16.08.2009 · Endlich selbst Auto fahren: Man nehme einen Führerschein und ein Auto. Doch so einfach ist es nicht. Beides ist leider ziemlich teuer und gar nicht so leicht zu bekommen. Fahranfänger müssen einige Hürden nehmen.
Von Anne-Katrin SchadeDie Straße in das Wohngebiet hat er nicht schnell genug gesehen. George Worcester sitzt in dem knallroten Fahrschulauto hinter dem Steuer. Er hat seine achte praktische Fahrstunde. Und es kann ihm nicht schnell genug gehen. Der 18 Jahre alte Gymnasiast braust abends über die Landstraße. Draußen ist es ziemlich düster, weil die Lampen an der Fahrbahn ausgefallen sind. Erlaubt sind 80 Stundenkilometer, doch der sportliche Junge mit den blonden kurzen Haaren und dem Trainingsanzug ist gern flott unterwegs. „Schnell fahren ist das Beste“, sagt er.
Nur sein Fahrlehrer Zoran Zecic von der Frankfurter Fahrschule Kirsch sieht das anders: „Bremse“, sagt er auf dem Beifahrersitz mit erstaunlich entspannter Stimme. George stockt, erkennt die Seitenstraße rechts, nimmt den Fuß vom Gaspedal. Er blinkt und lenkt. Im weiten Bogen biegt er ab, bis der Motor abstirbt. „Der Gedankengang war richtig“, sagt Zoran, „aber das machen wir noch mal.“ George wird die Abzweigung an dem Abend öfter sehen, als ihm lieb ist.
Geld und Zeit sparen
Ginge es nach ihm, wäre das jetzt schon seine letzte normale Übungsstunde. So hätte er Geld und Zeit gespart. Doch gerade die Übungsstunden sind wichtig: Darin lernen Fahrschüler die Grundlagen wie in den Spiegel zu schauen und einzuparken. Erst wenn sie das draufhaben, beginnen sie mit den Sonderfahrten. Dann düsen sie über Autobahnen und Schnellstraßen, manchmal sogar nachts.
Danach müssen sie nur noch die Fahrprüfung bestehen, um den Führerschein zu bekommen. Ziemlich fehlerfrei, versteht sich. Normalerweise sind dafür über 20 Fahrstunden nötig, plus Sonderfahrten. Die Ausgaben läppern sich. Viele Fahrschüler versuchen deshalb, möglichst wenige Stunden zu nehmen. Denn für eine müssen sie im Durchschnitt um die 30 Euro hinblättern. Insgesamt zahlen sie für den Führerschein etwa 1700 bis 1800 Euro.
Über die Qualität sagt der Preis nichts aus
Da die Preise der Schulen stark schwanken, kostet die Stunde bei manchen 25 Euro, bei anderen 45. Auf dem Land sind sie oft teurer als in der Stadt. Dort ist die Konkurrenz unter den Schulen nämlich höher. Die Besitzer senken deshalb den Preis, damit sich möglichst viele Leute für ihr Angebot interessieren. Zusätzlich ist der Unterricht da günstiger, wo die Fahrschulen wenig Miete zahlen müssen. Das macht den Führerschein in Berlin meist billiger als in München.
Über die Qualität des Unterrichts sagt der Preis allein aber nichts aus. Es kommt auf die Lehrer an. Um einen guten zu erwischen, rät Walter Weißmann vom Landesverband Bayerischer Fahrlehrer, in eine Theoriestunde reinzuschnuppern. Das erlauben viele Fahrlehrer, und es ist umsonst. Zumindest um die Kosten muss George sich nicht sorgen.
Fahrunterricht nach Terminplan
Seine Mutter hat ihm den Führerschein zu Weihnachten und zum Geburtstag geschenkt. Die Fahrerlaubnis braucht er dringend, sagt er. Denn seit Jahren will er nur eines: Profi-Kicker werden. Deshalb steht er jeden Tag als Jugendspieler auf dem Platz, mehrere Stunden. Mit dem Führerschein könnte er selbst zum Training fahren. So hätte er mehr Zeit für Hausaufgaben, Lernen und Freunde. Aber schon den Fahrunterricht kriegt er kaum in seinem Terminplan unter.
