende Heistermann verzieht bei der Erinnerung an diesen Anblick das Gesicht.

Sein Unternehmen, die Heistermann-Service-Gesellschaft (HSG) mit Sitz in Berlin, widmet sich vor allem der Gebäudereinigung. "Unser Alleinstellungsmerkmal ist aber die Tatortreinigung", erläutert Heistermann. Ein gewisser Stolz auf seine Geschäftsidee, die seinem Unternehmen in den letzten Jahren eine enorme Medienpräsenz beschert hat, ist dabei unüberhörbar. "Ein- bis zweimal im Monat werden wir an einen Tatort gerufen und wissen nie, was uns erwartet. Meistens Blut, Fäkalien oder Magensäure mit Speiseresten", berichtet der Gebäudereinigermeister in bestem Berlinerisch und wirkt dabei völlig gelassen. Einen erfahrenen Tatortreiniger bringt wohl so schnell kein Anblick mehr aus der Ruhe. Nachdem die Situation erfasst worden ist, beginnen Heistermann und seine Mitarbeiter mit der Arbeit: Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen, Vordesinfizierung, Grobreinigung, Feinreinigung, abschließende Desinfizierung. Dabei wird Vollkörperschutz getragen, um die Tatortreiniger vor Infektionen zu schützen.

Zum Einsatz mit der Atemschutzmaske

Wichtig ist die Atemschutzmaske als Schutz vor den ekelerregenden Gerüchen. "Blut riecht, wenn es trocknet, nach rostigem Eisen", beschreibt Heistermann, während er entspannt einen Schluck Kaffee nimmt. Sein Auszubildender Florian Franz nickt nachdrücklich: "Das kann schon sehr eklig sein, der beißende Leichengeruch und all das Getier, was da so kreucht und fleucht."

Die meisten der Todesfälle, mit deren sichtbaren Folgen sich die Mitarbeiter der Heistermann-Service-Gesellschaft konfrontiert sehen, seien auf übermäßigen Alkoholkonsum zurückzuführen, berichtet Heistermann, oder wie er es ausdrückt: "Viele haben sich einfach zu Tode gesoffen." Auch Magen- oder Darmdurchbrüche mit Todesfolge hinterlassen oftmals Spuren, deren Entfernung so mancher lieber einer professionellen Tatortreinigung anvertraut. So sind es fast immer die Spuren qualvoller Todesfälle, um deren Beseitigung sich Heistermann und seine Mitarbeiter kümmern. "Wessen Angehöriger friedlich in seinem Bett eingeschlafen ist, muss sich eben nicht an eine Tatortreinigung wenden", erklärt der Geschäftsführer, dem sein Beruf anscheinend trotz aller Routine doch ganz schön an die Nieren gehen kann.

Das Geschäftskonzept sei in Deutschland bisher einmalig: "Ich bin der Erfinder der Tatortreinigung in Deutschland", behauptet der Gebäudereinigermeister und Betriebswirt stolz von sich selbst. In den Vereinigten Staaten ist das Berufsbild hingegen weit verbreitet. In Deutschland dagegen erfolge oft keine fachmännische Säuberung der Leichenfundorte: "Eine Blutpfütze aufwischen kann jeder, aber kaum jemand verfügt über wirkliche Fachkenntnisse. Da pfuschen uns Leute ins Handwerk, die nicht dafür ausgebildet sind." Man befinde sich in einer rechtlichen Grauzone: "Da kann jeder rumwischen, wie er will", beklagt Heistermann. "Und so was kotzt mich einfach an."

Ein Beruf mit Zukunft?

Die Spezialisierung der HSG auf die Tatortreinigung macht jedoch zumindest die Gebäudereinigerausbildung in Heistermanns Betrieb außerordentlich attraktiv. Schließlich sei dies ein Beruf mit Zukunft, erläutert der Geschäftsführer: "Todesfälle mit unappetitlichen Folgen wird es immer geben." Zudem sei das Berufsbild in Deutschland bisher kaum eta-bliert, so dass es eine interessante Marktlücke biete. Mit ihrer speziellen Qualifikation seien seine Auszubildenden für den Arbeitsmarkt daher bestens gerüstet.

Die Anforderungen an die Bewerber sind jedoch hoch: Neben Höhentauglichkeit und Geschicklichkeit ist beispielsweise Einfühlungsvermögen gefragt, denn zur Arbeit gehört auch der sensible Umgang mit Angehörigen. Entscheidend ist ebenso eine gewisse psychische Belastbarkeit, sehen sich die Auszubildenden doch regelmäßig mit den Spuren grausamer Todesfälle konfrontiert. Und es ist nicht leicht, als junger Erwachsener so oft dem Tod zu begegnen: "Da grübelt man dann später schon noch drüber nach", meint Azubi Kevin Schlicht nachdenklich. Vor allem aber muss man seinen Ekel überwinden können: "Man muss hart sein. Man muss Blut sehen können", sagt Florian Franz und grinst.

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