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Kleine Fische, Teil 17 Die Lose sind weg

14.10.2008 ·  Als sich Denny und seine Mutter schließlich wieder in ihre Wohnung trauen, ist der gewalttätige Pit nirgends zu sehen. Dafür erwartet sie eine ganz andere Überraschung. Teil 17 des Fortsetzungsromans von Martina Wildner.

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Pia, Denny, Sara und Nick sind die vier Helden des Romans „Kleine Fische“, der die Abenteuer der Jugendlichen im Großstadtsommer schildert. Mit vier unterschiedlichen Stimmen erzählt Autorin Martina Wildner die Geschichte der jungen Leute, deren Wege sich auf seltsame Weise kreuzen.

Dennys Mutter hatte natürlich nicht die Polizei gerufen. Der Schwarze hatte Denny losgelassen und war plötzlich verschwunden, außerdem hatte sie ohnehin kein Handy - das war in der Wohnung. Die Mutter stand kopfschüttelnd vor der Wohnungstür, aus der laute - sehr laute! - Musik herausdröhnte. „Womit hab ich das verdient?“, seufzte sie. „Nur Idioten als Söhne. Wieso hast du den Neger so blöd angemacht, Denny? Als wenn wir nicht schon genug Ärger hätten! Und dieser Irre da drin soll gefälligst seine Musik leiser machen! Die Mutter trat gegen die Tür.

Dann atmete sie tief aus, zog den Schlüssel aus ihrer Jeanstasche und sagte. „Wenn er jetzt immer noch so drauf ist, ruf ich die Bullen.“
„Willst du wirklich aufsperren? Er hat ein Messer.“
„Der soll es wagen, am helllichten Tag seine Familie anzugreifen.“ Die Mutter drehte wild entschlossen den Schlüssel um und öffnete die Tür.

Das komplette Chaos

Sie betraten das komplette Chaos. Es sah aus, als sei die Wohnung hintereinander von mehreren Kampftrupps durchsucht worden: Alle Schubladen und Schränke waren aufgerissen, der Inhalt lag in Häufen auf dem Boden. Dazu dröhnendes Heavy Metal. Sprachlos bahnten sich Denny und seine Mutter einen Weg durch den kleinen Gang zum Wohnzimmer, wo es nicht besser aus sah. Pit - oder die Kampftrupps - hatten sogar vor dem Sofa nicht Halt gemacht. Die Polster waren aufgeschlitzt und die Füllung quoll heraus. Denny pflügte sich durch bis zur Stereoanlage und schaltete sie ab. Stille breitete sich aus. Schon besser.

Aber wo war Pit? Die Mutter stieg über den umgekippten Sessel und warf einen Blick erst in Dennys, dann in Pits Zimmer. „Er ist weg“, stellte sie fest.
„Oder er liegt hier irgendwo“, sagte Denny. Dieser Gedanke quälte ihn schon die ganze Zeit: Dass Pit auch tot sein konnte.

Die Mutter ging jetzt zu ihrer Kommode, in der sie wichtige Unterlagen aufbewahrte. „Verdammt!“, murmelte sie. „Ich hab's gewusst. Er hat meine Lose mitgenommen.“


Die bisherigen Folgen sind hier nachzulesen: Fortsetzungsroman „Kleine Fische”.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
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