16.09.2008 · Ihr Vater hat Sara in die Notaufnahme des Krankenhauses gebracht. Doch er hängt ständig am Handy und sie schickt ihn weg. Da setzt sich ein junger Mann neben Sara. Teil 14 des Fortsetzungsromans von Martina Wildner.
Pia, Denny, Sara und Nick sind die vier Helden des Romans „Kleine Fische“, der die Abenteuer der Jugendlichen im Großstadtsommer schildert. Mit vier unterschiedlichen Stimmen erzählt Autorin Martina Wildner die Geschichte der jungen Leute, deren Wege sich auf seltsame Weise kreuzen.
In der Notaufnahme herrschte ziemlicher Betrieb. Papa saß neben Sara und wippte nervös mit dem Fuß. „Das Handyverbot ist doch reinster Terror.“ Dann geh doch raus, dachte Sara, aber hör auf mit dem Gewippe. Nachdem Papa sie gefunden hatte, hatte er sie sofort ins Krankenhaus gebracht. Sara drückte sich immer noch ihr Handtuch an die Lippe. Ihr war zum Heulen. Papas Handy läutete, er ging ran.
„Nein“, sagte er ungeduldig. „Mir ist was dazwischen gekommen. Ich komme später ...“
„Ich darf Sie auf das Handyverbot aufmerksam machen“, sagte eine vorbeihetzende Schwester.
„Das kotzt mich doch an!“, brüllte Papa und steckte das Handy ein.
„Du muscht hier nischt warten“, nuschelte Sara. „Dasch kann isch auch allein.“
„Ach“, sagte Papa unwirsch. Er wippte wieder mit dem Fuß.
„Mein isch escht ernscht“, sagte Sara.
„Ich kann dich doch hier nicht allein lassen.“
Ein Lichtblick
Die Tür ging auf und ein aus einer Kopfwunde blutender Mann torkelte herein. Er hatte eine ziemliche Fahne und ließ sich auf einen der orangefarbenen Plastikstühle fallen.
„Aber wenn du es mir anbietest“, sagte Papa. Endlich hörte er auf zu wippen.
„Ja“, sagte Sara, „im Ernscht.“
Papa erhob sich und zupfte seinen Anzug zurecht. „Ich hab heute nämlich den ganzen Tag Besprechungen.“
„Isch schon okay“, antwortete Sara und Papa ging. Sara war froh, als er weg war.
Wieder ging die Tür auf. Ein junger Mann kam herein. Er trug eine Sonnenbrille, hielt sich die rechte Hand, um die er ein dickes, weißes Tuch gewickelt hatte, setzte sich neben Sara und schob die Sonnenbrille hoch. Sie lehnte sich zurück. Sie war die einzige Frau in der Notaufnahme.
„Autotüre“, sagte der Mann neben ihr plötzlich. Er war vielleicht fünfundzwanzig und sah ziemlich gut aus: Dunkle Augen, dunkle Locken. „Und bei dir?“ Er lächelte sie an.
„Glaschplatte“, sagte Sara.
„Der einzige Lichtblick, hier“, sagte der Mann.
„Wasch?“
„Du.“
Die Schwester kam herein. „Frau Sara Willmann, bitte.“
Die bisherigen Folgen sind hier nachzulesen Fortsetzungsroman „Kleine Fische”.