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DSDS Was hatte Pocher auf der RTL-Bühne zu suchen?

20.04.2009 ·  Der ehemalige ARD-Unterhalter ist am Samstag während der Casting-Show aufgetreten. Er wollte die Sendung lächerlich machen, aber am Ende war es genau umgekehrt.

Von Alexander Armbruster
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Er hat sich nicht entblödet. Deshalb ist seit dem vergangenen Samstagabend einmal mehr öffentlich nachvollziehbar, warum Oliver Pocher gut bei jungem Publikum ankommt, aber die Schuhe, die TV-Moderator Harald Schmidt ihm bei der ARD angeboten hatte, mehrere Nummern zu groß waren. Niemals hätte Pocher, der doch endlich ein unter Erwachsenen ernst genommener Entertainer werden wollte, in der RTL-Casting-Show „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) auftreten dürfen.

Zwar versuchte er, sobald die Kamera auf ihn gerichtet war und er sprechen durfte, sowohl die Show als auch die Kandidaten mit ironisch-amüsantem Zungenschlag der Lächerlichkeit preiszugeben. „Es ist schon was, vor so einem Publikum aufzutreten und ein Gedicht aufzusagen.“ Nur enttarnte er damit nicht ein Show-Konzept, das zwar enorme Einschaltquoten generiert, aber nicht geeignet ist, nachhaltig erfolgversprechende Musiker der breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. Denn dass kein DSDS-Sieger irgendwann einmal mit Genregrößen wie Madonna mithalten können wird, ist mitten in der sechsten Auflage des Wettbewerbs ohnehin kaum anzweifelbar.

Mehr Kritik statt bemühter Witze

Vielmehr wirkten Pochers Wortwahl und Gestik wie aufgezwungen. Man sah ihm an, wie er sich abmühte, aus der humorvoll-gesellschaftskritischen Perspektive zu sprechen, aber die dazu gehörende wichtige Botschaft „Ich bin keiner von denen, über die ich Witze mache“ nicht glaubhaft vermitteln konnte. Wie auch? Mit Auftritten wie dem während der sechsten Mottoshow am Samstag, als er als Tokio-Hotel-Sänger Bill Kaulitz verkleidet den Titel „Durch den Monsun“ sang, ist er bekannt geworden. Und nicht, das wiederum hat seine Karriere bei den Öffentlich Rechtlichen gezeigt, mit Wortgewandtheit und Sprachwitz.

Wenn er DSDS tatsächlich so niedlich findet, wie es bisweilen ist, hätte er das deutlich ansprechen können (und müssen). Dann hätte man sich gewünscht, er wäre nach seiner Anmoderation auf die Bühne gekommen und hätte gesagt: „Ich trete hier nicht auf. Ich gehöre nicht in die Reihe dieser vielleicht sehr zu Recht ausgewählten Teilnehmer.“ Das hätte er konkret erhärten können damit, dass beispielsweise eine Teilnehmerin unter die letzten vier Kandidaten gewählt worden ist, die regelmäßig Textteile ihrer Lieder vergisst - eine Kritik, die sich DSDS-Juror Dieter Bohlen übrigens nicht ersparte.

Zurück blieben verdutzte Zuschauer

So passten Pochers Auftritt und seine Kommentare nicht zusammen. Er hinterließ ein verdutztes Publikum und ebenso verdutzte Teilnehmer. Dabei ist gerade einigen der Kandidaten durchaus bewusst, dass sie als Show-Teilnehmer kaum eine Zukunft als Popstar vor sich haben, sondern, dass das Ganze für sie (auch) ein Abenteuer und eine - normalerweise - schöne Episode ist, von der sie eines Tages ihren Enkeln erzählen können.

Der 18 Jahre alte Staffel-Mädchenschwarm Dominik Büchele, der trotz Jurykritik an seinen Auftritten laut einer Internetumfrage einer der beiden heißesten Kandidaten auf den Sieg ist (der andere ist Juryliebling Daniel Schuhmacher), packte das in den ehrlich wirkenden wie einprägsamen Satz: „Wir sind ja noch Kinder.“ Für einen kurzen Moment dachte man, damit sind tatsächlich alle Kandidaten an diesem Abend gemeint - auch Pocher.

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Jahrgang 1982, Redakteur in der Wirtschaft.

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