16.12.2008 · Die ARD schickt im nächsten Jahr einen Direktkandidaten zum Finale des Eurovision Song Contest (ESC) nach Moskau, der Vorentscheid wird abgeschafft. Damit erhoffen sich die Grand-Prix-Macher - nach der Blamage von Belgrad - eine höhere Teilnahmebereitschaft aussichtsreicher Künstler.
Von Peter-Philipp SchmittAuf eine Bewerbung von Rammstein, Tokio Hotel oder zumindest Herbert Grönemeyer für den nächsten Eurovision Song Contest (ESC) hofft offenbar der Norddeutsche Rundfunk - vermutlich aber ein weiteres Mal vergeblich. Wie der NDR am Dienstag bekanntgab, wird im Frühjahr 2009 erstmals seit mehr als zehn Jahren kein nationaler Vorentscheid in Deutschland stattfinden. Der in Sachen Grand Prix federführende Sender will einen Direktkandidaten zum Finale nach Moskau im Mai 2009 entsenden.
Thomas Schreiber, ARD Koordinator Unterhaltung, sprach von einer bewusst genommenen Auszeit vom bislang üblichen Verfahren. „Wir erhoffen uns eine höhere Teilnehmerbereitschaft von international erfolgreichen Künstlern, da wir ihnen den direkten Weg ins Finale in Aussicht stellen.“ Intern hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder Kritik an den Kandidaten des deutschen Vorentscheids gegeben, da offenbar die erste Garde deutscher Künstler eine Teilnahme am Grand Prix von vornherein ausschloss, aus Sorge, womöglich die Vorauswahl nicht zu überstehen. In diesem Jahr waren die No Angels für Deutschland in Belgrad auf dem letzten Platz gelandet.
Jury entscheidet
Über den Direktkandidaten wird nach Angaben Schreibers eine Jury entscheiden. Bewerbungen sind an den NDR zu richten. Im Anforderungsprofil heißt es: „Gesucht wird ein international ausgerichteter Song, der einer starken, europaweiten Konkurrenz Stand hält oder sie überragt.“ Der damals zuständige MDR hatte in den Jahren 1993 bis 1995 ebenfalls auf einen Direktkandidaten gesetzt. Stone & Stone landete dabei 1995 mit „Verliebt in dich“ beim Finale in Dublin mit nur einem Punkt auf dem letzten Platz.
Im folgenden Jahr wurde vom NDR, der vom MDR die Zuständigkeit für den Grand Prix übernommen hatte, wieder ein Vorentscheid eingeführt. Leon, von Beruf Friseur, gewann mit dem Lied „Blauer Planet“, das von Anna Rubach und Hanne Haller getextet und komponiert worden war. Nur wenig später wurden die sieben vermeintlich „erfolglosesten“ Songs von einer internen ESC-Jury, in der alle - damals - 30 Grand-Prix-Länder vertreten waren, aussortiert, um die vorgesehene Sendezeit des Finalabends nicht zu überziehen. Leons Titel gehörte zu den Verlierern - genauso wie die Beiträge aus Ungarn, Dänemark, Mazedonien, Russland, Israel und Rumänien. Erstmals in der Grand-Prix-Geschichte und bislang zum einzigen Mal war Deutschland damit nicht an einem Finale beteiligt.
Peter-Philipp Schmitt Jahrgang 1967, Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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