09.12.2008 · Nick besucht Jonas im Krankenhaus. Endlich sieht er seine Familie wieder, die eigentlich ständig auf Besuch bei seinem kranken Bruder sind. Aber als er von seinen Problemen erzählen will, hört mal wieder niemand richtig zu. Teil 24 des Fortsetzungsromans von Martina Wildner.
Pia, Denny, Sara und Nick sind die vier Helden des Romans „Kleine Fische“, der die Abenteuer der Jugendlichen im Großstadtsommer schildert. Mit vier unterschiedlichen Stimmen erzählt Autorin Martina Wildner die Geschichte der jungen Leute, deren Wege sich auf seltsame Weise kreuzen.
Ich Idiot! Wieso hab ich dem Kerl verziehen? Ich hätte 120 Euro für den Helm verlangen sollen. Aber nein, ich sag: Ist schon gut. Nur weil ich froh war, dass er mich in Ruhe gelassen hat.
Nick betrat das Krankenhaus. Den Weg in die Kinderstation kannte er auswendig. Er hatte Jonas hier bestimmt schon hundert Mal besucht. Aber vielleicht hatte das ja jetzt ein Ende. Mit der neuen Niere. Jonas jedenfalls schien es schon wieder ganz gut zu gehen. Er hatte nach der Playstation verlangt und nach seinem I-Pod. Voll bepackt betrat Nick das Krankenzimmer.
Die Mutter war auch schon da. Nick hatte sie in den letzten Tagen kaum gesehen, weil sie immer bei Jonas gewesen war. Eigentlich hatte Nick beide Eltern kaum gesehen, denn auch der Vater war nach der Arbeit immer sofort ins Krankenhaus gefahren.
„Hier!“, sagte Nick. „Alles wie bestellt.“ Er hielt Jonas zwei Plastiktüten hin.
„Die Playstation?“, fragte die Mutter besorgt. „Also, ich weiß nicht, ob das jetzt so gut ist.“
„Das ist gut“, sagte Jonas. Ein wenig grün um die Nase war er schon noch. Aber das war er eigentlich immer. Nick reichte Jonas den Joystick und schloss die Playstation am Fernsehgerät an. Sie lief. „Super!“, sagte Jonas. Er startete ein Spiel.
Nick sah eine Weile zu, dann sagte er: „Soll ich euch jetzt mal erzählen, was mir gestern passiert ist? Also ...“
„Jonas, Vorsicht mit dem Infusionsschlauch!“ mahnte die Mutter.
„Ja, ja“, sagte Jonas und blickte gebannt zum Fernseher.
„Stellt euch vor“, begann Nick von Neuem. „Ich bin gestern ...“
„Ist das nicht ein bisschen laut?“, mahnte die Mutter und deutete auf den Bildschirm.
„So besser?“, fragte Jonas und regulierte die Lautstärke nach unten.
Nick setzte wieder an: „Ich bin gestern doch glatt ...“
„Aber nur ein Spiel, Jonas. Du bist noch schwach“, unterbrach die Mutter Nick zum dritten Mal. Er schnaufte. Also gut, dann eben nicht. Er stand auf und ging.
Die bisherigen Folgen sind hier nachzulesen: Fortsetzungsroman „Kleine Fische”