Ehebrecher und Diebe haben in Aceh schon öfter das erbarmungslose islamische Gesetz gespürt - nun traf es Musikfreunde. Seit dem Wochenende hält die Polizei in Indonesiens nördlichster Provinz 64 Punker fest und lehrt sie muslimische Sitten. Die Betroffenen sind verzweifelt, Menschenrechtler empört, aber Verwaltung und Justiz der autonomen Provinz, die seit zehn Jahren die Scharia anwenden darf, sehen sich im Recht.
Die Geschichte begann am Samstagabend, als sich Hunderte Punks aus dem ganzen Land im „Taman Budaya“ (“Kulturpark“) der Provinzhauptstadt Banda Aceh zu einem Benefizkonzert versammelt hatten. Der Erlös sollte Waisenhäusern zugutekommen, und weil diese soziale Note den Behörden gefiel, hatten sie eine Genehmigung erteilt.
Als die Polizei dann aber (möglicherweise zum ersten Mal) sah, wie sich Punks kleiden und zu ihrer Musik bewegen, löste sie das Konzert auf und nahm mehrere Besucher in Gewahrsam. „Diese Gruppe bedroht den Glauben und weicht sehr weit von der islamischen Lehre ab“, sagte Illiza Saaduddin Djama, der stellvertretende Bürgermeister Banda Acehs, und kündigte an, sie auf Rauschgift hin zu untersuchen.
Doch am Dienstag wurden die Punks in die 60 Kilometer weit entfernte „Polizeischule“ in den Seulawah-Bergen transportiert. Dort empfing sie der Polizeichef der Provinz, General Iskandar Hasan, der dem „Jakarta Globe“ bereitwillig sagte, was die „traditionelle Zeremonie“ zur Umerziehung umfasst. Den Männern würden die Haare geschoren, den Frauen Frisuren „im Stil unserer Polizistinnen“ verpasst. Am Mittwoch mussten sich alle in einem See waschen, um rein für den Islam-Unterricht zu sein, für den der „Muslimische Kleriker-Rat“ angereist kam.
Viele der Festgenommenen sind „Wochenendpunks“, die im Alltag kaum auffallen und normalen Berufen nachgehen. „Ich habe gerade einen neuen Job an einer Bank in Medan angefangen“, wird ein Mann zitiert. „Ich habe keine Idee, was ich denen sagen soll, weil ich nicht einmal weiß, wofür ich eingesperrt wurde.“ Ein Mädchen beschwerte sich wegen der Polizistinnen-Frisur, Männer beklagten den Verlust ihres Irokesenschnitts. Narti Zain, eine Rechtsaktivistin, spricht von einem
„bizarren Vorgehen“ der Polizei und einer Verletzung von Menschenrechten: „Punk sein ist doch nur ein Lebensstil!“
Das sieht die Polizei anders. Anwohner hätte sich beklagt, weil die Punks gebettelt hätten. Die Punks, sagte General Hasan, hätten auf der Straße gelebt und weder geduscht noch gebetet. „Sie brauchen eine harte Behandlung, um ihr moralisches Verhalten zu verändern.“ Der Polizei gebühre Dank: „Wir werden ihre widerliche Kleidung wechseln und durcht eine schöne ersetzen. Wir werden ihnen Zahnbürsten, Zahnpasta, Shampoo, Sandalen und Gebetskleider geben.“ Und zur Beruhigung fügte er noch an: „Ich werde meine Leute daran erinnern, keine Menschenrechte zu verletzen.“
zum Lachen
Michael Meier (never1)
- 15.12.2011, 09:34 Uhr
Freie Entfaltung
Christian Brand (C.Brand)
- 15.12.2011, 08:13 Uhr
Irre, wie hier früher. Geschichte wiederholt sich?
Andreas Eichel (killboy)
- 14.12.2011, 21:57 Uhr