02.02.2012 · Nils Sauerbier aus Büren ist Jungjäger und Hirschrufer: Der 17-jährige Naturbursche tritt als jüngster Teilnehmer zum „Wettröhren“ an. Sein Hilfsmittel: ein PVC-Rohr.
Sie sind mit 17 Jahren der jüngste Teilnehmer aller Zeiten an den Deutschen Meisterschaften der Hirschrufer an diesem Freitag in Dortmund. Wie kamen Sie auf die Idee, Hirsche zu imitieren?
Ich mache seit einem Jahr eine Ausbildung zum Revierjäger. Als wir von dem Wettbewerb auf der Messe „Jagd und Hund“ gehört haben, hat sich bei meinen WG-Mitbewohnern und mir sofort die Idee festgesetzt, auch mitzumachen.
In welchen Wäldern üben Sie das Jagen denn während der Ausbildung?
Ich befinde mich im ersten Lehrjahr an der Berufsschule in Northeim in Niedersachsen. Bisher ist die Ausbildung eher theoretisch, aber ab dem zweiten Lehrjahr geht es dann auch wirklich raus in den Wald und ins Revier.
Haben Sie während Ihrer Ausbildung zum Jäger das Hirschrufen schon gelernt?
Nein, ich bin blutiger Anfänger.
Warum wenden Jäger das Hirschrufen überhaupt an?
Zur Brunftzeit im Herbst lockt der Jäger die Hirsche durch seine Rufe an. Das erleichtert es ihm, den Wildbestand zu zählen, die Tiere zu beobachten oder auch zu schießen.
Wie haben Sie sich dann das Röhren beigebracht?
In den letzten Monaten haben wir uns immer abends oder in der Mittagspause in der WG zusammengesetzt und kräftig hohe und tiefe Tonlagen geübt. Außerdem haben wir vom Bundesverband der Deutschen Berufsjäger CDs mit Hirschrufen zur Verfügung gestellt bekommen, auf denen man besonders gut die verschiedenen Tonhöhen unterscheiden und nachröhren konnte.
Was haben Ihre Nachbarn dazu gesagt?
Wir rufen dabei gar nicht so laut, wie man sich das vielleicht vorstellt.
Sie nutzen als Hilfsmittel ein PVC-Rohr. Warum?
Das habe ich mir selbst gebastelt, andere benutzen Ochsenhörner oder Tritonmuscheln. Es geht darum, den Luftweg zu verlängern, denn Hirsche haben einen deutlich längeren Hals und damit auch eine längere Luftröhre. Durch das PVC-Rohr kommt man dem Originalton des Wildes deutlich näher.
Sie treten in drei verschiedenen Disziplinen an: junger Hirsch, alter Hirsch und Kampfruf. Welche ist Ihre Paradedisziplin?
Passenderweise der junge Hirsch.
Woran liegt das?
Der junge Hirsch macht höhere Töne, die sind für mich einfacher zu imitieren als die tiefen Töne, die ein alter Hirsch macht.
Wie schätzen Sie Ihre Chancen gegen die erfahrenen Hirschrufer ein?
Ich bin in erster Linie sehr gespannt auf den Wettbewerb. Wie ich abschneiden werde, ist schwer zu sagen. Aber ich denke, es wird schwierig, die Sieger der letzten Jahre von den ersten Plätzen zu verdrängen.
Nehmen Sie von dem Wettbewerb auch etwas für Ihren späteren Berufsalltag mit?
Es ist sicher von Vorteil, wenn man in seinen Bewerbungen nach der Ausbildung angeben kann, dass man an dem Wettbewerb teilgenommen hat. Immerhin ist es für den Jägerberuf immer noch wichtig, mit dem Hirsch in Konkurrenz treten zu können.