02.11.2008 · Sara erholt sich zuhause von ihrer Verletzung. Als ihre Mutter endlich heim kommt, ist ihr Mitgefühl nicht besonders herzlich. Sie sitzen draußen auf dem Balkon, als plötzlich etwas in Saras Schoß fällt. Teil 19 des Fortsetzungsromans von Martina Wildner.
Pia, Denny, Sara und Nick sind die vier Helden des Romans „Kleine Fische“, der die Abenteuer der Jugendlichen im Großstadtsommer schildert. Mit vier unterschiedlichen Stimmen erzählt Autorin Martina Wildner die Geschichte der jungen Leute, deren Wege sich auf seltsame Weise kreuzen.
Carlos hieß er. Carlos DaSilva. Und seine Sonnenbrille war von Armani gewesen. Sara studierte noch mal die Visitenkarte. Carlos daSilva aus Hamburg. Was er wohl hier tat? Sie nahm einen Schluck von ihrer eisgekühlten Cola und lehnte sich im Liegstuhl zurück. Der Arzt hatte sie getröstet: Die Lippe würde zwar nach dem Nähen kräftig anschwellen, aber in einer Woche würde sie wieder an einem Schönheitswettbewerb teilnehmen können. Ärztegequatsche. Aber immerhin. Sie schien diesen Carlos beeindruckt zu haben. Trotz Lippe.
Sara hörte im Wohnzimmer Schritte. „Saraschatz!“, rief ihre Mutter aufgeregt. „Papa hat mir erzählt, was passiert ist. Wie geht es dir?“Die Mutter betrat die Dachterrasse. Sie trug ein hellblaues Kostüm und hellblaue, hohe Riemchensandalen. Sie war braungebrannt, ihr langes, schwarzes Haar war hochgesteckt. Sie sah wieder mal blendend aus, so blendend, dass Sara sie in solchen Momenten als Konkurrenz empfand. Der Mutter schien es ähnlich zu gehen, denn in ihrem Tonfall war eine Spur Triumph zu hören.
Sie sagte: „Mein Gott, meine arme Sara, das ist ja richtig schlimm!“
„Wird schon wieder“, nuschelte Sara und trank einen Schluck Cola. Mama deutete auf Saras Glas: „Ist das Cola light?“ Und ohne eine Antwort abzuwarten, nahm sie es und trank es leer.
„Dasch war für mich“, protestierte Sara. „Tschum Kühlen.“
„Ach, Saraschatz. Ich hatte einen anstrengenden Tag.“ Sara antwortete nichts. Was auch.
„Zum Glück warst du vorher beim Fotografieren“, sagte Mama jetzt. „Wie sind denn die Fotos geworden?“
„Äh ... schie ... schind noch nicht fertig“, log Sara.
„Anne hat übrigens angerufen“, sagte Mama. „Gestern um 13.34 Uhr. Sie hat aufs Band gesprochen.“
Sara rechnete kurz nach. 13.34 Uhr. Dann war Anne also ... In diesem Augenblick fiel ihr ein hellgrauer Wollknäuel in den Schoß. Sara schrie spitz auf. Ihre Mutter nicht weniger. Eine Perserkatze war vom Dach auf ihren Balkon gepurzelt.
Die bisherigen Folgen sind hier nachzulesen: Fortsetzungsroman „Kleine Fische”