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Kleine Fische, Teil 23 Blauer Koffer

02.12.2008 ·  Der Abend verspricht, interessant zu werden. Carlos, den Sara in der Notaufnahme kennengelernt hatte, steht plötzlich in der Tür. Mit einem blauen Koffer. Teil 23 des Fortsetzungsromans von Martina Wildner.

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Pia, Denny, Sara und Nick sind die vier Helden des Romans „Kleine Fische“, der die Abenteuer der Jugendlichen im Großstadtsommer schildert. Mit vier unterschiedlichen Stimmen erzählt Autorin Martina Wildner die Geschichte der jungen Leute, deren Wege sich auf seltsame Weise kreuzen.

Die Katze verschmähte alles außer Sheeva. Also nannte Sara die Katze Sheeva. „Zwei Wochen“, hatte Mama gesagt. „Zwei Wochen kann sie bleiben, dann kommt sie ins Tierheim.“ Mama empfand Haustiere als einen Anschlag auf ihr Wohlbefinden. Vielleicht, dachte Sara, sollte man einen Zettel aushängen. Graue Perserkatze gefunden. Sara klopfte vorsichtig mit dem Fuß gegen den umgedrehte alte Blechwanne, unter der sich Sheeva immer versteckte. Nichts. Sheeva schlief wohl gerade.

Bislang war der Abend ein einziges Fiasko gewesen. Erst hatte sie versucht, Carlos anzurufen, aber es ging nicht mal seine Mailbox ran. Und später, bei Antonio, hatte sie ihn auch noch verwechselt. Mit einem Fünfzehnjährigen. So etwas war ihr noch nie passiert.

Wie peinlich! Aber das kam natürlich daher, weil sie seit gestern nur noch eines denken konnte: Carlos, Carlos, Carlos. In diesem Augenblick läutete ihr Handy. „Hier ist Carlos“, meldete sich eine männliche Stimme. „Du weißt schon, der aus der Notaufnahme.“
„Carlos!“ Mehr fiel Sara nicht ein. Aber immerhin konnte sie wieder sprechen ohne zu nuscheln. Ihre Lippe war abgeschwollen und heilte gut.
„Gut, dass ich dich erreiche“, sagte Carlos. „Ich hätte eine kleine Bitte. Kann ich mal kurz vorbeikommen und bei dir für eine Weile was abstellen? Ich würde es später dann abholen kommen.“
„Klar kannst du das“, sagte Sara, obwohl sie nicht wirklich verstanden hatte, was Carlos vorhatte.
„Super, das ist echt cool. Also, bis gleich.“ Sara legte das Handy ab. Gut, dass sie ihm noch zum Schluss ihre Adresse gesagt hatte. Und noch besser, dass er sie sich gemerkt hatte. Er war also interessiert. Sara sprang auf, ging ins Bad, um sich Lidschatten aufzulegen. Aber welchen? Silber? Dunkelblau? Oder pink? Oder doch lieber den Hellblauen? Aber da läutete es schon an der Tür. Sara schnappte nach Luft und wählte Silber. Eine Minute später stand Carlos mit einem blauen Koffer vor der Tür.

Die bisherigen Folgen sind hier nachzulesen: Fortsetzungsroman „Kleine Fische”

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
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