„Am besten wäre es für mich, wenn ich zwei Wochen am Stück nur Fahrschule hätte“, meint George, als er gerade zum vierten Mal die Runde durch das Wohngebiet dreht. Dann würde er auch nicht immer alles so schnell wieder vergessen - wie einige Verkehrszeichen, die er sich noch nicht gemerkt hat. Die wiederholt er während der Fahrt mit Zoran. „Kennst du das?“, fragt der Fahrlehrer plötzlich und zeigt auf ein Schild. Darauf kickt ein kleineres Männchen einen Ball zu einer größeren Figur. Beide stehen mitten auf der Straße. Fußball ist ja Georges Gebiet.
Geld für ein eigenes Auto
Das Zeichen erkennt er tatsächlich sofort. Früher hing vor dem Haus seiner Eltern dasselbe: „Wir sind in einer verkehrsberuhigten Zone“, weiß er. Kinder können hier jederzeit toben - und Autofahrer müssen aufpassen. Deshalb tuckert George besonders langsam über die Spielstraße. Erlaubt ist Schrittgeschwindigkeit, und der Schüler hält sich daran. Schließlich will er sicher fahren und bald auch wirklich seinen Führerschein bekommen.
George kann dann das Auto seiner Mutter benutzen. Damit bleibt ihm das Problem vieler Fahranfänger erspart: Woher nur das Geld für die eigene Karre nehmen? Ein neuer Wagen ist teuer. Ein gebrauchter ist allerdings oft noch teurer. Uralte VW-Busse, Minis und buntbemalte Opel Corsa sehen zwar kultig aus, sie leeren aber den Geldbeutel. Denn die Klapperkisten gehen oft kaputt.
Die Tücken der Gebrauchtwagen
Bei Autos ist es normal, dass Teile mit den Jahren verschleißen. Der Auspuff rostet, die Bremsen bröseln, ein Blinker fällt aus. Da aber kaum jemand an seinem Wagen selbst rumbasteln kann, muss man jedes Mal beim Mechaniker viel Geld abdrücken. Dazu kommt, dass alte Autos mehr Schadstoffe ausstoßen als neue. Deshalb langt der Staat mächtig bei der Kraftfahrzeugsteuer zu, die jährlich zu zahlen ist.
Ältere Autos können für junge Fahrer aber auch Vorteile bringen, findet Maximilian Maurer vom Automobilclub ADAC. Vor allem, wenn die Autos von Verwandten kommen. Sind Oma oder Vater schon lange mit dem Wagen gefahren, kennen sie die Macken des Autos und können die Fahranfänger vor bösen Überraschungen warnen. Die können junge Leute dagegen erleben, wenn sie Gebrauchtwagen von Fremden kaufen. Außerdem ist bei Autos älterer Baujahre auch eine Delle mehr nicht weiter schlimm.
Alles im Griff
Um eine Versicherung müssen sich die Jugendlichen dennoch kümmern. Gerade Fahranfänger zahlen dafür besonders viel. Als Neulinge haben sie noch nicht gezeigt, dass sie unfallfrei fahren können. Erst wenn sie jahrelang keine Blechschäden anrichten, belohnt sie die Versicherung mit niedrigen Beiträgen.
George nähert sich dem Bordstein, als er die Kurve noch einmal nimmt. Diesmal hat er alles im Griff. Er wendet geschmeidig. Nach der fünften Runde kommt ihm ein anderes Fahrschulauto entgegen. Und George weicht geschickt aus. „Besser geht's nicht“, lobt Zoran. Trotzdem empfiehlt er dem Schüler am Ende ein paar Fahrstunden mehr. Weil er noch mehr Übung braucht. Dann schafft er den Führerschein sicher, sagt Zoran. Und wenn's auch noch mit der Karriere im Fußball klappt, kann er sich bald locker ein eigenes Auto leisten.