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Ärger auf dem Pausenhof Schüler schlichten Streitereien

21.03.2009 ·  Auf dem Schulhof gibt es häufig Zoff. Da reicht schon eine böse Bemerkung. Dann greifen ausgebildete Schüler als Streitschlichter ein. Sie müssen neutral bleiben und wie ein Arzt oder Pfarrer darüber schweigen.

Von Yvonne Wagner
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Wenn es in Sinas Klasse Zoff gibt, macht die Siebzehnjährige nicht mehr mit. Sie hält sich einfach raus. Denn sie ist eine von 19 ausgebildeten Streitschlichtern, die sich an der Gesamtschule Am Rosenberg im hessischen Hofheim um ein friedliches Miteinander bemühen. Dafür hat Sina gelernt, nur wenig einzugreifen und sich nicht auf eine Seite zu schlagen. „Es bringt nichts, sich einzumischen, wenn man die Leute zu gut kennt. Man kann nicht unparteiisch bleiben“, sagt sie.

Ungefragtes Einmischen führe oft zu noch größeren Problemen. „Mit der Zeit lernt man zu unterscheiden, wo es sinnvoll ist einzugreifen und wo nicht“, sagt die gleichaltrige Tatiana. Das richtige Gespür dafür kann man lernen. Bundesweit bieten Schulen für ihre Schüler Kurse oder Arbeitsgemeinschaften an, in denen sie lernen, einen Streit gewaltfrei beizulegen. In Hessen lassen sich etwa 500 Schüler jährlich zu Streitschlichtern ausbilden.

Zwischen Schülern vermitteln

An der Hofheimer Gesamtschule passiert das im Wahlpflichtunterricht in der achten und neunten Klasse. Einige Schüler haben das Fach mehr als Notlösung gewählt denn als Lieblingsfach. „Jedenfalls besser als Nähen“, sagt Svenja, die nun bereits seit vier Jahren anderen aus der Patsche hilft. Sie hat den Kurs auch gewählt, um selbst mit Konflikten besser umgehen zu können. Während der Ausbildung innerhalb eines Schuljahres hat Svenja gemerkt, wie viel Spaß es ihr macht, Mitschüler zu beraten. In gespielten Streitsituationen hat sie gelernt, sich in die Lage anderer zu versetzen und so deren Gefühle nachzuempfinden.

Die 13 Jahre alte Melanie sieht ihre Aufgabe so: „Wenn jemand sagt, dass er sich nicht gut fühlt, weil der andere ihn beschimpft hat, kann das heißen, dass er deshalb enttäuscht, verletzt oder wütend ist“, erklärt sie. „Das müssen wir herausfinden und unseren Eindruck über seine Gefühle beschreiben, damit der andere ihn besser versteht.“ Wenn sie die richtigen Worte findet, schafft sie es, die anderen zum Reden zu bringen. Von allein trauen sich viele Kinder nicht, offen über ihre Gefühle zu sprechen.

Ende April legt Melanie ihre Prüfung zur Streitschlichterin ab und darf dann gemeinsam mit einem erfahrenen Schlichter zwischen Schülern vermitteln. Ebenso wie Marvin, der beim Gespräch auf die Stimme und die Körperhaltung seines Gegenübers achtet: „Klingt er ängstlich oder offen? Sitzt er genervt bei uns, oder wirkt er eingeschüchtert?“, erklärt er. Damit den Helfern nichts entgeht, arbeiten sie stets zu zweit. Auch sie müssen auf ihre Körpersprache achten. Ihre Art und ihr Tonfall wirken wie eine Visitenkarte. Nur wer sich verständlich ausdrückt, freundlich und interessiert auftritt, gewinnt Vertrauen.

Eine wichtige Regel ist die Schweigepflicht

Meist sind es die Kinder aus den fünften und sechsten Klassen, die sich in die Haare bekommen. Mal geht es um den mutwillig zerbröselten Radiergummi, dann wieder um Beleidigungen oder Eifersüchteleien. Jeder Konflikt wird von den Streitschlichtern ernst genommen - egal wie winzig er einem Außenstehenden erscheinen mag. „Manche Kinder sprechen uns schon ganz selbstverständlich auf dem Gang an“, erzählt Ninja, die bereits seit drei Jahren schlichtet. Andere werden von Lehrern geschickt oder werfen einen Hilferuf ins Fach der Unparteiischen. „Ich freue mich immer auf die Nachrichten“, sagt Sina.

Eine der wichtigsten Regeln für die Schlichter ist die absolute Schweigepflicht. „Uns interessiert nicht, ob etwas Verbotenes getan wurde, es geht nur darum, den Streit beizulegen“, sagt Sina.

Ein Pluspunkt im Lebenslauf

Für die Streitenden gibt es klare Regeln: Sie müssen im Gespräch auf Beleidigungen verzichten und dürfen nur die Unparteiischen ansprechen - damit der Zwist nicht gleich wieder ausbricht. Am Ende schließen die Streithähne einen Vertrag über die Einigung ab und vereinbaren einen Termin für ein weiteres Treffen. „In manchen Fällen erledigt sich der Streit während des Gesprächs von selbst“, berichtet Tatiana.

Doch manchmal kann es als Streitschlichter ganz schön frustrierend sein. „Wenn man sich einsetzt und es dann doch nichts nutzt, kostet es auch viel Kraft“, sagt Tatiana. Und persönlich gewinnen die engagierten Schüler auch etwas hinzu: Streit gehen sie gelassener an. Und bei einer Bewerbung um einen Arbeitsplatz macht sich Streitschlichtung im Lebenslauf gut.

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