01.09.2008 · Nichts für empfindliche Nasen: Abwassermeister Benno Bruch gewährt Einblicke in die Kläranlage. Sein Arbeitsplatz wird selten besucht, seine Arbeit ist aber für alle unverzichtbar.
Von Rabea Kirsch, Trifels-Gymnasium, AnnweilerEs riecht nach altem Abfall und Verfaultem. "Grober Dreck, der größer als fünf Millimeter ist, bleibt in der Siebtrommel hängen, wie zum Beispiel Papier, tote Tiere oder Laub", erklärt Abwassermeister Benno Bruch. Der 49 Jahre alte Mann trägt Jeans, Arbeitsschuhe und einen blauen Kittel. Nach seiner Ausbildung in Abwassertechnik machte der schnauzbärtige Mann mit 34 Jahren seine Meisterprüfung. Die Siebtrommel ist ein großes Rohr aus Metall mit vielen Löchern, durch die das Schmutzwasser geleitet wird. Sie rotiert mit konstanter Geschwindigkeit und wirft den groben Schmutz von einer zur anderen Seite. Der vom Sieb abgesonderte Müll wird noch einmal gewaschen, in einen Container gedrückt und kommt dann in eine Müllverbrennungsanlage. In der Kläranlage von Annweiler am Trifels, einer Kleinstadt im rheinland-pfälzischen Landkreis Südliche Weinstraße, sind zwei Schlosser beschäftigt, ein Ver- und Entsorger, der hauptsächlich im Labor arbeitet und Proben von Wasser und Schlamm der Kläranlage untersucht, und Benno Bruch, der für Kontrollarbeiten, Belehrungen, Büroarbeiten und Materialbeschaffungen zuständig ist.
Unterirdisch fließt das Schmutzwasser weiter in den Sandfang: Der Sand setzt sich in einem Absetzbecken ab und wird durch eine Art Schnorchel abgesaugt. Anschließend wird der Sand in einen Container weitergeleitet, der in einem Häuschen mit rotem Dach und gelben Klinkersteinen steht. Hier hört man das stete Sauggeräusch des großen Schnorchels. Der Sand wird gewaschen und von organischem Abfall befreit. "Diesen Sand kann man dann als Bausand verwenden", erklärt Bruch.
Zwischen Rohschlamm und Bakterien
In einem zehn Meter langen, fünf Meter breiten Becken fließt das von Sand und grobem Dreck befreite Wasser nur sehr langsam. "Bis hierhin verläuft alles mechanisch. Der organische Schmutz, wie zum Beispiel Gemüse- oder Speisereste, setzt sich aufgrund der Schwerkraft am Beckenboden ab." Der organische Dreck, Rohschlamm genannt, ist braungrau und wird in einen zehn Meter hohen, bauchigen Faulturm gepumpt. In ihm herrschen 33 bis 35 Grad Celsius, der Rohschlamm liegt dort 20 bis 22 Tage. Durch diesen Abbauprozess entstehen Methangase, die zum Heizen der Kläranlage benutzt werden.
In einem Becken mit 28 Metern Durchmesser befindet sich ein mittelbraunes Wasser-und-Bakterien-Gemisch. Es sprudelt und spritzt, der Geruch ist neutral. Quer über das Becken ist ein langes Metallrohr angebracht, aus dem viele kleine Rohre ins Wasser führen: So wird Sauerstoff eingeleitet, der die Flüssigkeit zum Sprudeln bringt. "In diesem Becken werden die gelösten Inhaltsstoffe biologisch abgebaut. Den Bakterien, die den Schmutz aufnehmen und sich dadurch vermehren, muss Sauerstoff zugeführt werden", erklärt Bruch.
Nach 24 Stunden fließt das Wasser wieder in den Bach
Die etwa 20.000 Quadratmeter große Kläranlage wurde 1964 gebaut. Sie umfasst ein Haupthaus mit Büros und dem Labor, die Becken- und Reinigungsanlagen, drei Pumpwerke und ein Rückhaltebecken, in denen das Regenwasser gesammelt wird. "Nach etwa zwei Stunden wird das Wasser unterirdisch vom Belebungsbecken in das Nachklärbecken geleitet", erläutert Bruch. Hier setzt sich das braune Wasser-und-Bakterien-Gemisch, der Rückschlamm, vom Wasser durch die Schwerkraft ab. Der Schlamm wird durch zwei große Rohre zurück ins Belebungsbecken geleitet.
Am Rand des Nachklärbeckens verläuft eine Rinne, durch die das nach oben abgesetzte klare Wasser aus dem Becken entweichen kann und dann durch ein Rohr in die Queich, einen kleinen Bach, der durch Annweiler fließt, gelangt. Die Klärung des Wassers dauert etwa 24 bis 26 Stunden. Am Tag werden etwa 2500 bis 3000 Kubikmeter Abwasser gereinigt. Am Schluss der Prozedur werden noch automatisch die Wassermenge, der pH-Wert und die Temperatur des Wassers gemessen. Erst jetzt darf das saubere Wasser in die Queich geleitet werden.