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Samstag, 18. Februar 2012
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Probleme von Analphabeten Abgemalte Aufgaben

18.07.2008 ·  Er kann weder flüssig lesen noch sicher schreiben, hat es aber bis zum Abteilungsleiter gebracht: Jetzt drückt Osman Haymana als Erwachsener wieder die Schulbank.

Von Max Wüstehube, Internatsschule Schloss Hansenberg, Geisenheim
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„Meine Lehrer haben nicht bemerkt, dass ich in der sechsten Klasse weder Texte lesen noch meine Hausaufgaben aufschreiben konnte“, sagt Osman Haymana (Name geändert). Trotzdem konnte er in einem großen Unternehmen, das Erfrischungsgetränke herstellt, bis zum Abteilungsleiter aufsteigen. Haymana besucht mit acht Teilnehmern einen Alphabetisierungskurs an der Volkshochschule in Hanau. Sie alle gelten als funktionale Analphabeten, das heißt, sie können zwar nur sehr wenig lesen und schreiben, allerdings in ausreichendem Maße, um im Alltag zurecht- kommen zu können.

Vier Millionen haben Probleme

Insgesamt können in Deutschland etwa vier Millionen Einwohner, was etwa fünf Prozent der Bevölkerung entspricht, nur in sehr begrenztem Umfang lesen und schreiben. Meist können sie sich sprachlich jedoch verständigen und Notwendiges wie zum Beispiel Preise entziffern.

So geht es Haymana, dem es trotz geringer Schriftkenntnisse möglich ist, im Betrieb mit Hilfe von Rechtschreibprogrammen Konferenzen zu protokollieren. Er ist Mitte 30, hat einen gepflegten Schnauzer, trägt Lederjacke und Jeans. Unterhält man sich mit ihm, kann man keinerlei sprachliche Defizite feststellen. Als er sieben Jahre alt war, zog er mit seinen Eltern aus der Türkei nach Deutschland und hat hier die Realschule besucht.

In bekannte Laute zerlegen

Vordergründiges Lernziel innerhalb des Kurses ist es, eine Verbindung zwischen gesprochenen Lauten und deren verschriftlichter Form herzustellen. Den Teilnehmern soll die Möglichkeit des eigenständigen lauten Lesens und Wiedererkennens von Silben als bereits Gehörtes eröffnet werden. Ebenfalls sollen sie in der Lage sein, selbst gesprochene Worte schriftlich festzuhalten, indem sie diese in bekannte Laute zerlegen. „Wir können innerhalb der, gemessen an der Aufgabe, Lesen und Schreiben zu lernen, kurzen Zeit unseres Kurses nicht alle möglichen Texte lesen, es geht stattdessen darum, den Kursteilnehmern eine Technik beizubringen, mit der sie von sich aus weiterarbeiten können“, erklärt Kursleiterin Birgit Kaufeld.

Für die Clique bedeutungslos

Osman Haymana berichtet, dass er die gesprochene Sprache zwar schnell gelernt hat, um sich mit anderen unterhalten zu können, es für ihn aber keine Dringlichkeit gab, Lesen und Schreiben zu lernen. In seiner Clique seien Deutschkenntnisse nicht von besonderer Bedeutung gewesen, und im Unterricht konnte man sich mündlich beteiligen, Hausaufgaben und Arbeiten musste man nach Möglichkeit „abmalen“.

Als er in der fünften Klasse der Realschule mit Englisch als erster Fremdsprache begann, sah er diese als Chance, nun wenigstens diese Sprache „ordentlich“ zu erlernen. Anfangs durch die Lehrerin motiviert, funktionierte dies gut, bis sie nach einem Jahr die Schule verließ. Daraufhin verebbte Haymanas Interesse am Englischunterricht. In seiner weiteren Schulzeit wurden seine schriftlichen Sprachkenntnisse jedoch zunehmend problematisch, ebenfalls stieg die Hemmschwelle, auf sich aufmerksam zu machen und Hilfe zu suchen. Letztendlich erreichte Osman Haymana nach vielen Mühen und mit etwas Glück die mittlere Reife.

„Schreib dich nicht ab“

Analphabeten zu helfen, in schriftlicher Form mit der Sprache „Freundschaft zu schließen“, hat sich in Deutschland vor allem der Bundesverband für Alphabetisierung und Grundbildung zur Aufgabe gemacht, der unter anderem die Kampagne „Schreib dich nicht ab. Lern lesen und schreiben!“ ins Leben gerufen hat. Die Kursteilnehmer an der Volkshochschule Hanau haben schon einen großen Schritt in diese Richtung getan.

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